+
Verlegerin Monika Schoeller von Holtzbrinck mit dem Kopf von Maecenas im Hochstift.

Auszeichnung

Feier einer Mäzenin

  • schließen

Monika Schoeller von Holtzbrinck, Verlegerin des S. Fischer Verlages, erhält in Frankfurt die Maecenas-Ehrung.

Es fällt ihr sehr schwer, ins Rampenlicht zu treten. Am Rednerpult ringt sie nach Worten. Denn Monika Schoeller von Holtzbrinck, die große alte Dame der deutschen Verlagslandschaft, lebt seit Jahrzehnten zurückgezogen abseits jeder Öffentlichkeit. „Ich bin in vielem nicht gesellschaftsfähig – die Stille ist mir zugehörig, und ich brauche viel davon“, sagt die 79-Jährige. Ihre Offenheit berührt die Festversammlung, die am Sonntagmorgen ins Freie Deutsche Hochstift gekommen ist. Denn die Verlegerin des S. Fischer Verlages wird mit der Maecenas-Ehrung bedacht und tritt deshalb ausnahmsweise öffentlich auf. 

Der Arbeitskreis selbstständiger Kultur-Institute vergibt seit 1989 diese Auszeichnung an Persönlichkeiten, die sich um die Förderung von Kunst und Kultur verdient gemacht haben. Und in der Tat sprengt es auch die Laudatio von Anne Bohnenkamp-Renken, der Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, die Aktivitäten der Mäzenin vollständig zu benennen. 

Mit ihrer S. Fischer-Stiftung vergibt sie Stipendien an Autoren und Übersetzer, unterstützt Kulturinstitutionen bei wichtigen Projekten, fördert wissenschaftliche Tagungen und umfangreiche Publikationsprojekte. Die 1975 begonnene historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke Hugo von Hofmannsthals wäre ohne Schoeller nicht denkbar – jetzt erscheint der 42. und letzte Band. Das gleiche gilt für die große kommentierte Frankfurter Ausgabe Thomas Manns. 

Die Verlegerin engagiert sich aber auch für das neue Deutsche Romantik-Museum, das gerade am Großen Hirschgraben entsteht. „Ich habe aus meinem Erbe das genommen, von dem ich dachte es, wäre gut“, sagt die Milliardärin schlicht. Die Mäzenin fordert aber auch mehr Engagement des Staates für die großen Kulturinstitute: „Da ist noch viel zu tun“. Es kennzeichnet diese Festveranstaltung, dass sie sich mit dem Rechtspopulismus auseinandersetzt. Wolfgang Trautwein, der Vorsitzende des Arbeitskreises der 37 Kulturinstitute, sorgt sich „dass demokratische Werte und Praxis zunehmend infrage gestellt werden“. Es sei Aufgabe der Kulturinstitutionen, „demokratische Verhaltensweisen zu stärken“ und „ideologische Annäherungsversuche zurückzuweisen“.

Stefan Schmitt-Hüttebräuker, Referatsleiter im Staatsministerium für Kultur und Medien, würdigt die Verlegerin für ihre „Kultur der Verantwortung und Uneigennützigkeit“. Er zitiert lobende Worte der Autorin und Feministin Silvia Bovenschen über Schoeller, nennt sie freilich hartnäckig „Bovenstein“. Raunen im Publikum über den Gast aus Berlin. 

Da tritt Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig schon souveräner auf. Sie nennt den Einsatz Schoellers um so wichtiger, als sich heute „die Lesekultur im radikalen Umbruch befinde“ – es werden immer weniger Bücher gekauft, das Lesen wird aus dem Alltag verdrängt. 

Monika Schoeller hat sich für die musikalische Einbettung der Feierstunde das iranische Duo Murat Coskun und Arezoo Rezvani gewünscht. Sie spielen auf alten Instrumenten wie der Rahmentrommel und der 70-saitigen Santur wehmütige persische (Liebes)lieder. Und dann liest der Schauspieler Peter A. Schröder auf Wunsch der Geehrten die Novelle „Der Bauer Marej“ von Fjodor Dostojewski. Der erinnert sich an ein Kindheitserlebnis: Er läuft voller Angst durch ein Sonnenblumenfeld, weil angeblich ein Wolf naht – er flüchtet sich in die Arme des Bauern Marej. „Das ganze Leben ist painful und peinlich“, hatte Monika Schoeller in ihrer Rede gesagt. Und sich für die Feierstunde bedankt: „Das Geben hat mich reich gemacht“. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare