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Nur mit Teamarbeit geht es: dieFeuerwehr Nied bei einer Alarmübung in der Sauerstraße.

Feuerwehr im Nied

Nur im Team kann’s bei der Feuerwehr gut laufen

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Die Freiwllige Feuerwehr in Nied wurde schon 1897 gegründet und ist eine der ältesten Deutschlands.

Elektriker Jens Weimer manövriert das Löschfahrzeug durch die engen Gassen Nieds. An jeder Kurve braucht es genaues Augenmaß und Gefühl für das bis zu 12,5 Tonnen schwere Fahrzeug. „Das größte Problem sind die Falschparker“ sagt Weimer ernüchtert. Sie würden die Wege und die Zugänge zu den Hydranten im Boden versperren. Ein allgemeines Problem für Feuerwehren in Großstädten wie Frankfurt: „Die Parkplätze werden immer kleiner und die Autos immer größer.“

Die Freiwillige Feuerwehr Nied, gegründet im Jahr 1897, wird am Wochenende das 150- Jahre-Jubiläum des Kreisfeuerwehrverbands Frankfurt am Main e.V. gemeinsam mit den anderen Feuerwehren feiern. Die älteste Freiwillige Feuerwehr Frankfurts kommt aus Höchst und wurde im Jahr 1852 gegründet, sie ist eine der ältesten Deutschlands.

Doch bevor gefeiert werden kann, müssen sich beim Training alle zwölf Feuerwehrmänner nochmal konzentrieren. Jeder Handgriff muss sitzen. Für das Bedienen des Fahrzeugs benötigt Jens Weimer eine Ausbildung als Maschinist, von denen bei der Freiwilligen Feuerwehr Nied im Moment ungewöhnlich viele aktiv sind: „Das ist bei anderen Wehren meistens nicht der Fall“, sagt Wehrführer Wiktor Kowalicki stolz.

Für die Übung der Freiwilligen Feuerwehr geht es in den Keller des stellvertretenden Wehrführers Jürgen Lorz. Hier wird ein Brand mit Nebelmaschine und Puppe simuliert. Sobald das Fahrzeug samt Besatzung ankommt, klappen an den Seiten die Schläuche raus. Der Einsatzwagen wird ausgenommen, und die Schläuche werden angeschlossen. Ein Feuerwehrmann setzt sich eine Atemmaske auf, die bei viel körperlicher Anstrengung bis zu 20 Minuten Sauerstoff liefert.

Ein langer Stab mit Lichtanlage fährt aus dem Dach des Fahrzeugs und beleuchtet die Szene. Als Erstes wird die Puppe gerettet, denn „Menschenleben geht über alles“, sagt Niclas Weis, der stellvertretende Jugendwart. Er ist seit neun Jahren dabei; schon mit zehn Jahren trat er in die Freiwillige Feuerwehr ein und hilft nun den 22 Jugendlichen in der Jugendfeuerwehr.

Wehr aus Nied ist ein eingespieltes Team

Die Wehr aus Nied ist ein eingespieltes Team, die meisten arbeiten seit Jahren miteinander: „Das sind hier alles meine Freunde, die meisten kenne ich schon seit zehn Jahren“, sagt Wehrführer Kowalicki. Die Feuerwehren benötigen einen engen Zusammenhalt, um als Team bei Einsätzen zu funktionieren, gemeinsam nehme man an Wettbewerben, Zeltlagern und Lehrgängen teil.

Die Freiwillige Feuerwehr in Nied hat mit 28 Jahren einen sehr niedrigen Altersdurchschnitt, „das ist was Besonderes in Frankfurt“, sagt Kowalicki. Tatsächlich hätten Freiwillige Feuerwehren normalerweise ein Problem mit dem Nachwuchs, da viele nach der Schule eine Ausbildung anfangen oder die Stadt wechseln.

Nachdem die Aktion erfolgreich beendet ist, nimmt Kowalicki zufrieden seinen Helm ab: „Wir müssen echt öfters beim Jürgen in den Keller.“ Ein immer wiederkehrendes Problem sei fehlende Abwechslung bei den Übungsplätzen in der Nähe: „Wir haben zwar zwei, drei, aber man gewöhnt sich schnell an die Gegebenheiten, was im Einsatz natürlich nicht der Fall ist,“ sagt Maschinist Weimer.

In Eckenheim gibt es beispielsweise auch ein großes Ausbildungszentrum mit Trainingsplatz, direkt neben der ersten Wache. Auch die Freiwilligen Feuerwehren werden hier ausgebildet. „Frankfurt hat sogar eine eigene Fahrschule nur für die Feuerwehr“, nichts Selbstverständliches, versichert Kowalicki.

Zum Ausbildungszentrum gehört auch eine Halle mit nachgebautem Straßenzug inklusive Supermarkt, Kneipe und fünfstöckigem Wohnhaus. „Da steht der letzte Schlecker Deutschlands“, sagt Kowalicki lächelnd. In der Halle mit Filmstudioflair kann ein großer Brand mit Hilfe von Gasflammen simuliert werden. Außerdem stehen hier ein Kran und eine Nachbildung der U-Bahn-Station Messe für das Üben von Einsätzen im U-Bahn-Schacht.

Die Zusammenarbeit zwischen Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr sei sehr harmonisch, berichtet Kowalicki. Es gebe keine Klassengesellschaft, man helfe sich aus. Die Feuerwehr Nied teilt sich als eine der wenigen der 28 Freiwilligen Feuerwehren in Frankfurt ihre Wache mit der Berufsfeuerwehr. Das Team von Kowalicki ist auf dem neuesten Stand der Technik; seit 2015 hat man einen neuen Feuerlöschwagen, ausgestattet mit LED-Lampen, 256 PS und neuesten Werkzeugen.

Die Pumpe für den 1200-Liter-Wassertank schafft einen Wasserdruck von bis zu 16 bar. „Auf das neue Löschfahrzeug sind wir wirklich stolz, es zeugt von der Wertschätzung, die wir bekommen“ sagt Niclas Weis begeistert.

Die Freiwillige Feuerwehr Nied mit ihren 30 aktiven Mitgliedern wird sich auch an den Feierlichkeiten beteiligen. Am Wochenende sind die Feuerwehrmänner und -frauen aus Nied in den Brandschutz rund um den Römerberg eingebunden.

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