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Bei der Inszenierung wird die Fassade der Naxoshalle zur Bühne.
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Bei der Inszenierung wird die Fassade der Naxoshalle zur Bühne.

Frankfurt:

Theater Willy Praml: Heine und die Cholera

  • Anja Laud
    VonAnja Laud
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Das Theater Willy Praml in Frankfurt inszeniert einen hochaktuellen Text von Heinrich Heine. Das Publikum blickt coronabedingt vom Parkplatz aus auf die Fenster der Naxoshalle.

Menschen, die trotz des Ausbruchs einer Seuche Karneval feiern, die Verschwörungstheorien verbreiten, die andere das Leben kosten, Tote, die wegen ihrer großen Zahl in Möbelwagen abtransportiert werden. Das alles beschrieb Heinrich Heine, als er 1832 über den Ausbruch der Cholera in Paris schrieb. Der Text ist so aktuell, dass das Theater Willy Praml in Frankfurt mit ihm in sein Jubiläumsjahr startet. Unter dem Titel „Heine. Ich rede von der Cholera“ verbindet Regisseur Michael Weber den Heine-Artikel mit Verdis Oper „La Traviata“.

Das Ensemble des Theaters, das in diesem Jahr seit 30 Jahren besteht, hat bei der Inszenierung des Artikels, den der Dichter Heinrich Heine seinerzeit für die „Allgemeine Zeitung“ in Augsburg schrieb, auf volles Risiko gesetzt.

„Wir haben die Premiere und die Aufführungen jetzt im Juni zu einer Zeit angesetzt, als die Inzidenzzahl sehr hoch und noch nicht absehbar war, dass sie so tief wie jetzt sinkt“, sagt Michael Weber, der Regisseur und Mitbegründer der Bühne ist, die seit über 20 Jahren im Ostend in der Naxoshalle, einer ehemaligen Fabrik für Schleifmittel, residiert.

Aufführungen

Die Premiere von „Heine. Ich rede von der Cholera“ am Mittwoch, 2. Juni, im Theater Willy Praml, Waldschmidtstr. 19, in Frankfurt, ist bereits ausverkauft.

Weitere Open-Air Aufführungen in der Naxoshalle folgen am 3., 4., 5. und 6. Juni sowie am 10., 11., 12. und 13. Juni, jeweils um 20 Uhr. Zwei Matinee-Vorstellungen sind für die Sonntage, 6. und 13. Juni, 12 Uhr, geplant. Karten kosten 20 Euro, ermäßigt 14 Euro. lad

www.theaterwillypraml.de

Der morbide Charme der alten Fabrikhalle passt zu dem Paris des frühen 19. Jahrhunderts, in dem, wie Heine in seinem Artikel beschreibt, sogenannte „Chiffonniers“ Unrat und menschliche Ausscheidungen zusammenfegten, um anschließend darin nach noch Verwertbarem zu suchen, während die Reichen sich „nach gesünderen Gegenden“ retteten.

Weber lässt in der wegen der Corona-Pandemie gebotenen Open-Air-Inszenierung die sieben Schauspielerinnen und Schauspieler an den offenen Fenstern der Naxoshalle auftreten. Das Publikum, zwischen 65 und 70 Personen sind zugelassen, sieht von dem vor dem Gebäude befindlichen Parkplatz zu, wie sie den Artikel Heines vortragen. Diesen hat Weber, um die Wucht des Textes zu erhalten, nur dort gekürzt, wo er wegen zeitgenössischer Anspielungen für ein heutiges Publikum nicht ohne weiteres verständlich gewesen wäre.

Den Regisseur begeistert, wie Heine den Ausbruch der Epidemie schildert, seine Beobachtungsgabe, sein bissiger Humor, etwa wenn er vom Erzbischof von Paris erzählt, der der Regierung sein marodes Schloss als Hospital anbietet, damit diese es für ihn saniert. Und auch, wenn er eine Karnevalsfeier beschreibt, bei der Menschen tot zusammenbrechen und wenig später in ihren Karnevalskostümen beerdigt werden.

Den Text Heines verbindet Weber in seiner Inszenierung mit dem dritten Akt von „La Traviata“, der Oper Verdis, in der die Kurtisane Violetta an einer anderen Geißel des 19. Jahrhunderts stirbt: der Tuberkulose.

Ursprünglich war geplant gewesen, dass der gesamte Heinrich-Heine-Chor auftritt, das geht wegen der derzeitigen Pandemie nicht. Es werden aber drei Tenöre des Chores singen. Wer einen Vorgeschmack von dem Stück bekommen will: Auf der Homepage des Theaters findet sich ein Trailer.

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