Römerbriefe

Zwischen Eintracht und Sitzungen - Terminnot im Frankfurter Römer

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Die Stadtverordneten tagen, die Eintracht spielt – wie kriegt man das bloß zusammen? Die FR-Kolumne.

Leppert: Puh, worüber wollen wir reden – mitten im Sommerloch?

Göpfert: Bühnen, Wohnungsbau, Mike Josef, Frank Junker, Platensiedlung, inklusive Schulen, Koalitionskrach, Müllabfuhr, Kulturcampus, E-Scooter ...

Leppert: Ich weiß nicht. Kommt mir alles so bekannt vor. Lass uns doch mal lieber über die Eintracht reden.

Göpfert: Tun wir ja auch sonst niemals.

Was machen Sie eigentlich am 29. August, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik? Oder am 7. November? Oder am 12. Dezember? Sitzen Sie dann gebannt vor dem Computer und verfolgen den Livestream aus dem Plenarsaal, in dem die Frankfurter Stadtverordneten tagen? Oder gehen Sie ins Stadion und schauen der Eintracht zu? Beides geht nämlich nicht. Sofern sich die Eintracht nämlich für die Hauptrunde des Europapokals qualifiziert, spielt sie an den genannten Daten. Und an eben diesen Tagen treffen sich auch die Stadtverordneten zu ihrer Sitzung.

Ein Dilemma, nicht nur für Sie und uns, sondern auch für viele unserer Politikerinnen und Politiker. Die meisten von ihnen sind Eintracht-Anhänger, manche haben sogar beruflich mit dem Verein zu tun. Was sollen die an den genannten Terminen tun? Die Lösung: Getagt wird im Stadion, genauer gesagt in der Gert-Trinklein-Loge, die nach dem großartigen Eintracht-Spieler und FDP-Politiker benannt ist, der gestern vor zwei Jahren starb.

Wie das dann abläuft? Wir haben uns mal Gedanken über ein Szenario gemacht.

Thomas Dürbeck (CDU): Leute, das ist indiskutabel. Ich bin Kulturpolitiker. In so einer Umgebung kann ich mir keine Gedanken über die Zukunft der Bühnen machen. Und dieser Lärm. Man muss ja schreien.

Manfred Zieran (Ökolinx): Damit habe ich jetzt kein Problem.

Markus Frank (CDU): Heute ist ein guter Tag für Frankfurt und für unsere Eintracht.

Ursula Busch (SPD): Die aber jetzt gerade 0:1 hinten liegt.

Markus Frank: Heute ist ein guter Tag für den Gegner unserer Eintracht...

Jan Schneider (CDU): Nicht aufgeben, niemals aufgeben, habe ich der Bernadette Weyland im OB-Wahlkampf auch gesagt.

Peter Feldmann (SPD): Schmutziges Lachen.

Horst Reschke (AfD): Pyrotechnik, da wird Pyrotechnik gezündet ... Ich habe als Polizist ... Wegsperren, wegsperren!.

Stephan Siegler (CDU): Ich fordere Herrn Nico Wehnemann letztmalig auf, sein T-Shirt so zu tragen, dass die polizeifeindliche Bemerkung auf seinem Oberarm nicht sichtbar ist.

Bernhard Ochs (Die Frankfurter): Mein Opa Willi, der hatte eine Schwester, und deren Liebhaber hat Fußball gespielt.

Ursula Busch: 0:2.

Markus Frank: Ich richte jetzt gleich eine Schutzzone in unserem Strafraum ein.

Beatrix Baumann (Grüne): Darüber kann ich nicht lachen.

Mike Josef (SPD): Hoppla, Ärger im schwarz-grünen Paradies.

Und so streiten unsere Politiker bis zur 96. Minute, in der Ante Rebic das 3:2 für die Eintracht schießt. Danach singen alle: Oh, wie ist das schön, und CDU, SPD und Grüne werten das in einer Pressemitteilung als Zeichen für den großartigen Zustand der Römer-Koalition.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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