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Das historische Telenorma-Gebäude ist Teil des Datenzentrums Telehouse in der Kleyerstraße im Westen Frankfurts.

Rechenzentrum

Telehouse erweitert Serverfläche

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Der Rechenzentrum-Betreiber setzt sich von Strategie der anderen Großen in Frankfurt ab.

An der Kleyerstraße 75 bis 87 sieht es noch aus wie zu Zeiten, als in dem heute denkmalgeschützten Gebäude Telefone zusammengeschraubt wurden. Doch das ist nur die Fassade. Auf dem zugehörigen 45 000 Quadratmeter großen Areal verbirgt sich eines der großen Frankfurter Rechenzentren. 

Wer dahinterschauen will, kann am Ende des Gebäuderiegels einen Blick auf das Gelände erhaschen: Technische Bauten, hohe Schornsteine und eine Brachfläche, auf der das Rechenzentrum in Zukunft erweitern will, prägen das Bild. Rechter Hand, dunkelrot angemalt, steht ein Umspannwerk der Mainova, das eigens für Telehouse so viel Strom bereitstellt, dass es eine Kleinstadt wie Dreieich versorgen könnte. 

Die Kapazität von Telehouse liegt, gemessen an vermieteter Serverfläche, mit 25 000 Quadratmetern aktuell schon weit unter jener der Großen, die die Rangliste in Frankfurt anführen. Und auch mit dem Neubau wird Telehouse nicht viel weiter nach oben rücken. Denn die Firma, die dem japanischen Telekommunikationsunternehmen KDDI gehört, fährt eine andere Strategie als die meisten in der Branche. 

Trend ist, immer größere Rechenzentren mit immer mehr Fläche für Server und die dazugehörigen Geräte bereitzustellen. Der deutsche Branchenprimus e-shelter in Rödelheim hat schon jetzt 60 000 Quadratmeter Serverfläche und baut diese nach Kräften aus. Telehouse aber will für die Zukunft nicht in erster Linie die großen Anbieter von Cloud-Services  ins Visier nehmen. Diese mieteten zwar viel Serverfläche an, erläutert Telehouse-Geschäftsführer Béla Waldhauser im Pressegespräch. Sie drückten durch ihre Macht auf dem Markt allerdings auch die Preise und hätten gleichzeitig enorm hohe Anforderungen. Da stimme für die japanischen Shareholder letztlich die Marge nicht mehr, und die Abhängigkeit von einigen wenigen Kunden werde sehr groß. 

Als Kunden hat Telehouse daher vor allem den Mittelstand und kleinere Kunden im Blick. Zum einen gewöhnliche Firmen, die ihre Rechenzentren auslagerten und deren Bedarf laut Waldhauser relativ stabil bleibe. Expandieren will Telehouse gemeinsam mit Firmen, die ihr Geld mit IT und dem Internet verdienen – also beispielsweise Firmen, die Software als Dienstleistung anbieten. Auch wenn sie nur Stück für Stück wüchsen, brauchten sie immer mehr Kapazität. Heute zählt Telehouse nur einen großen Cloud-Anbieter zu seinen rund 140 Kunden. Also baut Telehouse nur moderat aus. Für rund 40 Millionen Euro sollen in einem dreistöckigen Gebäude 2 200 Quadratmeter neue Serverfläche entstehen. Im Sommer 2018 hat Waldhauser den Bauantrag eingereicht, jetzt wartet er auf die Genehmigung. „Die Baufirmen stehen Gewehr bei Fuß“, sagt er. Sobald die Genehmigung auf dem Tisch liegt, soll es losgehen. 

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