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Engagiert bei Stücken für die Jungen: die freien Theater, wie hier das Theaterhaus.

Kultur in Frankfurt

Theater für junge Leute in Frankfurt

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Eine städtische Kinder- und Jugendbühne soll in Frankfurt entstehen. Ob sie jedoch finanziert werden kann, ist fraglich.

Es ist so weit. Zwei Jahre nach dem Grundsatzbeschluss leitet die Stadt Frankfurt den Bau eines Kinder- und Jugendtheaters in die Wege. „Der Bedarf in der Stadt und in der Region ist unendlich viel größer als das bisherige Angebot“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Auch der Theaterwissenschaftler Gerd Taube bestätigt diese Bestandsaufnahme. „Die freien Ensembles, die in Frankfurt Theater für Kinder- und Jugendliche machen, sind an der Grenze ihrer Kapazität“, sagt der Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik, das seinen Sitz in Frankfurt hat.

Der 56-jährige Theaterwissenschaftler appelliert zugleich an die Stadt: „Sie muss aufpassen, dass nicht die gleichen Fehler wie früher noch einmal geschehen.“ In der Tat: 1992 hatte eine Koalition von SPD und Grünen im Römer schon einmal eine städtische Bühne für junges Publikum gegründet – doch dieses Theater im Volksbildungsheim musste schon Ende 1993 seinen Betrieb wieder einstellen, weil die Stadt sparen wollte.

Nach dieser Vorgeschichte blicken die Macher etlicher Kinder- und Jugendtheater in Deutschland jetzt mit Argusaugen nach Frankfurt. Die Kulturdezernentin, die sich im Gespräch mit der FR erstmals zu den konkreten Plänen äußert, gibt sich sehr entschlossen. In den zurückliegenden Monaten hat sie gemeinsam mit Frankfurter Kulturpolitikern verschiedene Theater in Deutschland in Augenschein genommen. In Stuttgart („ganz hervorragend, hinreißend“), in Berlin, in Dresden und anderen Kommunen.

Die Erfahrungen aus diesen Besuchen fließen jetzt in den Frankfurter Entwurf ein. Die Entscheidung für den Standort der neuen Bühne ist intern gefallen: Das denkmalgeschützte Zoo-Gesellschaftshaus, Alfred-Brehm-Platz 16, wird zum Theater umgebaut. „Wir hatten den Prüfauftrag der Koalition, zu untersuchen, ob das geht, und die Antwort lautet: Ja“, sagt Hartwig.

Es entstand eine Machbarkeitsstudie. Sie hat zwei Varianten untersucht: eine große und eine kleine. Das Gebäude, das in den Jahren 1875/1876 errichtet wurde und von der Stadt nur noch gelegentlich für Veranstaltungen vermietet wird, hätte ohnehin dringend saniert werden müssen. Bis zu drei Bühnen mit verschieden großen Zuschauerräumen sollen jetzt in dem Haus entstehen. Der größte böte dabei mehr als 300 Besuchern Platz.

Die Stadt ist zuversichtlich, dabei in Zukunft auch die Bühne des privaten Fritz-Rémond-Theaters im Zoo-Gesellschaftshaus einbeziehen zu können. Tatsächlich denkt der 75-jährige Claus Helmer, Intendant des Rémond-Theaters und der „Komödie“ in der Frankfurter Innenstadt, darüber nach, langfristig die Bühne im Zoo-Gesellschaftshaus aufzugeben. „Das wird aber sicher nicht in naher Zukunft geschehen“, sagt der Prinzipal, der auch Schauspieler und Regisseur ist, im Gespräch mit der FR.

Helmer hat mit der Kulturdezernentin bereits über dieses Thema gesprochen. Er führt das Rémond-Theater seit März 1995 und spürt, wie er selbst sagt, die Doppelbelastung durch beide Häuser durchaus. Ina Hartwig bestätigt lediglich die Gespräche mit Helmer, will sich aber ansonsten nicht dazu äußern.

Die konkrete bauliche Form des neuen Kinder- und Jugendtheaters wird jetzt in einem Architektenwettbewerb ermittelt. Die Kulturdezernentin möchte eine Intendanz für diese neue Bühne berufen und auch ein festes Ensemble einstellen.

In Kürze will Dezernentin Hartwig ihre Vorlage zum neuen Kinder- und Jugendtheater intern in der Römer-Koalition und dann in der Öffentlichkeit präsentieren.

Zu einem ganz wesentlichen Punkt äußert sich die Kulturdezernentin nicht: zu den Kosten des Projekts. „Es ist noch zu früh, ich kann noch keine Zahlen nennen“, sagt sie der FR.

Tatsächlich hat die vertraulich tagende Steuerungsgruppe, die das Vorhaben vorbereitet, eine zweistellige Millionensumme ermittelt. Nach Informationen der FR war von bis zu 50 Millionen Euro die Rede.

Und hier könnte tatsächlich der politische Pferdefuß in der Römer-Koalition liegen. Denn die finanzielle Situation der Stadt Frankfurt ist trotz eingeplanter Rekordeinnahmen von 1,9 Milliarden Euro bei der Gewerbesteuer in diesem Jahr mit hohen Risiken behaftet.

Wenn die wirtschaftliche Konjunktur in Deutschland sich eintrübt, wofür es deutliche Anzeichen gibt, werden die Einnahmen der Kommune zurückgehen. Und die Bereitschaft der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen, das neue Kinder- und Jugendtheater zu finanzieren, wird schwinden.

Der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, Thomas Dürbeck, beklagt denn auch, dass die Dezernentin nicht schon längst ihre konkreten Pläne für die neue Bühne präsentiert hat. „Das hätte schon lange geschehen müssen“, urteilt er. Insgesamt gehe der Planungsprozess viel zu langsam voran. Und das politische Zeitfenster für das Millionenprojekt schließe sich. Die Grünen sehen das ähnlich: „Vor den Sommerferien sollte die Dezernentin Klarheit schaffen“, sagt Fraktionschef Sebastian Popp.

Auch Gerd Taube, der Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik, rät der Kulturdezernentin dringend, an die Öffentlichkeit zu gehen. „Es braucht eine öffentliche Wahrnehmung dieser Pläne“, sagt der Theaterwissenschaftler. Das erste städtische Kinder- und Jugendtheater in Frankfurt Anfang der 90er Jahre sei daran gescheitert, „dass es zu wenig gesellschaftliche Rückendeckung besaß.“ Das dürfe sich jetzt nicht wiederholen.

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