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„Gab es noch nie in Europa“ – Tausende feiern K-Pop-Stars bei Festival in Frankfurt

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Von: Kathrin Rosendorff

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Im Frankfurter Waldstadion zelebrieren 70.000 das größte europäische K-Pop-Festival. Vor der knallbunten Bühnenshow pilgerten Fans zum Flughafen, um ihre Idole zu treffen.

Frankfurt - Als K-Pop-Fan muss man sich früh entscheiden, sagt Svea (20) aus Köln: Entweder bereits am Freitagabend (13. Mai) vor dem Waldstadion wie Svea auf einer Luftmatratze übernachten, um so weit wie möglich vorne zu stehen und die südkoreanischen Superstars wie die Boyband NCT Dream oder die Girlband (G)I-DLE beim ersten europäischen K-Pop-Festival am Samstag (14. Mai) und Sonntag (15. Mai) zu feiern. Oder die Idole gleich bei ihrer Landung am Frankfurter Flughafen am frühen Freitagabend mit Blümchen zu begrüßen.

Videos am Flughafen von schreienden Fans und den gerade gelandeten K-Pop-Stars wie NCT Dream, die freundlich „An-nyeong-ha-se-yo!“ (Hallo) sagen, teilen Fans am Freitagabend auf Twitter. Einen Tag vor dem Festival. „Ich wäre gerne am Flughafen gewesen, aber mir war es wichtiger, so weit vorne zu stehen wie möglich. Meine Freundinnen und ich haben in der Nähe einen Campingplatz gebucht, Wir wechseln uns mit Schlange stehen ab. Ich werde am Morgen duschen, denn wenn ich Kai sehe, will ich gut aussehen und gut riechen“, sagt Svea und lacht.

Kai ist Bandmitglied von EXO, eine der erfolgreichsten Bands in Südkorea. Er ist der einzige Musiker, der in Frankfurt einen Solokünstler-Auftritt hat. Denn der Fokus bei K-Pop liegt auf Boy- und Girlgroups. K-Pop ist die Abkürzung für Korean Pop mit Elementen aus Rap, R&B und Electro sowie Rock. Mittlerweile wird auch oft auf Englisch gesungen oder Koreanisch und Englisch gemischt.

K-Pop-Festival in Frankfurt: Kai von EXO kannte Waldstadion von Fußballspielen

„Ich kannte das Waldstadion bislang nur von Fußballspielen, die ich im TV gesehen habe. Toll, hier auf der Bühne stehen zu dürfen“, sagt der 28-jährige Kai am Ende des Konzerts. Allein am Samstag sind 44 000 Fans zu „KPop.Flex“ nach Frankfurt gereist. 26 000 sind es am Sonntag. Am Samstagabend wird verkündet, dass es eine Neuauflage von Europas größtem K-Pop-Festival am 17. und 18. Juni 2023 geben wird.

Trotz der Menschenmassen war die Stimmung entspannt. Die Fans feierten ihre Idole mit viel Liebe und positiver Energie.
Trotz der Menschenmassen war die Stimmung entspannt. Die Fans feierten ihre Idole mit viel Liebe und positiver Energie. © Rolf Oeser

Bereits am Freitagabend hören Fans vor dem Stadion bei Kais Probe für seine Songs wie „Peaches“ oder „Vanilla“ zu. So auch Mandy (30), die extra aus Rom angereist ist. „Denn so ein Festival mit so vielen K-Pop-Stars gab es noch nie in Europa“, sagt sie. Am nächsten Tag bewundert sie dann auch Kais außergewöhnliche Tanzbewegungen, er gilt als einer der besten Tänzer der K-Pop-Szene.

K-Pop-Festival in Frankfurt: Outfits und Bühnenbild sind knallbunt

An beiden Festivaltag treten neben Kai die Boybands Enhypen, AB6IX, NCT Dream sowie die Girlbands (G)I-DLE, Mamamoo und IVE auf. Nur die Boyband Monsta X ist ausschließlich am Sonntag da. Die Outfits und das Bühnenbild sind knallbunt, die Choreos perfekt durchgestylt, die Lieder mitreißend. Aber selbst wenn sie auf der Frankfurter Bühne erzählen, wie aufgeregt sie sind, zum ersten Mal in Deutschland aufzutreten, lesen sie das von Karten ab. Auf der Leinwand läuft parallel die englische Übersetzung.

Nichts wird beim K-Pop, dessen weltweit erfolgreichster Export die Band BTS ist, dem Zufall überlassen. Diese sind aber nicht hier. Dafür die Boyband NCT Dream: Allein 9,5 Millionen Menschen folgen ihnen auf Instagram. Beim Interview vor der Show erzählen sie, dass stundenlanges Training und kaum Freizeit zum Alltag von K-Pop-Stars gehört. Beim K-Pop herrscht ein starker Wettbewerb und wer dem Druck nicht standhält, muss gehen. Verträge werden mittlerweile von der Korean Fair Trade Commission geprüft. Immer wieder gab es in den letzten Jahren negative Schlagzeilen: sexuelle Ausbeutung bis zu Selbsttötungen einiger K-Pop-Stars, unter anderem nach extremen Shitstorms.

9,5 Millionen Menschen folgen NCT Dream auf Instagram. DKphotos
9,5 Millionen Menschen folgen NCT Dream auf Instagram. DKphotos © DKphotos

K-Pop-Festival in Frankfurt: Premium-Sitzplätze kosten jeweils 200 Euro

Auf der Bühne gibt es Konfetti und Feuerelemente. Besonders gefeiert wird am ersten Festivaltag in Frankfurt der Duo-Auftritt von Sänger Daewhi von der Boyband AB6IX und Solar von der Girlband Mamamoo: Sie covern „Let it Go“ aus dem Disneyfilm „Die Eiskönigin“. Einige der wenigen Momente, wo man die Live-Stimmen raushören kann. Es ist aber auch einer der wenigen Momente, wo eben nicht getanzt wird.

Zwischendrin erinnert die Show ein wenig an Animationsprogramm beim Cluburlaub, wenn die Stars beispielsweise ihre Choreo langsam zum Nachmachen zeigen oder typisch koreanisch mit ihren Fingern den Daumen mit den Zeigefinger kreuzen (das koreanische Herz) und die Fans sich gerührt ans Herz fassen. Salma (18) aus Rosenheim hat ihre Schwester Ameera (16) Premium-Sitzplätze für jeweils 200 Euro zum Geburtstag geschenkt. „Ich habe dafür mein Monatsgehalt meines Mini-Jobs ausgegeben. Es ist unser erstes Konzert. Mein Papa macht sich Sorgen um uns. Ich soll ihn dauernd anrufen. Ich sage ihm aber: ‚Papa, ich kann nicht mit dir sprechen. Wir sind hier, um die Bands zu sehen“, sagt Salma und lacht.

K-Pop-Festival in Frankfurt: Stars sind längst Fashion-Vorbilder

Mandy aus Rom sagt: „Die Choreos sind perfekt, die Bühnenshows wunderschön und sie haben alle so schöne Gesichter.“ Ästhetik ist ein großes Ding beim K-Pop: Das südkoreanische Schönheitsideal: ovales Gesicht, Kulleraugen – mit einer europäisch-doppelten Lidfalte (die Basis-OP für K-Pop-Stars), Stupsnase, makellos weißer Teint. Das sogenannte Bagle-Face setzt sich aus den Worten Baby und Glamour zusammen. Ihre Gesichter erinnern an Manga-Figuren. K-Pop-Stars sind längst Fashion-Vorbilder und werden wie Kai von Gucci für Kampagnen gebucht.

Auch ihre Bühnen-Outfits sind so bunt wie stylish. Die weiblichen Bands tragen oft sexy bis schulmädchenhafte Outfits, gleichzeitig setzt sich in der K-Pop-Welt bei den Frauen ein emanzipierter Auftritt durch. Die männlichen Stars haben einen androgynen-lässigen Stil.

K-Pop-Festival in Frankfurt: Texte „tiefgründig und mit gutem Sinn für Humor“

Bei der Girlband (G)I-DLE, die eben einen lässig, selbstbewussten Auftritt mit Songs wie „Tomboy“ abliefern, sagt Sophie (17) aus Dresden: „Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass man so sein soll, wie man ist, sich nicht verstellen muss. In ihren Texten sind sie tiefgründig und haben einen guten Sinn für Humor.“

Liebevolle Poster für die Idole.
Liebevolle Poster für die Idole. © Rolf Oeser

Wie einige K-Pop-Stars haben auch Fans sich die Haare lila oder blau gefärbt. Carolina (16) hat sich die Haare grün gefärbt, trägt Netzstrümpfe zu Hello-Kitty-Sneakern. Sie liebt K-Pop, weiß aber auch, wie knallhart das Business dahinter ist. „Ich würde mir wünschen, dass die Bands selbst mehr entscheiden können, was sie machen wollen. Und ich frage mich, wie anstrengend ihr Leben als K-Pop-Star wirklich für sie ist.“

K-Pop-Festival in Frankfurt: Mädchen werden ohnmächtig

Die meisten Fans sind weiblich, immer wieder werden einige von ihnen ohnmächtig und werden auf einer Liege weggetragen: die Hitze, das lange Warten, die Aufregung. Einige Fans beklagen sich später auf diversen Posts in den sozialen Medien, dass die Schlangen für Getränke und Essen in Frankfurt zu lang gewesen sei.

Ein Mädchen schreibt: „Ich musste zweieinhalb Stunden in der Sonne stehen, um Wasser zu bekommen. Ich bin fast umgekippt.“ Andere beklagen, die Organisation beim Einlass sei chaotisch gewesen sei. Auch gefällt einigen nicht, dass die K-Pop-Stars nur jeweils 20-minütige Auftritte hatten.

Renjun von NCT Dream glücklich über Blumenstrauß am Frankfurter Flughafen

Ansonsten herrscht aber trotz der vielen Menschen eine extrem entspannte, harmonische Stimmung auf dem Konzert. Es gibt kein Geschubse, nur ein paar Tränen vor Rührung und Teenie-Schreie. Aber alle lächeln sich an, auch wenn man sich bislang nicht kannte. „K-Pop verbindet. Ich habe heute schon so viele Leute aus der ganzen Welt kennengelernt“, sagt ein Mädchen.

Auch tagsüber ging es beim Korean Festival schon knallbunt zu.
Auch tagsüber ging es beim Korean Festival schon knallbunt zu. © Rolf Oeser

Auch das Korean Festival tagsüber, das vom koreanischen Generalkonsulat in Frankfurt vor dem Stadiongelände veranstaltet wird, ist ein Ort der „guten Energie“. „Gute Energie zu transportieren, darum geht es beim K-Pop“, sagt Renjun von NCT Dream. Das Programm vorm Konzert ist bunt: So gibt es eine traditionelle koreanische Hanbok-Modenschau oder Tanzwettbewerbe bis hin zu koreanischem Streetfood und Spielturnieren.

Chenle von NCT Dream über Frankfurt: „Am Main ist es so schön“

Aber wie sind die K-Pop-Stars eigentlich hinter der Bühne? Extrem nett. Renjun (22) von NCT Dream blüht auf, als er gefragt wird, was sein bestes Fan-Erlebnis bislang war. „Als ich nach 14,5 Stunden Flug in Frankfurt ankam und so viele Fans auf uns warteten und mir ein Mädchen einen Blumenstrauß überreichte, war ich so glücklich. Es ist unser erster Besuch in Deutschland und dann so ein Empfang.“

Sein Bandkollege Chenle (20) sagt: „Ich habe leider keine Blumen bekommen. Da war ich etwas traurig. Aber als ich am Main spazieren gegangen bin, haben mich Fans erkannt und wollten ein Foto. Das war krass, dass wir hier in Frankfurt auf der Straße erkannt werden.“ Dann fügt er an: „Am Main ist es so schön.“ Renjun bestätigt das. „Ich habe viele Fotos gemacht.“ Auf seinem Instagram-Profil sieht man ihn auch schon am Mainufer posieren. (Kathrin Rosendorff)

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