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Theater-Doppelanlage unter Denkmalschutz?

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Von: Claus-Jürgen Göpfert

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Der Blick vom Trianon-Hochhaus auf die Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz.
Der Blick vom Trianon-Hochhaus auf die Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz. © peter-juelich.com

Das Denkmalamt in Frankfurt nimmt die Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz in Augenschein und prüft, ob sie unter Schutz gestellt werden sollte. Der jetzt auch diskutierte völlige Abriss wäre dann kaum noch möglich.

Die Debatte um die Zukunft der Städtischen Bühnen bekommt eine neue, überraschende Wendung. Die städtischen Denkmalpfleger prüfen, die riesige Anlage am Willy-Brandt-Platz unter Schutz stellen zu lassen. Das bestätigte am Montag der stellvertretende Leiter des Frankfurter Denkmalamtes, Stefan Timpe, im Gespräch mit der FR.

Die Denkmalpfleger haben die Theater-Doppelanlage erst kürzlich eingehend in Augenschein genommen. Das Gebäude nach dem Entwurf des Frankfurter Architekturbüros ABB (Otto Apel, Hannsgeorg Beckert und Gilbert Becker) war im Jahre 1963 eröffnet worden.

Wie Timpe sagte, haben die Denkmalpfleger schon seit längerem ihr Augenmerk auf das Haus von Oper und Schauspiel gerichtet. Mit der aktuellen Debatte über die Sanierung des maroden Gebäudes habe das nichts zu tun, erklärte der stellvertretende Amtsleiter. Eine Entscheidung für den Denkmalschutz sei noch nicht gefallen. Sie liege letztendlich beim Landesamt für Denkmalpflege. Wird das Haus unter Denkmalschutz gestellt, wäre der jetzt auch diskutierte völlige Abriss kaum noch möglich.

Timpe urteilte durchaus positiv über einen Denkmalschutz. „Der Bau besitzt seine Stärken.“ Er sei ein Zeugnis der „architektonischen Schlichtheit der Nachkriegszeit“. Besonders stellte der Denkmalpfleger die „originale Fassade“ mit ihrer Länge von 124 Metern und das große Foyer, das sogenannte „Wolken-Foyer“, heraus. Benannt ist es nach den aus Messing geschaffenen Kumuluswolken des ungarischen Künstlers Zolán Kemény, die über dem langgestreckten Foyersaal hängen. Es wurde in den 60er Jahren als Symbol für die „himmlische Freiheit“ der Kunst nach den düsteren Jahren der nationalsozialistischen Terrorherrschaft angesehen. Zentraler Wandschmuck ist außerdem das von der Stadt seinerzeit in Auftrag gegebene Gemälde „Commedia dell’ Arte“ des französischen Malers polnisch-jüdischer Herkunft Marc Chagall.

Zurückhaltende Bescheidenheit

Bei der Eröffnung der Theater-Doppelanlage am 14. Dezember 1963 hatte der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Werner Bockelmann (SPD) die zurückhaltende Bescheidenheit des Gebäudes hervorgehoben. Es sei „das Werk einer Bürgerschaft, die in diesem Haus zu repräsentieren und sichtbar zu machen wünscht, dass nicht nur Geld und Politik das Leben bestimmen.“

Besondere Ausstattung und künstlerisches Gewicht sollten stattdessen nach damaliger Lesart die Aufführungen von Oper und Schauspiel entfalten. Tatsächlich wurde etwa auf der Schauspielbühne Theatergeschichte geschrieben. Der damalige Generalintendant Harry Buckwitz hatte bereits in den 50er Jahren begonnen, in Frankfurt Stücke des Dramatikers Bertolt Brecht zu zeigen, der aus Sicht der CDU-Bundesregierung das kommunistische Böse verkörperte. Nicht weniger als fünfzehn Brecht-Stücke führte Buckwitz bis 1967 auf. Bei der Eröffnung der Theater-Doppelanlage 1963 versprach Buckwitz dem Publikum: „Wir, die Stellvertreter des Dichters, werden Ihnen als Provokateure, als Ketzer, als Apostel gegenübertreten.“ Über Brecht hinaus setzte der Intendant auf gesellschaftskritische moderne Autoren: Sartre, Camus, Arthur Miller, Thornton Wilder, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt und Carl Zuckmayer.

Der Architekt Otto Apel, der mit seinem Kollegen Hannsgeorg Beckert und dem Ingenieur Gilbert Becker die Theater-Doppelanlage entworfen hatte, war auch am Entwurf für die Siedlung Nordweststadt in Frankfurt beteiligt. In den Jahren 1967 bis 1972 entstand nach den Plänen von Apel die Zentrale der Deutschen Bundesbank.

1953 bereits hatte Apel das neue Studierendenhaus auf dem Campus der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Bockenheim konzipiert. Es galt als besonderes Symbol der neuen demokratischen Freiheit der Lehre nach der Nazi-Zeit und wurde von der US-Regierung der Stadt Frankfurt geschenkt.

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