Prävention

Frankfurter Netzwerk kämpftgegen Suizid

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Seit fünf Jahren klärt das Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention „Frans“ über Suizid auf. In den kommenden Jahren will es noch aktiver werden.

Sechs Pinnwände stehen im Raum. Sie markieren die Jahre 2014 bis 2019 und zeigen wichtige Meilensteine des Frankfurter Netzwerks für Suizidprävention (Frans). Ein siebte Pinnwand mit der Zahl 2020 ist noch leer. „Wir haben aber bereits viele neue Ideen und weitere Projekte in Planung“, sagt Psychologin Inga Beig, die Teil des Frans ist.

Noch ist Zeit bis 2020, und in diesem Jahr ist zunächst einmal der fünfte Geburtstag des Netzwerks. Wobei die Glückwünsche, die es am Mittwoch im Gesundheitsamt gab, eher nachträglicher Natur waren. Denn das Frans wurde bereits am 12. Juni 2014 gegründet. „Das ist auch mein persönlicher Geburtstag“, verrät Psychiater und Mitgründer Thomas Götz, der seitdem an diese Datum immer doppelt feiern darf.

Damals begann das Netzwerk mit einer Handvoll Arbeitskreise und 40 Mitgliedern. Inzwischen hat sich die Zahl der Mitglieder verdoppelt, und auch zwei neue Arbeitskreise sind entstanden. Bereits vor fünf Jahren sei das Interesse der Gesellschaft an dem Thema überwältigend gewesen, erinnert sich Götz. Zwar sei das Team davon positiv überrascht gewesen, aber rückblickend verwundere es nicht mehr. Denn allein in Deutschland gibt es jährlich etwa 10 000 Suizide, die Zahl der Suizidversuche ist laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe 15- bis 20-mal so hoch.

In Frankfurt kommt es jährlich zu rund 90 Selbsttötungen. Bedenkt man dabei noch, dass nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation jede suizidale Handlung zwischen 6 und 23 weitere Personen – Freunde, Angehörige, Berufskollegen, Zeugen – mitbetrifft, erklärt es sich, warum so viele Menschen in der Stadt über das Thema sprechen möchten.

In den Folgejahren entwickelte das Frans sein heutiges Logo, gestaltete Flyer und brachte das Thema Suizid und die Prävention in die Gesellschaft, etwa ins Theater oder die Stadtbüchereien. 2015 gewann es Walter Kohl, den älteren Sohn von Helmut und Hannelore Kohl, als Schirmherr. Er berichtete oft als Angehöriger aber auch als Betroffener von Suizid und seinen eigenen Suizidgedanken. Walter Kohl gründete 2018 auch den Förderverein des Frankfurter Netzwerks mit.

Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) erinnert sich noch an sein erstes Jahr im Dezernat. 2016 kam er dadurch auch mit Frans in Kontakt. „Das Thema ist mir unter die Haut gegangen“, sagt Majer. Auch er sei fasziniert davon gewesen, wie die Leute dem Netzwerk bei Veranstaltungen die Bude einrannten. „Durch die offensive Auseinandersetzung mit dem Tod kann man Kraft für das Leben schöpfen“, sagt er.

„Wir sind in Frankfurt ansprechbar und präsent“, sagt Inga Beig. Viele Menschen hätten Redebedarf. Um das Netzwerk noch bekannter zu machen, soll es demnächst einen Filmspot im Kino geben. 2020 kann also kommen.

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