Römerbriefe

Frankfurt: Therapie mit Bäppi la Belle

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    Georg Leppert
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Ein SPD-Stadtverordneter findet uns nicht witzig. Dann müssen wir wohl an uns arbeiten. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert:Treffen sich Jan Schneider und Mike Josef auf dem Acker vor Steinbach. Sagt …

Göpfert:Das ist nicht witzig.

Leppert:Michael zu Löwenstein schraubt in einer Schule an einer WLAN-Buchse herum. Kommt Sylvia Weber …

Göpfert:Gar nicht komisch.

Wir sind in einer Schaffenskrise, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Und wer ist schuld daran? Bäppi la Belle. Der ist Schauspieler und Künstler und Entertainer und noch viel mehr und eben auch Stadtverordneter der SPD. Das wissen jetzt nur 91 Prozent der Frankfurterinnen und Frankfurter, weil, wie sagen wir das jetzt höflich: Die ganz großen Reden im Plenum halten dann doch eher andere Menschen. Aber austeilen, das kann Thomas Bäppler-Wolf, so sein bürgerlicher Name, schon ganz gut.

Vorige Woche etwa haben wir in den Römerbriefen ja über ein sehr ernstes Thema geschrieben. Deshalb haben wir in dem Dialog zu Beginn des Textes gefragt, ob wir an dieser Stelle eigentlich immer witzig sein müssten. Und das war eine Steilvorlage für Bäppi la Belle. Im Internet schreibt er als Kommentar zu unserem Text, wir seien noch nie witzig gewesen. Boaaaahhhh, wie gemein. Ja, wir haben auch mal Scherze auf seine Kosten gemacht. Aber hey, wir haben mindestens 653 Mal über „Schwarz-Grün tut Frankfurt gut“ gespottet, und Manuel Stock, Uwe Becker, Olaf Cunitz und Michael zu Löwenstein waren trotzdem nie so fies zu uns. Jedenfalls haben wir jetzt die totale Blockade. Kein kommunalpolitischer Witz will mehr gelingen. Vor kurzem wurde uns ein Bild von einer China-Reise zugespielt. Oberbürgermeister Peter Feldmann und Nico Wehnemann von „Die Partei“ sehen darauf aus, als wollten sie gleich heiraten. Früher hätten wir jetzt 100 Zeilen darüber geschrieben, wen sie einladen und wer beim gemeinsamen Torteanschneiden die Hand oben hat. Aber nach Bäppi la Belles Kommentar schaffen wir das nicht mehr.

Nun ist es nur gerecht, wenn er uns aus dieser misslichen Situation auch heraushilft. Vorschlag: Zur Übung schauen wir uns auf seiner Wikipedia-Seite die Titel seiner Theaterstücke an und versuchen dazu, etwas Kommunalpolitisches zu schreiben. Los geht’s …

„Samstags gibt’s dick’ Supp“ (aus dem Jahr 2008): Mag ja sein, weil aber samstags keine Schule ist, haben die Sodexo-Kinder davon gar nichts. Danke, Sylvia Weber.

„ADGMISDSIDBFK“ (2011), das Stück heißt echt so: Wofür könnte diese Abkürzung bloß stehen? „Außer den Grünen mit ihren Stadtverordneten, die sich immer darüber beschweren, findet keiner … das mit den Grenzwerten richtig schlimm“. Die letzten Buchstaben müssten halt noch dran, aber der Anfang war doch gut, oder?

„Mit 66 Fummeln“ (2004) … wurde Nargess Eskandari-Grünberg auch nicht Oberbürgermeisterin. Aber die am besten gekleidete Bewerberin war sie.

„Crazy World“ (1996): live von den Koalitionsgesprächen in Bad Nauheim.

„Ich war nie Revuetänzerin“ (2000): Waren wir auch nie. Aber zumindest haben wir uns etwas neuen Schwung geholt, um nächste Woche wieder witzig zu sein. Kleiner Spoiler: Wieso hat Volker Stein so lange Ohren? Weil sein Freund Peter Postleb ihn daran immer hochzieht. Dann kann er in den ersten Stock des Römers schauen und sehen, wie ein Oberbürgermeister arbeitet.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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