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Leben und leben lassen: so wie die Unke und das Mädchen aus derselben Schüssel essen.

Kultur

Kleine Stücke mit großer Wirkung

  • Meike Kolodziejczyk
    vonMeike Kolodziejczyk
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Das Theaterhaus Frankfurt startet mit vielen Premieren und Produktionen für Kinder und Jugendliche in die neue Saison. Am Samstag eröffnet „Die Unke“ die neue Spielzeit.

Die Glaspforte öffnet sich, eine Horde Kinder mit Masken trabt aus dem Gebäude. Die zweite Klasse habe sich gerade „Die Unke“ angeschaut, quasi als Testpublikum vor der Premiere, sagt Henriette Leonhard, Sprecherin des Theaterhauses Frankfurt. „Es ist ein sehr anspruchsvolles, komplexes Stück, aber auch heiter und verrückt.“ Den Kern bildet das gleichnamige Märchen der Brüder Grimm, darum herum hat das Ensemble The@rt ein Theaterstück mit Musik gesponnen, das verschiedene Ebenen einnimmt. Am Samstag eröffnet „Die Unke“ die neue Spielzeit, es ist das erste von „Sechs Neuen Kindertheaterstücken“, die in den kommenden Monaten im Theaterhaus aufgeführt werden.

Das Projekt wurde initiiert, um Künstlerinnen und Künstlern der Freien Kindertheaterszene eine Möglichkeit zu geben, schnell und unkompliziert ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Sechs Ensembles haben sich gefunden, um jeweils ein Stück für Kinder von zwei Jahren bis Grundschulalter zu erarbeiten. Einige der Gruppen haben sich eigens aus diesem Anlass neu gebildet, technisch und organisatorisch werden sie unterstützt vom Team des Theaterhauses.

Spielzeit 2020/2021

Die neue Spielzeit des Theaterhauses Frankfurt, Schützenstraße 12, beginnt am Samstag, 29. August, 17 Uhr, mit der Premiere von „Die Unke“ des Ensembles The@rt. Es ist eines der „Sechs Neuen Kindertheaterstücke“, die freien Künstlerinnen und Künstlern eine Arbeitsperspektive bieten sollen. Weitere Aufführungen sind am Sonntag, 30. August, 11 Uhr, am Montag, 31. August, 10 Uhr, und am Dienstag, 1. September, 10 Uhr.

Eine weitere Spielstätte des Theater befindet sich im Löwenhof in Frankfurt, Löwengasse 27k in Bornheim.

Karten kosten an der Tages- und Abendkasse für Kindertheaterstücke 7 Euro (Kinder) und 10 Euro (Erwachsene), für Jugendtheaterstücke 13 Euro, ermäßigt 10 Euro.

Reservierung unter Tel. 069/2998610. www.theaterhaus-frankfurt.de

Die Idee zu „Sechs Neue Kindertheaterstücke“ entstand im April 2020, also inmitten in der coronabedingten Pause, die das Theaterhaus nicht ungenutzt verstreichen ließ. „Anstatt uns entmutigen zu lassen, haben wir etwas getan und sind nach vorne gegangen“, blickt Intendant Gordon Vajen auf diese Phase zurück. 27 Märchen hat das Kinder- und Jugendtheater gefilmt und den Youtube-Kanal „Erzähl-Zeit zu Hause“ eingerichtet. „So konnten wir wenigstens indirekt Kontakt zu den Kindern halten.“ In „Sechs Neue Kindertheaterstücke“ geht es nun also auch um die Künstlerinnen und Künstler. Das Projekt sei „getragen von Solidarität“, sagt die Theaterpädagogin Simone Fecher-Conte, mit dem Ziel, in diesen Zeiten die freie Theaterszene zu unterstützen: „Die künstlerische Arbeit soll gestärkt, die Freiheit der Kunst untermauert werden.“

Alle Produktionen kommen mit wenig Ausstattung und Aufwand auf die Bühne, höchstens drei Darstellerinnen und Darsteller sind jeweils beteiligt. „Die Idee war, kleine Stücke zu produzieren, um einerseits den gebotenen Abstand zu wahren und andererseits flexibel zu bleiben“, sagt Henriette Leonhard. Schließlich habe im Frühjahr noch niemand wissen können, wie sich die Lage zu Beginn der neuen Saison darstellen würde. Nach aktuellem Stand nun dürfen maximal 25 Gäste im Zuschauerraum sitzen, der normalerweise hundert Plätze bietet.

Nach den Erfahrungen, die das Theaterhaus seit der Wiederöffnung im Mai gemacht hat, reiche diese Kapazität jedoch generell aus. „Die Leute waren anfangs sehr zögerlich, wieder ins Theater zu gehen, und sie sind es immer noch“, sagt Leonhard. Mit Eintrittskarten lasse sich der Spielbetrieb daher nicht bestreiten, vom Leben der Künstlerinnen und Künstler ganz zu schweigen. Finanziert werden die „Sechs neuen Kindertheaterstücke“ von Förderern und Sponsoren, zu denen etwa das Kulturdezernat der Stadt Frankfurt, der Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main oder die Polytechnische Gesellschaft gehören. Rund 130 000 Euro kamen zusammen für das Projekt, alle Beteiligten der freien Ensembles erhalten davon den gleichen Betrag.

Nach „Die Unke“ steht Samuel Becketts „Warten auf Gordot“ in einer Version für Kinder ab sieben Jahren auf dem Programm (Premiere am 5. September), gefolgt von „Vom Fischer und seiner Frau“ (ab 12. September), „Aus meinem Fenster fliegt ein Traum“ für gehörlose und hörende Menschen (ab 17. September), „Wo ist Feenland?“ (15. Oktober) und „Wir-So!“(12. November). Jeweils vier bis fünf Aufführungen werden gespielt. Die Plakate zu den sechs Stücken hat der Illustrator Sylvain Mérot gestaltet.

Bis Dezember stehen noch weitere Premieren und Projekte im Theaterhaus an, zum Beispiel das Liederprogramm zum 20-jährigen Bestehen des Theaterhaus-Ensembles mit dem Titel „Die Gedanken sind frei“ (19. September) oder das „Fest der Jungen Ensembles“ (27. September). Bis Dezember reicht auch die Programmbroschüre, „dann sehen wir weiter“, sagt Leonhard. Immerhin dürften Schulklassen nun wieder Tagesausflüge ins Theater unternehmen. „Und wenn die Schulen und Kindereinrichtungen Interesse an Aufführungen in ihren Häusern haben“, sagt Simone Fecher-Conte, „tun wir alles, um das dort möglich zu machen.“

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