Frankfurt Westend

Frankfurt: Protest gegen den Aufzug

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An der Bockenheimer Landstraße soll ein Fahrstuhl für die Haltestelle Westend gebaut werden. Anwohner kritisieren die Planungen.

Ein Aufzug, der U-Bahn-Fahrgäste mitten auf der Bockenheimer Landstraße ausspuckt. Das hatten sich die Mitglieder der Aktionsgemeinschaft Westend (AGW) anders vorgestellt. Seit langem setzen sie sich schon dafür ein, die U-Bahn-Station Westend barrierefrei zu machen.

Am Mittwochnachmittag, es ist gerade dunkel geworden, haben sie zu einer Kundgebung an der Ecke Myliusstraße aufgerufen – auf Höhe der Fußgängerampel und neben dem Rewe-Supermarkt. Knapp 20 Anwohner sind gekommen. „Die Station Westend ist die einzige U-Bahn-Station in der Stadt, die noch keinen Aufzug hat“, sagt Hans Jürgen Hammelmann von der AGW. Und weiter: „Es wurde jahrzehntelang dafür gekämpft“.

Während der Feierabendverkehr auf der Bockenheimer vorbeirollt, zeigt Hammelmann auf die Ampel. Dort soll auf der mittleren der drei Fahrspuren, wo die Gleise der U-Bahn-Strecke unterirdisch verlaufen, eine kleine Verkehrsinsel gebaut werden, die Platz für den Fahrstuhl schaffen würde. Durch die neue Verkehrsführung müssten dann wohl vier Kastanien gefällt werden, von denen drei vor dem Supermarkt und eine auf der anderen Seite der Myliusstraße steht. Die Bürgerinitiative möchte jedoch die Bäume und den damit verbundenen Alleen-Charakter der Bockenheimer Landstraße erhalten.

„Das Hauptproblem ist: es ist viel zu eng“, sagt Hammelmann. Fußgänger und Radfahrer, die die Ampel überqueren wollten, würden sich mit den Fahrstuhl-Nutzern ins Gehege kommen – und das auf einer kleinen Verkehrsinsel inmitten der viel befahrenen Innenstadt-Ader, vom Autoverkehr lediglich durch eine Beton-Einfassung getrennt. „Stellen Sie sich vor, wenn da besonders Mobilitätseingeschränkte und Kinderwägen durch wollen“, sagt Gisela Becker, die ein Schild mit der Aufschrift „Aufzug in Straßenmitte ist Schildbürgerstreich“ gemalt und an den Ampel-Pfosten gehängt hat. Außerdem bedeute der Umbau ein Jahr Baustelle, so Hammelmann. Eine Frau korrigiert: Mit zwei oder gar drei Jahren sei zu rechnen.

Stattdessen favorisiert die Bürgerinitiative eine andere Lösung. Der Fahrstuhl soll an der Palmengartenapotheke aus der Erde kommen, und zwar mit einem so genannten Schrägaufzug, wie er auch an der Bockenheimer Warte eingesetzt wird. Vom Bahnsteig aus würde dann ein vertikaler Lift zunächst in die B-Ebene der Station führen und von dort aus der schräg verlaufende Aufzug zur Erdoberfläche. Eine weitere Alternative wäre der Ausgang Odina-Bott-Platz in Richtung der Alten Oper.

Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) berichtet, dass dem Bau des Aufzugs an der umstrittenen Stelle bereits vor rund zwei Jahren im Ortsbeirat knapp zugestimmt worden sei. „Es ist nicht die ideale Lösung“, sagt er. Aber damals hätten sich Senioren- und Behindertenbeauftragte für den Lift auf der Verkehrsinsel ausgesprochen: „Er transportiert schneller und ist die kostengünstigere Variante.“

Ein weiterer Aspekt ist zuletzt erst hinzugekommen, weil durch Bestreben der Radentscheid-Aktivisten auf der Bockenheimer Landstraße der Radweg verbreitert werden soll. „Die neue Radweg-Planung ist noch gar nicht mit eingearbeitet“, sagt AGW-Sprecher Hammelmann. Am 2. Dezember, in der nächsten Sitzung des Ortsbeirates 2, soll der Bau des Aufzuges an der Station Westend erneut Thema sein.

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