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Gericht

Terrorismus-Prozess in Frankfurt: Franco A. erklärt Waffenbesitz

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Angeklagter und Wiener Polizist sagen aus.

Der Prozess gegen Franco A. wird zunehmend surrealer. Linguisten, Cineasten und Prophezeiungsfans aber kommen voll auf ihre Kosten.

Am Montag sagte nach längerer Verhandlungspause ein Wiener Polizist aus, der A.s Aussage protokolliert hatte, nachdem dieser im Januar 2017 versucht hatte, eine Pistole aus einem Wandversteck in einem Behinderten-WC im Transitbereich des Wiener Flughafens zu holen und dabei festgenommen wurde. A. hatte das so erklärt: Er habe die Waffe in einem Gebüsch gefunden, in welches er sich nach dem Besuch des Offiziersballs erleichtert habe. Er habe die Pistole benässt, welche ihn daraufhin angefunkelt und er sie dann eingesteckt habe. Tags darauf sei ihm kurz vor dem Heimflug am Flughafen eingefallen, dass die Knarre ja noch in seinem Sakko stecke, was die Flugsicherung kritisieren könnte. Daraufhin habe er sie auf dem Abort zwischengelagert, um sie später wieder abzuholen und der Polizei zu treuen Händen zu übergeben.

Worterklärung vor Gericht

Ein Satz in diesem Protokoll beginnt mit dem Wort „Weiters“. Der Vorsitzende Richter Christoph Koller will vom Zeugen wissen, ob dieses Wort von ihm oder von Franco A. stamme, denn so rede doch kein normaler Mensch, jedenfalls nicht in Deutschland. In Österreich, wo Polizisten „Kiberer“ heißen, in „Fachwerken“ organisiert sind und ihre Zigaretten in der „Trafik“ kaufen, aber schon.

Nachdem der Zeuge erklärt hat, das Wort stamme wohl von ihm und bedeute in Österreich soviel wie „außerdem“, wird er in Ehren entlassen. Der Prozessbeobachter sinniert derweil, dass das alles hier gar nicht geschehen müsste, wenn Franco A. weiland auf einen Paradeiser gebrunzt hätte, wie man in Österreich das Urinieren auf Tomaten nennt – und fühlt sich zudem angenehm an die TV-Serie „Kottan ermittelt“ (A/1976-83) erinnert.

Weiters erzählt Franco A. dann noch, warum er sich so ein leiwandes Waffenarsenal zugelegt hatte. Und zwar, weil Unrechtskanzlerin Merkel damals das Land mit Ausländern geflutet habe, unter denen es zwar auch ganz Anständige gebe, aber eben nicht nur. Ihn habe die Angst befallen, dass die Unanständigen sich bewaffnen und zusammenrotten könnten, um danach Bundeswehrkasernen und Polizeiwachen „zu überrennen“.

Klingt irre, aber eine ähnliche Problematik wird in John Carpenters „Assault – Anschlag bei Nacht“ (USA/1976) thematisiert. Da müsse man sich doch wehren, sagt A. Darum die vielen Gewehre. Darum auch die vielen Macheten. Die seien außerdem im Angebot gewesen. Und in den richtigen Händen könne selbst eine Machete viel bewirken – siehe auch Robert Rodriguez’ Meisterwerk „Machete“ (USA/2010).

Außerdem, sagt A., hätten ihn die Prophezeiungen des Alois Irlmaier ebenso beunruhigt wie inspiriert. Irlmaier (1894 – 1959) war ein bayerischer Rutengänger und Wahrsager. Wie Franco A. sah er Dinge, die andere nicht sahen. Anders als bislang A. wurde er dafür rechtskräftig verurteilt (sieben Mal wegen Betruges). Irlmaier sah unter anderem das Ende des Abendlandes voraus. Allerdings nicht das Ende des Prozesses gegen Franco A., denn wenn der so weitergeht, wird es da auch keines geben.

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