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Die erste Demo auf dem Flughafen, Terminal 1, am 21. November.

Flughafen

Frankfurt: Mit Nichtstun die Welt verbessern

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Bei der 300. Montagsdemo gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens fällt der Startschuss zur Kampagne „Deutschland fliegt nicht“. Eine neue Form des Protests.

Der Ansatz stammt von Konfuzius: „Mit Nichtstun ist viel erreichbar.“ Wenn etwa alle Bundesbürger montags auf Onlinebestellungen verzichten, sind dienstags und mittwochs weniger Lieferwagen in den Städten unterwegs und blockieren nicht die Radwege. Oder wenn alle eine Stunde das Licht ausschalten und gemütlich auf dem Sofa sitzen, um zu meditieren oder zu plaudern. Dann wäre enorm viel Energie gespart.

Time Square New York.

Das „Nixtun-Sofa“ spielt eine große Rolle in der Kampagne „Deutschland fliegt nicht“ von Rolf Fritsch von der Hochheimer Bürgerinitiative Gegenwind und dem Philosophen und Autor Hans-Peter Huppert. Enthüllt wird das Möbel am Montag in Terminal 1 bei der 300. Demonstration der Frankfurter Flughafenausbaugegner. Deutschlands größter Airport, sagt Fritsch der Frankfurter Rundschau, ist der ideale Ort, die Mitmachaktion zu starten. Und die Traditionsdemo die optimale Gelegenheit.

„Nachhaltig fliegen heißt nicht fliegen.“ Das ist die Logik, die hinter dem Aufruf steht, eine Woche lang auf Inlands- und Kurzstreckenflüge zu verzichten. Der Termin ist der 10. bis 16. Februar. Genug Zeit also, für die nachhaltige Sache zu werben.

Die Kampagne
Getragen wird die bundesweite Mitmachaktion von drei Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau in Frankfurt: den Verein Gegenwind 2011 Rhein-Main in Hochheim am Main, der Initiative Klima-, Umwelt- und Lärmschutz im Luftverkehr Mainz und dem Verein

Stop-Fluglaerm.de Frankfurt.

Aufgerufen sind Privatleute, Unternehmen, Verbände, Institutionen und Politiker aller Parteien. Sie sollen vom 10. bis 16. Februar auf Kurzstrecken- und Inlandsflüge verzichten.

Teilnehmende können sich nach dem Start bei der 300. Montagsdemo am 11. Novemer online per Stimmabgabe dazu bekennen. 

Angefangen hat der Unternehmer und Marketingprofi Fritsch bereits damit. Vor wenigen Tagen in New York auf dem Reuters-Display am Times Square. Nächste Woche soll dort ein Bild des Auftakts in Terminal 1 zu sehen sein. Das erste Gruppenbild mit Aktionsschals und „Nixtun-Sofa“ werde für weitere internationale Beachtung sorgen. Es folgt eine Offensive in den sozialen Medien mit prominenter Unterstützung. Schon jetzt gebe es 200 Veröffentlichungen auf internationalen und deutschen Portalen.

„Es wird spannend sein zu sehen, wie viele Menschen mitmachen und in der siebten Kalenderwoche 2020 nicht fliegen“, sagt der Hochheimer, der nur noch sporadisch an den Montagsdemos teilnimmt. Viele Menschen hätten eine kritische Haltung zum Flugverkehr. Und innerdeutsche Flüge, etwa zwischen Hannover und Köln, seien doch absurd. Der freiwillige Verzicht aufs Fliegen sei besser, als auf Verbote, Verordnungen und Gesetze zu warten. „Gemeinsam nix tun ist ein starkes, überparteiliches und erprobtes Instrument, mit dem wir viel erreichen können“, ergänzt sein Mitstreiter Hans-Peter Huppert, Autor des jüngst erschienenen Buchs „Die Sünden der Nachhaltigkeit“.

Noch ist die Kampagne nicht offiziell eröffnet, und schon haben die beiden die nächsten Aktion in der Pipeline: Unter dem Motto „Deutschland bestellt nicht“ soll im nächsten Jahr der ersten „Order-free-Monday 2020“ folgen. Wenn viele Menschen umdenken, so die Idee, fahren weniger Lieferfahrzeuge mit Paketen durch die Gegend, und der Einzelhandel wird gestärkt. „Das ist mehr als überfällig“, sagt Fritsch.

Doch jetzt erst mal alle Energie auf die Kampagne „Deutschland fliegt nicht“, zu der neben der Hochheimer zwei weitere Bürgerinitiativen aufrufen. Wer sich beteiligen will, kann sich auf der am Montag freigeschalteten Onlineseite dazu bekennen. Dort werden noch viele andere Dinge zu lesen sein; der Hochheimer will nicht alles verraten, die Spannung soll aufrechterhalten bleiben. Fest steht jedenfalls schon, dass das „Gemeinsam-nixtun-Sofa“ viel unterwegs sein soll: Am Montag werden im Frankfurter Flughafen die ersten Nichtflieger ins Bild gesetzt. Danach steht das Möbel für regionale Mitmachaktionen allen Unterstützern zur Verfügung. Für Januar ist es schon gebucht. Für Berlin: vor der Dauerbaustelle des Flughafens BER, am Brandenburger Tor und vor dem Kanzleramt.

„Vom Sofa aus die Welt verbessern“: Das, sagt der 67-Jährige, sei doch ein guter Plan. An verschiedenen Schauplätzen werde das möglich sein. Promis setzen sich drauf und alle anderen, die mitmachen wollen. Kölner Dom, zur Not auch die Zugspitze – Hauptsache, bundesweit Furore machen. Das sei besser als etwa den Flughafen zu blockieren: „Wir setzen auf ein Programm der Zustimmung.“

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