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Immer noch eines der beliebtesten Instrumente: die akustische Gitarre.

"Musikmesse Prolight+Sound"

Hauptsache digital

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Die Messen für Musik und Event beginnen mit viel Musik, viel Technik und vor allem: viel Englisch.

Die Laufbänder der Via mobile sind noch nicht alle in Betrieb am Montagmorgen. Aber die Bässe wummern schon ganz ordentlich auf der Messe, und überall Lastwagen, Lautsprecher, Bühnenteile. An diesem Dienstag beginnt das Gipfeltreffen der Musik- und Veranstaltungsindustrie in Frankfurt: Die Prolight+Sound öffnet bis Freitag ihre Tore, am Mittwoch kommt dann ihre ältere Schwester dazu, die Musikmesse (bis Samstag).

Was hat die Musikfreundin davon, was der Musikfreund? Musik natürlich. 60 Auftritte locken an 30 verschiedenen Orten das Publikum an. Und auf der Messe gibt es zu sehen, was die Hersteller für gut und wichtig halten.

Beziehungsweise für wichtig hielten. Die Vintage-Instrumente des Gitarrenriesen Fender in der Galleria dürften ein begeistertes Publikum der Sechssaitigen anziehen. Dort steigt auch erstmals das Angebot „Rate your Guitar“ – lass deine Gitarre bewerten. Wer selbst eine illustre Gitarre sein Eigen nennt und endlich einmal wissen möchte, wie viel sie wert ist, hat in diesem Jahr die Chance, sie Experten vorzulegen. Einfach am Messeeingang Bescheid sagen, dann wird das gute Stück verplombt und darf mit hinein zu den Fachleuten.

Schwer im Kommen ist natürlich das Digitale, wie überall. 3D-Audio ist gerade das große Ding und wird eine Rolle spielen. Neu auf dem Messegelände ist auch ein Zirkuszelt für 1500 Besucher, in dem an drei Abenden gerockt wird. Zwar nicht von den Rolling Stones, aber immerhin kommen etwa Gino Vannelli und der deutsche Vertreter beim European Song Contest, Michael Schulte.

Ansonsten gilt, was Messe-Geschäftsführer Detlef Braun nach eigenen Angaben seit zwölf Jahren stets aufs Neue erlebt: schönes Wetter. „Gucken Sie einfach, wann Musikmesse ist“, sagt er launig, „dann können Sie getrost die lange Hose gegen die kurze tauschen.“

Was die Fachleute zur Lage im Geschäft zu sagen haben, ist im Grunde seit Jahren dasselbe. Die Liebe zur Musik sei „ungebrochen groß“ – aber ebenso groß seien die „Herausforderungen“, besonders an die Hersteller von Musikinstrumenten. Das Firmensterben geht weiter, die Konzentration von Umsatz und Gewinn bei wenigen Großen auch, besonders bei den Onlinehändlern. 72 Prozent der Unternehmen erwirtschafteten im vorigen Jahr nur Umsätze zwischen 50 000 und 250 000 Euro.

Insgesamt machte die Musikinstrumentenbranche 2017 gut eine Milliarde Euro Umsatz und damit wie in den vergangenen fünf Jahren ein leichtes Plus. Aber beispielsweise bei Keyboards und Gitarren gab es einen Rückgang, sagt Daniel Knöll, der Geschäftsführer des Verbands der Musikinstrumentenbranche. Eine Entwicklung, die er auch im Zusammenhang mit Handelsbeschränkungen sieht, seit der Artenschutz die Einfuhr bestimmter Tropenhölzer verbietet. Ein „Bürokratiemonster“ nennt Knöll die geltenden Regelungen. Genehmigungen kosteten Zeit und Mühe, Betriebe blieben auf Instrumenten sitzen.

Und doch schafften es viele Hersteller, bestimmte Holzarten gut zu ersetzen. Was der Musik und damit auch ihren Instrumentenbauern langfristig weitaus stärker zusetze, sei der Mangel an musikalischer Bildung. „Musikmachen macht schlauer“, sagt Knöll, das habe eine Studie erwiesen, aber der Musikunterricht an den Schulen trage dieser Erkenntnis nicht genug Rechnung: „Die Kommunen sind in der Pflicht, sich stärker für den Einsatz von Musiklehrern an den Schulen zu engagieren. Dann klappt es auch wieder mit der allgemeinen Bildung.“

Auf der Messe können die Schüler erst einmal sehen, wie die Profis Musik machen. Jen Matura ist wieder da, die Gitarristin der Band Evanescence, und rockt im Guitar Camp, ebenso wie Tom Longworth, der Gitarrist von Robbie Williams. Nebenan im Drum Camp sitzt auch Robbies Schlagzeuger Karl Brazil. „Wir haben also fast seine ganze Band hier“, witzelt Michael Biwer, seines Zeichens Group Show Director „Entertainment, Media & Creative Industries“ der Messe-GmbH. „Wer weiß, ob er nicht auch noch mal selbst zu uns kommt.“ Die Pressekonferenz lacht.

Apropos Group Show Director und so weiter: Wer in seinem Leben mit Englisch nicht viel am Hut hatte, wird auf der Musikmesse und der Prolight+Sound nicht weit kommen. Es wimmelt nur so von Begriffen, die nach internationalem Publikum lechzen.

Ob es auch kommt, das Publikum von nah und fern? Die Zahl der Aussteller ist wieder rückläufig. Nach 2000 vor zwei Jahren und gut 1900 im Vorjahr sind es diesmal 1803, und erstmals wird die Zahl nicht mehr aufgeteilt in Musikmesse- und Eventtechnik-Firmen. Offiziell liegt diese Vereinheitlichung daran, dass die Beschicker beider Messen immer mehr miteinander verschmelzen und sich oft gar nicht mehr auseinanderhalten ließen, sagt Sprecher Christopher Sparkes. Auch teilten sich die beiden Fachrichtungen erstmals eine Halle (4.1). Aber wer die Entwicklung verfolgt, der weiß, dass die Musikmesse immer weiter schrumpft, während die Licht- und Soundtechnik wächst. Das lässt sich durch eine gemeinsame Ausstellerzahl gut kaschieren.

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