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In Alt-Sachsenhausen sind die Gassen voller Menschen. Wer Maske trägt, fällt auf. Schramek
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In Alt-Sachsenhausen sind die Gassen voller Menschen. Wer Maske trägt, fällt auf.

Lockerung der Corona-Regeln

Tausende feiern in Frankfurt bis weit nach Mitternacht

  • VonSabine Schramek
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In und vor Frankfurter Lokalen war die Hölle los - verbotenerweise auch auf Plätzen. Das Corona-Ausschankverbot wurde aufgehoben.

Als am Freitag (11.06.2021) um 15.54 Uhr die Mitteilung der Stadt veröffentlicht wurde, dass bereits ab Mitternacht ein Teil der Corona-Allgemeinverfügung aufgehoben werde, schlägt die Meldung ein wie eine Bombe. Dass das so schnell ging, damit hatten Marktbeschicker und Gastronomen ebenso wenig gerechnet wie die Bürgerinnen und Bürger.

Sofort werden Getränkelager überprüft und Personal mobilisiert, um in der lauen Frühsommernacht für den Besucheransturm gerüstet zu sein. „Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein. Das sind doch Fake News“, laufen Whatsapp-Nachrichten Sturm.

Frankfurt: Klage gegen Corona-Ausschankverbot ab Mitternacht

Doch die Mitteilung der Stadt beruht auf einem Verwaltungsstreitverfahren. Rusbeh Tussi, streitbarer Betreiber des Adlibs, Karlson und Velvet Clubs, hatte Klage gegen das Ausschankverbot ab Mitternacht erhoben.

Am Freitagvormittag hatte das Verwaltungsgericht Frankfurt die Stadt zu einer Stellungnahme aufgefordert. Die Kammer verweist darin auf die vom RKI veröffentlichte 7-Tage-Inzidenz, die seit dem 5. Juni unterhalb des Schwellenwerts von 35 liegt und in Frankfurt bei 25,8 (Stand 11. Juni). Wörtlich wird die Stadt gefragt: „Wird vor diesem Hintergrund an der angegriffenen Regelung festgehalten?“

Die Entscheidung der Stadt Frankfurt fällt prompt. Dabei beruft sich die Stadt genau auf die Zahlen, die das Verwaltungsgericht Frankfurt in der Aufforderung zur Stellungnahme angibt. Die Sorge, dass ein Urteil nicht zugunsten der Stadt fällt, ist offenbar zu groß. Tussi hatte bereits im Oktober erfolgreich beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel gegen die damalige Sperrstunde geklagt.

Corona-Regeln gelockert: Frankfurts Innenstadt ist brechend voll

Die Terrassen der Bars und Restaurants in der Frankfurter Innenstadt sind um Mitternacht brechend voll. Ebenso Parks und Plätze. Lachen und Gläserklirren klingen durch die Nacht. Auch auf der Zeil. Parallel dazu in der Allerheiligenstraße stehen Dutzende von Streifenwagen. Razzia in einer Shisha Lounge.

Im Allerheiligenviertel findet eine Razzia statt.

„In den letzten Monaten wurde mehrfach im Viertel geschossen“, erinnert der Einsatzleiter der Polizei an das aktuelle Dauerproblem. Vor einer Woche wurde ein 23-Jähriger angeschossen, im Januar und März gab es hier ebenfalls versuchte Tötungsdelikte. „Der Einsatz ist eine präventive Maßnahme“, sagt der Beamte. Mehrere Männer werden durchsucht.

Nach Lockerung der Corona-Allgemeinverfügung in Frankfurt: Polizei löst mehrere Partys auf

Auch die Gewerbeaufsicht ist dabei und misst CO2-Werte. Gegen 1 Uhr stehen mehrere Einsatzwagen vor dem Gericht und rasen mit Blaulicht zum Friedberger Platz. Er ist so voller feiernder Menschen, dass kaum noch Gras zu sehen ist und die Menschen sich noch am Sonntag in der Straßenbahn davon erzählen. Müll türmt sich überall. Kaum ein Flecken ohne Glasflaschen. Dass Alkoholkonsum auf öffentlichen Flächen weiterhin ab Mitternacht untersagt ist, haben die Leute offenbar nicht mitbekommen.

Die Polizei räumt den völlig vermüllten Platz. Die Straße Richtung Louisenplatz ist voller zerbrochener Flaschen. Die Betrunkenen torkeln darüber hinweg. Mit dem Wagen dauert es 20 Minuten, um vom Friedberger Platz zum Louisenplatz zu fahren, weil die Straße so voll ist mit Leuten, die nur widerwillig gehen. Auch hier wartet die Polizei, löst die Party auf.

Fast wie vor der Corona-Pandemie: Menschen feiern ohne Maske und Abstand

In der Nacht auf Samstag ist jeder Park und jeder Platz voll. Nur im Bahnhofsviertel und in Alt-Sachsenhausen ist es relativ beschaulich und ruhig. „So schnell stellen sich die Leute offenbar nicht darauf ein, dass die Ausschanksperre weggefallen ist“, vermutet Olli Thies, Betreiber der „Klapper 33“. Er hat keine Außenplätze und jeder Gast muss einen Vollimpfnachweis mit sich führen, einen Genesen-Bescheid oder einen aktuellen Test. Wer das hat, loggt sich via QR-Code ein. Dann darf in der Bar getrunken werden.

Gegen 4.30 Uhr gehen die letzten Gäste nach Hause – die Gassen sind ohne Müll. In der Nacht auf Sonntag ist das Feierviertel brechend voll und laut. Das Kopfsteinpflaster in der Kleinen Rittergasse ist vor lauter Menschen kaum zu erkennen. Wer Maske trägt, fällt auf. Nicht nur hier. Das Bahnhofsviertel wirkt fast wie vor der Pandemie, in der Innenstadt ist kein freier Platz zu finden.

Polizei in Frankfurt meldet keine besonderen Vorkommnisse

Trotz der Mengen an Menschen sei alles den Regeln entsprechend und völlig entspannt verlaufen, meldet die Polizei am Sonntag auf Nachfrage, kurzum: keine besonderen Vorkommnisse.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Frankfurt liegt am Sonntagmorgen laut RKI bei 26,9 und 205 Corona-Fällen in den letzten sieben Tagen. Ob sich der maskenlose Feierspaß positiv oder negativ auf die Krankheitsfälle auswirkt, bleibt abzuwarten. (Sabine Schramek)

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