Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Theater-Musik-Collage „Zwischen-Räume“.
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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Theater-Musik-Collage „Zwischen-Räume“.

Theater

Theater in Frankfurt: Mit Vorurteilen brechen

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Geflüchtete tragen ihre persönlichen Erlebnisse in einem Theaterstück vor.

Als die 24-jährige Hind Ahmed vor acht Jahren im Irak eine ehemalige Lehrerin trifft, verändert sich ihr Leben grundlegend. Ahmeds Mutter ist kurz zuvor gestorben. Sie und die Lehrerin lernen sich zufällig auf der Straße kennen. Sie tauschen sich aus und merken, dass sie dasselbe Schicksal teilen. Fast jede Woche, acht Jahre lang, treffen sie sich und reden. „Sie hat mir sehr geholfen und mir viel Kraft gegeben“, sagt Ahmed.

Die Geschichte von Hind Ahmed ist nur eine von zwölf Geschichten, die in einer Woche bei dem Theaterstück „Zwischen-Räume“ in der Kirche Cantate Domino vorgetragen werden.

Das Stück ist ein Projekt des Vereins Interkulturelle Werkstatt und eine Collage aus Musik, Tanz und Theater. Die zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind überwiegend Geflüchtete aus Eritrea, Irak oder Äthiopien. In „Zwischen-Räume“ werden die Geschichten jedes einzelnen Darstellers von einer jeweils anderen Person vorgetragen. Ziel ist es, mit Vorurteilen und Klischees zu brechen. Außerdem soll durch die gemeinsame Arbeit mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Theaterstücks ein interkultureller Austausch zwischen Geflüchteten und Einheimischen in Frankfurt gefördert werden.

Alfloujis Situation ist heikel

Drei Jahre lang konnte Ahmed nicht in die Schule gehen. Der Verlust ihrer Mutter war zu schmerzhaft. Die vielen Gespräche mit der Lehrerin stärkten sie. Seit 2015 lebt die junge Irakerin nun in Frankfurt. An die Lehrerin denkt sie heute noch oft: „Ich habe eine selbstgestrickte Jacke von ihr mit nach Deutschland genommen. Ich vermisse sie sehr“, sagt sie. Ebenfalls aus dem Irak stammt Ashraf Alflouji. Auch er kam 2015 nach Frankfurt. Die Geschichte des 27-Jährigen handelt von seiner Zeit in Deutschland. Im Irak studierte er Fotografie. In Frankfurt beteiligte er sich an einem Foto-Projekt an der FH Frankfurt. Doch seinen Beruf darf er hier nicht nachgehen, denn Alflouji ist lediglich in Deutschland geduldet. „Schon dreimal wurde mir gesagt, dass ich abgeschoben werden soll“, sagt er. Alflouji verstehe das nicht. Ihm wurde mitgeteilt, dass in seinem Land kein Krieg sei und er deswegen keinen Anspruch auf Asyl hätte. „Wer sich die Nachrichten anschaut, der sieht doch, wie gefährlich es im Irak ist. In Bagdad wird auf Demonstranten geschossen.“

Auch wenn Alfloujis Situation heikel ist, gibt er die Hoffnung nicht auf, in Deutschland bleiben zu dürfen. „Ich möchte einfach nur arbeiten, aber ich darf nicht.“ Alle drei Monate muss er zur Ausländerbehörde, seine Aufenthalt verlängern lassen und hoffen, dass es doch noch irgendwann klappt.

„Zwischen-Räume“findet am Samstag, 8. Februar, um 18 Uhr in der Kirche Cantate Domino, Ernst-Kahn-Straße 20, statt. Der Eintritt ist frei.

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