In der Malteser-Sprechstunde gibt es neben Medizin auch Beratung.
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In der Malteser-Sprechstunde gibt es neben Medizin auch Beratung.

Die FR spendet

Therapie auch ohne Krankenkasse

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Projekt der Malteser hilft Menschen, die keine Versicherung haben.

Es ist fast schon eine Selbstverständlichkeit. Wenn man krank ist, geht man zum Arzt, zeigt seine Versicherungskarte vor und wird behandelt. Doch nicht jeder in Deutschland kann einfach so Hilfe in Anspruch nehmen, wenn er Beschwerden hat. Auch in unserem Land gibt es Menschen, die durch das Netz der durchaus guten Krankenversorgung rutschen. Migrantinnen und Migranten, Obdachlose, Selbstständige ohne Versicherung oder Studierende, die die Regelstudienzeit überschritten haben – es gibt viele, die ohne die Vorzüge einer gesetzlichen Krankenversicherung leben. Medizinische Hilfe ist für sie oftmals unbezahlbar.

Genau diesen Menschen versucht die Malteser-Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung in Frankfurt zu helfen. Sie bietet wöchentlich eine kostenlose allgemeinärztliche Sprechstunde an. Es wird beraten, untersucht, diagnostiziert und therapiert. Einmal pro Woche ist Sprechstunde im Medicentrum am Markuskrankenhaus. Dort darf das Malteser-Hilfsangebot die Räume kostenfrei nutzen.

Zum Team gehören acht ehrenamtliche Ärzte und Ärztinnen sowie acht Assistentinnen. In der Regel haben je zwei von ihnen zur Sprechstunde Dienst. Sie untersuchen die Menschen, geben Ratschläge, aber auch Medikamente. Die Kosten dafür, für Operationen und weitere Aufwendungen werden komplett durch Spenden finanziert. Das Team leistete im vergangenen Jahr 1730 Ehrenamtsstunden. In diesem Jahr wurden von Januar bis August 350 Behandlungen gezählt. Die Anzahl der Menschen, die die Ambulanz aufsuchen, steigt seit Jahren. Rund zwei Drittel von ihnen haben keinen legalen Aufenthaltsstatus in Deutschland.

Wie Sie helfen können

Die Malteser-Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung gibt es seit 2006 auch in Frankfurt. Damals trug sie noch den Namen Malteser-Migranten-Medizin und war im Bürgerhospital im Nordend angesiedelt. 2012 folgte der Umzug an den heutigen Standort am Markuskrankenhaus in der Wilhelm-Epstein-Straße im Stadtteil Ginnheim. mic

Spenden kann man an: Malteser Hilfsdienst e. V. Frankfurt, Pax-Bank eG IBAN : DE63370601934004400033 BIC: GENODED1PAX Stichwort: MMM Frankfurt

Die Beschwerden gleichen denen in einer normalen Praxis oder Klinik, von Infekten über Bluthochdruck bis zu Schmerzen in der Wirbelsäule. Allerdings gibt es auch viele Patienten, die mit fortgeschrittenen Krankheiten kommen, weil sie nie zu einer Untersuchung gegangen sind. Wenn die Hilfesuchenden älter werden, gehen damit häufig auch chronische und altersbedingte Leiden einher. So versorgen die Mediziner dauerhaft mehrere insulinpflichtige Diabetiker, was den Etat sehr in Anspruch nimmt.

Mit etwa 40 Facharztpraxen haben die Malteser vereinbart, dass sie ihnen Patientinnen und Patienten „überweisen“ dürfen. Einige dieser Praxen spenden ihre Leistungen, andere nicht. Ein engagierter Chirurg des Teams führt ehrenamtlich ambulante operative Eingriffe durch. Die Material- und die Anästhesiekosten trägt ebenfalls die Malteser-Medizin. Auch bei stationären Operationen und Krankenhausaufenthalten entstehen, trotz Entgegenkommens der Kliniken, erhebliche Kosten.

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit der Malteser-Medizin zwar nicht wesentlich verändert, aber doch erschwert. Strengere Hygienevorschriften müssen beachtet werden, drei Engagierte haben sich vorläufig zurückgezogen, weil sie zur Risikogruppe zählen oder jemanden in der Familie haben, der dazu zählt.

„Unsere Hilfe ist aktuell und auch in Zukunft notwendig, vor allem infolge der anhaltenden Fluchtbewegungen. Viele Menschen ohne Papiere und deshalb auch ohne Krankenversicherung werden in Deutschland bleiben. Und die brauchen aus humanitären Gründen eine Anlaufstelle“, sagt James Jacobsen, ärztlicher Leiter der Malteser-Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung in Frankfurt.

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