Flughafen

„Politik und Fraport stehen unter unserer ständigen Beobachtung“

  • schließen

Bündnissprecher Thomas Scheffler über den Sinn der Montagsdemosund warum die junge Generation sich den Ausbaugegnern nicht anschließt.

Es ist ein Ritual geworden: Rund 200 Menschen nehmen laut Polizei an den Montagsdemos am Flughafen teil. Seit knapp acht Jahren, am nächsten Montag zum 300. Mal. Einzig in den Schulferien gibt es ersatzweise Mahnwachen. Solange Leute kommen, wird es sie geben, sagt Thomas Scheffler, der Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen.

Herr Scheffler, Terminal 3 wird gerade gebaut, die Fluggastzahlen steigen und der Lärm auch. Was hat es für einen Sinn, trotzdem jeden Montag zur Demo an den Flughafen zu pilgern?
Die große Errungenschaft der Bürgerinitiativen ist ja das Nachtflugverbot, oder, besser gesagt, die Nachtflugbeschränkung. Es muss ständig überwacht werden, dass sie eingehalten und nicht infrage gestellt wird. Deshalb ist das jede Woche ein Prüfen, ob die Beschränkung nicht aufgeweicht wird. Und dass unsere Forderungen nicht in Vergessenheit geraten.

Aber die Organisatoren der ersten Stunde, als Tausende ins Terminal kamen, sind längst nicht mehr dabei. Gibt es nicht schon so etwas wie Resignation?
Es gibt schon welche in der Organisation, die resigniert haben. Die nicht mehr an einen Erfolg der Bewegung glauben. Die Altersstruktur der Mitglieder der Bürgerinitiativen und derer, die zur Montagsdemo kommen, ist auch nicht dazu angetan, dass man das auf Dauer durchhalten kann. Wir machen das seit acht Jahren, wer damals Mitte 60 war, ist jetzt Mitte 70. Es wird auch immer schwerer, sich jeden Montag aufzuraffen. Es ist bewundernswert, dass es immer noch so viele sind.

Thomas Scheffler (68) ist seit 2013 Sprecher und Schatzmeister des Bündnisses der Bürgerinitiativen.

Aber im Moment ist die gesellschaftliche Stimmung pro Klimaschutz sehr günstig. Warum gelingt es Ihnen nicht, junge Mitstreiter zu gewinnen?
Wir haben schon gemeinsame Demos gehabt. Wir begrüßen sehr die Entwicklung um „Fridays for Future“. Seit langem haben wir nicht nur das Thema Fluglärm auf dem Schirm, sondern beobachten auch die Entwicklung der Umwelt. Wir waren mit die Ersten, die auf die Klimaschädlichkeit des Flugbetriebs hingewiesen haben. Umso mehr begrüßen wir, dass die junge Generation sich dieses Themas angenommen hat. Der Stabwechsel muss erfolgen.

Aber die Älteren gehen montags zum Flughafen demonstrieren, die Jungen freitags in die Stadt. Warum nicht gemeinsam?
Eine Vereinnahmung muss ja auch nicht sein. Eine gewisse Kooperation ist da. Wir stehen, wenn gewünscht, mit Rat und Tat zur Verfügung. Aber die jungen Leute müssen selbst ihren Weg finden, wie sie ihren Protest ausdrücken.

Warum gehen Sie nicht mit „Fridays for Future“ auf die Straße?
Da sind wir vertreten. Da sehen Sie unsere Fahnen.

Was haben Sie in den vergangenen acht Jahren erreicht?
Dass die kritische Haltung gegenüber dem Flughafen und dem Flugverkehr allgemein aufrechterhalten wird. Die Politik und Fraport stehen unter unserer ständigen Beobachtung. Das muss so bleiben.

Wie geht es weiter? Werden wir eine 400. Montagsdemo erleben?
Die Delegierten des Bündnisses haben das bei ihrer jüngsten Sitzung diskutiert. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir so lange weitermachen, wie sich Demonstranten im Terminal einfinden. Das ist keine Entscheidung des Bündnisses, sondern der Teilnehmer. Wenn keiner mehr kommt, ist es aus.

Interview: Jutta Rippegather

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare