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Teilerfolg für die Frankfurter Tauben

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Von: Thomas Stillbauer

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Auf dem Dach des Patkhauses Hauptwache hatte der Abbau schon begonnen – dort gibt es jetzt Aufschub.
Auf dem Dach des Patkhauses Hauptwache hatte der Abbau schon begonnen – dort gibt es jetzt Aufschub. © Renate Hoyer

Der Schlag an der Hauptwache bleibt vorerst bestehen, der Standort am Gericht nicht. Die Suche nach Ersatzunterkünften läuft.

Nächste Wendung im Streit um Taubenhäuser in der Frankfurter Innenstadt: Der Vogelschlag auf dem Parkhaus Hauptwache darf nun doch vorerst bleiben – die Unterkunft im Parkhaus am Gericht muss jedoch endgültig entfernt werden.

Den Stand der Dinge teilte Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) am Dienstagmorgen mit. Gudrun Stürmer, Vorsitzende des Vereins Stadttaubenprojekt Frankfurt, der die Häuser betreibt, nahm die Nachricht mit gemischten Gefühlen auf. Am Montag hatte der Verein begonnen, den ersten Taubenschlag abzubauen – ausgerechnet an der Hauptwache.

„Es gilt jetzt, zunächst alternative Standorte zu finden und dann die Unterkunft an der Hauptwache zu entfernen“, sagte Stadträtin Heilig. Sie hatte den Kompromiss am Vorabend mit Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) und der Frankfurter Aufbau-AG (FAAG) ausgehandelt, die für die Parkhäuser zuständig ist. Dass an der Hauptwache schon der Abbau lief, bedauert sie. „Dann muss dort interimistisch wieder repariert werden.“

Viele Tierfreundinnen und -freunde hatten sich an die Stadtregierung gewandt, um das Aus für die Taubenhäuser abzuwenden. Eine Onlinepetition sammelte in kurzer Zeit mehrere Tausend Stimmen, auf Facebook wurden Aufrufe geteilt, gegen die Schließung zu protestieren. Etwa 600 Tauben erhalten in den beiden Behausungen regelmäßig Quartier und artgerechtes Futter, zudem werden ihre Eier gegen Gipsattrappen ausgetauscht, um die Population nicht weiter wachsen zu lassen.

Auch das Aus für nur eines der Häuser trifft den Verein hart. „Dann fliegen 300 Tauben hin und da ist nichts mehr“, sagt Stürmer. Am Montag habe sie Küken aus dem Schlag an der Hauptwache mit zum Gnadenhof in Oberrad genommen, es stehe nur noch die Hülle. Am Gericht sei abzusehen, dass die Vögel ohne feste Unterkunft in die Umgebung ausschwärmten und beispielsweise auf dem Wochenmarkt an der Konstablerwache Unmut erregten. „Wir suchen händeringend Ersatz, sind aber noch nicht fündig geworden“, sagt Rosemarie Heilig, „mir tut es doch auch leid.“ Ihr sei bewusst, dass die Tauben in der Umgebung herumfliegen würden, und es gehe ja auch um gesundes Futter für die Tiere, die sich dann wieder von Abfällen auf den Straßen ernähren müssten. „Wir setzen alle Hebel in Bewegung“, sagt sie. Andere Städte hätten etwa eigene Häuser für Tauben in Grünanlagen gebaut, das sei eine Überlegung wert.

Am Standort Gerichtsviertel, der nun weichen muss, sei die Parkhausbetreiberin hart geblieben und habe sich „bitterlich beklagt“ über zu viel Taubenkot. Ein dauerhafter Verbleib sei auch auf dem Parkhaus Hauptwache nicht möglich. Dort sei eine Photovoltaikanlage fürs Dach geplant.

Der Tierschutz betrachtet Taubenhäuser als humansten Umgang mit den Tieren, die einst von Menschen gezüchtet und dann im Stich gelassen wurden. In Frankfurt gibt es noch ein Taubenhaus in Ginnheim in einem Gebäude der Nassauischen Heimstätte. Eine weitere Unterkunft am Westbahnhof musste 2022 für Bauarbeiten weichen.

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