+
Stahlarmierungen ragen aus den Fundamenten für den Flugsteig H. Der Grundstein des Terminal 3 am Frankfurter Flughafen ist gelegt worden. Der erste Flugsteig des neuen Terminals, ein reiner Billigflieger-Flugsteig, soll 2021 in Betrieb genommen werden.

Terminal 3

Platz für weitere 21 Millionen Passagiere

  • schließen

Flughafen-Betreiber Fraport legt den Grundstein für das neue Terminal 3 und schafft damit Kapazitäten für weitere 21 Millionen Passagiere.

Zum Andenken gibt es gelbe Westen. Und graue Schlüsselbänder mit der Aufschrift „Grundsteinlegung Terminal 3“. Zur Stärkung Brezeln und Erbseneintopf mit Wurst. Noch schaufeln Bagger Erdmassen aus großen Löchern, in denen das Grundwasser steht. Doch mit der symbolischen Grundsteinlegung ist am Montag der Startschuss für den Hochbau an Frankfurts drittem Flughafen-Terminal gefallen. Wo das große weiße Zelt steht, sollen in vier Jahren Passagiere aus dem neuen sogenannten Personen-Transport-System aussteigen. Eine fahrerlose Bahn, die nach Ansicht von Flughafenbetreiberin Fraport völlig ausreicht für die bis zu 21 Millionen Passagiere, auf die das neue Terminal erst einmal ausgelegt ist. Und die Beschäftigen, die ja auch irgendwie an ihren Arbeitsplatz gelangen müssen.

Davon ist nicht die Rede beim offiziellen Festakt mit 660 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Auch Bauarbeiter sind darunter. Zwei helfen den Anzugträgern in weißen Arbeitshandschuhen, die Zeitkapsel in der Mauer zu versenken, in der unter anderem aktuelle Exemplare der vier Frankfurter Tageszeitungen stecken und eine Flasche Riesling-Auslese vom hessischen Staatsweingut, von der sich Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) nur ungern trennt. Architekt Christoph Mäckler spendiert eine handgezeichnete Skizze des vom ihm entworfenen Gebäudes: Er vergleicht es mit einem Käfer mit vier Beinen.

Terminal 3: Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir schickt Vertretung zur Grundsteinlegung

„Ein großartiges Raumgefühl“ werde die Fluggäste im neuen Terminal erwarten, sagt Fraport-Chef Stefan Schulte. Und spart nicht mit starken Worten: Das „Tor zur Welt“ werde erweitert, der Wohlstand der Region und ganz Deutschlands verteidigt. In puncto Vielfalt, Qualität und Verbindungen sei der Frankfurter Flughafen „Weltmeister“. Und werde es dank der Nordwestlandebahn und des neuen Terminals bleiben. Schulte dankt unter anderen den hessischen Verkehrsministern, die stets die Expansionspläne unterstützten. 

Lesen Sie auch: Flughafen Frankfurt - Protest gegen den Bau des Terminals 3

Der aktuelle lässt sich bei der Grundsteinlegung nicht blicken. Wie schon beim symbolischen Spatenstich lässt sich Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) vom zuständigen Staatssekretär vertreten, der seit der neuen Legislaturperiode Jens Deutschendorf heißt. Zu Beginn der ersten schwarz-grünen Koalition hatte Al-Wazir die planfestgestellten Ausbaupläne noch einmal überprüfen lassen und Alternativen vorgeschlagen. Letztlich blieb es jedoch bei der Planung im Süden des Flughafens, für die schließlich die Stadt Frankfurt Baurecht erteilte. Die ist beim Festakt durch Bürgermeister Uwe Becker (CDU) vertreten, der mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) im Fraport-Aufsichtsrat die Stadt vertritt, die 20,16 Prozent der Anteile an dem Flughafen hält.

Von links: Karlheinz Weimar, Aufsichtsratsvorsitzender der Fraport AG, Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG, Thomas Schäfer (CDU), Finanzminister von Hessen, Uwe Becker (CDU), Bürgermeister der Stadt Frankfurt, Joachim Nöth, Polier, und Christoph Mäckler, Architekt, legen den Grundstein für Terminal 3 am Frankfurter Flughafen.

Das Land besitzt 31,31 Prozent. Und das Gros der Erlöse fließe nicht etwa in den Haushalt. Sondern in Projekte, die dem „Interessenausgleich“ mit der Region dienen, sagt Schäfer, der von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) grüßt, der sich in der Genesungsphase befinde. „Wir haben da eine besondere Verantwortung.“ Schäfer lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass der Ausbau richtig sei. Seiner Meinung nach hat das vorgeschaltete Mediationsverfahren die Kritiker befriedet: „Es ist gelungen, dass die Entscheidung zum Bau akzeptiert wurde.“

Schäfers Vorgänger, Karlheinz Weimar (CDU), ist Vorsitzender des Fraport-Aufsichtsrats. Und er sieht sehr wohl Konflikte. Die Geschäftsführung habe große Standfestigkeit gezeigt, als sie an dem Ausbau festhielt. Die „heftigen Auseinandersetzungen“ über die Notwendigkeit von Terminal 3 hätten nicht sein müssen. Denn die Steigerungen an Fluggäste überträfen gar die Erwartungen. „Die Prognosen waren und sind richtig“, sagt Weimar. Was als Seitenhieb gegen Al-Wazir verstanden werden könnte. Fraport sei ein Infrastrukturbetrieb, der zeitlich lange voraus denken müsse: „Die Fluggesellschaften haben einen Anspruch darauf.“

Kritische Worte zum Terminal 3

Und die Passagiere erwarte ein Gebäude mit hoher Aufenthaltsqualität, verspricht Architekt Mäckler. Die „warmen Naturmaterialien“ höben sich von dem Grau-in-Grau anderer Flughäfen ab. „Fraport baut schön, schnell und professionell.“ Das Projekt sei sehr komplex, vier Architekturbüros damit beschäftigt. Um sich die Dimensionen vorzustellen, bemüht er die Frankfurter Alte Oper: Sechs Mal passe die in das neue Terminalgebäude hinein.

Zum Schluss gibt es doch noch einige wenige kritische Worte. Sie kommen von den Vertretern der drei monotheistischen Religionen, die dem Grundstein einen interreligiösen Segen erteilen sollen. Die evangelische Pfarrerin Bettina Klünemann wünscht, dass sich die Menschen aus aller Welt in dem Gebäude mit Achtung und „Respekt“ begegnen. Ohne sie zu erwähnen, erinnert Said Barkan, Landesvorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, an die Menschen, die zeitgleich in Terminal 1 an der Mahnwache der Flughafenausbaugegner teilnehmen. „Ich hoffe auf einen offenen sachlichen Dialog im Interesse beider Seiten“, sagt Barkan.

Das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen

Für den Rohbau werden 300.000 Quadratmeter Beton und 72.500 Tonnen Baustahl benötigt, 11.500 Quadratmeter Glasfassade sowie 7000 Innen- und Außentüren.

Für Sanitär- und Feuerlöschanlagen sowie Heizungs- und Kältetechnik werden 290 Kilometer Rohrleitungen gelegt, 32.000 Sprinklerköpfe installiert.

Für die Sicherheit sorgen 370 Kameras sowie 15.000 Brandmelder.  

Der Spatenstich war vor dreieinhalb Jahren, und bis 2023 soll die erste Ausbaustufe mit drei Flugsteigen und 21 Millionen Passagieren pro Jahr fertig sein. Das Konzept sieht flexible Erweiterungsmöglichkeiten vor.

Im vergangenen Jahr zählte Fraport knapp 70 Millionen Reisende. Flugsteig G ist für Low-Cost-Airlines und Ferienflieger gedacht. In zwei Jahren sollen dort bis zu fünf Millionen Fahrgäste im Jahr abgefertigt werden können. Nach einer Erweiterung sogar sieben Millionen – sowohl aus dem Schengen-Raum als auch aus dem Nicht-Schengen-Raum.

Flugsteig H ist für Schengen-Flüge gedacht, Flugsteig J für Non-Schengen-Flüge. Sie eröffnen mit dem

zentralen Terminalgebäude im Jahr 2023 und sind für insgesamt 14 Millionen Reisende jährlich ausgelegt. Der vierte Flugsteig K ganz im Westen des Gebäudes ist noch nicht konkret geplant.

Das Personen-Transportsystem geht ebenfalls 2023 in Betrieb. Die neue Bahn ist fahrerlos und hat drei Stopps. Die Fahrt von Terminal 1, wo die Bahnhöfe sind, zu Terminal 3 dauert acht Minuten. Ein Bahnanschluss ist möglich, doch Fraport hält ihn nicht für notwendig und will sich nicht an den Kosten beteiligen.

Die Straßenanbindung ist zur Eröffnung von Flugsteig G fertig. Sie erfolgt über die neue A5-Anschlussstelle bei Zeppelinheim, wofür ein von Umweltschützern besetzter Wald gerodet wurde. Für Taxen gibt es 45 Stellplätze, für Radler 100, für Busse 27 Haltestellen. Die Zahl der Parkhaus-Plätze beträgt zunächst 2021, zwei Jahre später sind es 8500.

Im Endausbau schafft Terminal 3 Platz für insgesamt 25 Millionen Passagiere im Jahr. Das liegt leicht über den Jahreszahlen deutscher Flughäfen wie Düsseldorf oder Berlin-Tegel.

Ursprünglich sollte das Zentralgebäude ein Jahr früher eröffnen. Mit dem längeren Prüfverfahren begründete Fraport auch die Kostensteigerung um rund eine Milliarde Euro. Jetzt ist von einem Investitionsvolumen von bis zu vier Milliarden Euro die Rede.

Das neue Gebäude ist Teil des Ausbaus, den die Landesregierung als Planfeststellungsbehörde Ende 2007 genehmigt hatte. Dazu gehört auch die im Oktober 2011 eröffnete Nordwestlandebahn. jur

www.terminal3.info

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare