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Die "Lickin? Boyz" in Aktion, mit Liedern von Led Zeppelin oder den Stones im Gepäck.

Centrum für Tumorerkrankungen

Konzert für die Krebsforschung

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Anlässlich des gemeinsamen zehnjährigen Bestehens spielt eine Ärzteband für das Centrum für Tumorerkrankungen.

Vielleicht war es die Erinnerung an den ersten Kuss beim Schwofen oder die Sehnsucht, sich nicht nur im medizinischen Alltag zu verstricken, sondern den Erinnerungen von damals, als man noch jung war, neues Leben einzuhauchen. Der Bandleader der „Lickin’ Boyz“, Helmut Golke, spricht jedenfalls von einer „Schnapsidee“ – obwohl doch angeblich, nach einem anstrengenden Seminartag an der Strandbar im portugiesischen Sagres, nur Bier getrunken worden sein soll. Abenddämmerung und Götterdämmerung: Der Abend endete beschwingt. Das ist nun zehn Jahre her. Jetzt feiert die Ärzteband Jubiläum – mit einem Benefizkonzert am Samstag, 21. April, 20 Uhr im Südbahnhof.

Die Einnahmen sollen, wie bei allen Konzerten, einem guten Zweck dienen – diesmal soll die Krebsforschung des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) des Universitätsklinikum gefördert werden. Wie der Zufall es will – auch das UCT feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen.

Bandleader Golke, heute 65 Jahre alt, hat eine ganz persönliche Beziehung zu dieser Einrichtung. Anfang 2008 erkrankte er an Leukämie – und überlebte dank einer Stammzellenspende.

Behandelt wurde er vor allem von dem Hämatologen und Oberarzt Hans Martin, der die andere Seite kennt, die des Spenders. Das sei schon „emotional bewegend“ gewesen, als er die Nachricht bekam, dass es einen geeigneten Empfänger für seinen genetischen Code gebe. Eine Woche lang seien ihm Medikamente gespritzt worden. Dann wurden mit einem Verfahren, das Martin mit einer Dialyse vergleicht, die Stammzellen abgesaugt.

Der Oberarzt Martin hätte seinen Empfänger gern kennengelernt. Zwei Jahre lang gilt eine sogenannte Anonymitätsbarriere, dann können sich Spender und Empfänger treffen – wenn beide es wollen. Der Patient, der Martins Zellen erhalten hat, verstarb aber vor Ablauf der Frist. Seinen eigenen Patienten empfiehlt der Mediziner, den Kontakt zum Spender zu suchen. Es entstünden ganz unterschiedliche Beziehungen, bis hin zu einer Freundschaft. Heute könnte er übrigens nicht noch einmal zu einer Spende aufgefordert werden: „Mit 55 wird man ausgemustert.“

Golke hat sich bis heute gescheut, die Person, die ihm mit ihren Zellen das Leben gerettet hat, kennenzulernen. Auch das wird von den Ärzten akzeptiert. 52 Jahre war er alt, als er unter Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Antriebsschwäche und Muskelbeschwerden litt. „Man wird älter, das ist halt so“, dachte er damals zunächst – bis ihm ein Bekannter sagte, dass er sehr, sehr schlecht aussehe. Die Frage seines Arztes, ob er lieber „heute Nachmittag oder morgen früh“ ins Universitätsklinikum wolle, dürfte der erste Schock gewesen sein. Die Diagnose „Blutkrebs“ der zweite.

Maximal ein Prozent der registrierten Spenderinnen und Spender kommen tatsächlich für eine Transplantation in Frage, sagt Martin. Golke hatte Glück. Sechs Tage musste er im Klinikum eine „massive Chemotherapie“ über sich ergehen lassen: „Das alte Knochenmark musste zerstört werden.“ Dann die Ungewissheit, ob sich die neuen, gesunden Spenderzellen im Körper ansiedeln würden. Er habe alle Höhen und Tiefen durchlebt, sagt Golke, bis hin zu einem Rückfall, den er ebenfalls mit einer neuen Zellenspende überleben konnte.

Im Repertoire haben sie die großen Rock-Klassiker

Inzwischen hat der Pharmareferent seinen Beruf aufgegeben und unterstützt die Deutsche Knochenmarksspender-Datei (DKMS) nach Kräften. Vom Land Hessen hat er „zur Würdigung langjähriger ehrenamtlicher Leistungen“ den Ehrenbrief bekommen. Auch für seine „Grooving Doctors“ ist er ehrenamtlich tätig.

Die Namensliste der Mitglieder liest sich wie ein medizinisches Glossar: Sänger Hans-Jürgen Lange ist als Internist in einem Facharztzentrum in Neu-Isenburg tätig. An der E-Gitarre der Allgemeinmediziner und Akupunktur-Experte Karl Hieke. Für „Drums und Vocals“ ist der Radiologe Thomas Hoffmann zuständig, begleitet vom Anästhesisten Andreas Ernst am Bass. Auch der Chefarzt einer Klinik für psychische Gesundheit, Udo Wortelboer, ist mit seiner Gitarre dabei.

Etwa eineinhalb Jahre probten die Ärzte in einer internistischen Praxis, bevor sie sich in Trebur, dem Wohnort von Golke, ein erstes Mal in die Öffentlichkeit wagten, die großen Klassiker von Led Zeppelin, den Rolling Stones und „anderen Rockgiganten“ im Repertoire. Viel Applaus und 700 Euro an Spenden für die DKMS waren das ansehnliche Ergebnis.

Es reifte der Entschluss, erzählt Golke, öfter aufzutreten – etwa beim Harley-Festival auf der Wasserkuppe oder beim Open-Doors-Festival in Neu-Isenburg, und den Erlös an Vereine weiterzureichen, die sich in der Medizin engagieren – etwa die Hilfe für krebskranke Kinder, das Kinderhospiz Bärenherz oder die Clown Doctors, die Kindern im Krankenhaus etwas Freude schenken.

Wenn „The Lickin’ Boyz“ am 21. April im Südbahnhof aufspielen, werden die Zuhörer nicht unbedingt ausgefallene Soli hören wollen, sondern einfach Spaß haben mit der Band und ihrer Musik, den Erinnerungen an durchtanzte Nächte und die erste, zweite oder dritte Liebe. Schirmherr der Veranstaltung ist der Vorsitzende der CDU-Fraktion im hessischen Landtag, Michael Boddenberg. Laut Golke soll er als „special guest“ die Band mit seiner Gitarre bei einigen wenigen Stücken begleiten.

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