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Die Impfgegner und -gegnerinnen marschieren am Opernplatz vorbei.
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Die Impfgegner und -gegnerinnen marschieren am Opernplatz vorbei.

Frankfurt

Tausende demonstrieren gegen „Impfpflicht“

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Am Samstag ziehen Corona-Skeptikerinnen und -skeptiker durch Frankfurt und protestieren auch gegen Österreich.

Zwischen 1700 und 2600 Menschen haben laut Zählungen der Polizei am Samstagnachmittag an einer Demo gegen eine drohende Impfpflicht in Deutschland und Österreich teilgenommen. Die Polizei sprach von einem Stadtspaziergang, ursprünglich waren 500 Menschen angemeldet gewesen.

Der Protest begann vor dem österreichischen Honorarkonsulat im Reuterweg beziehungsweise im Rothschildpark gegenüber. Österreich bange in diesen Tagen, formulierte ein Redner. Im Februar soll die Impfpflicht kommen. Nun sind die hiesigen Staatsbürger:innen nicht ganz uneigennützig, befürchten sie doch auch eine Impfpflicht für die Bundesrepublik.

Die Demonstrierenden seien Verfassungsschützer und Verteidiger der Menschenrechte. Angesichts der hochtrabenden Worte muss sogar der Mann mit dem Aluhut in der Zuhörerschaft lachen. Die Symbolik der aluhuttragenden Verschwörungsideologen – man weiß, wie man vor Ort mit Klischees spielen kann.

Als der Hessische Rundfunk beim Redner nachfragt, wird auch er ausgelacht. Man sei nicht hier, um Fragen zu beantworten. Aus dem Publikum wird gepöbelt, als die beiden Journalisten weitergehen wollen, werden sie bedrängt und kurz geschubst. Auf die „Mainstream“-Presse ist man gar nicht gut zu sprechen.

Dann trabt der lange Tross schließlich los in Richtung Alte Oper. Aus Lautsprechern tönen Westernhagen und Helene Fischer, dazwischen immer die Ansage, wenn man sich nicht zweimal im Jahr zwangsimpfen lassen wolle, könne man sich gern anschließen.

In erster Linie geht es um Freiheit. Alle hier wollten endlich wieder frei sein, keinen Impfzwang und eine Spaltung der Gesellschaft verhindern. Egal ob geimpft oder ungeimpft, man wolle zusammenstehen. Das tut man auch auf der Demo. Sehr nah und sehr maskenlos.

Einige tragen eine Mund-Nasen-Bedeckung, die meisten nicht. Zwar sei Auflage gewesen, dass man zwei Meter Abstand halten und Maske tragen müsse, aber Konsequenzen gibt es nicht. Warum das Ordnungsamt einen „Spaziergang“ zulässt, bei dem man im Vorfeld weiß, dass sich keiner an das Hygienekonzept halten wird, und auch die engsten Straßen für die Demo genehmigt, bleibt wohl sein Geheimnis.

Eine 54-Jährige aus Offenbach ist beim Protest dabei und bedauert, dass immer die Ungeimpften zu Sündenböcken gemacht würden. Sie würde sich wünschen, dass alle wissenschaftlichen Meinungen an einem runden Tisch zusammenkämen und Gehör fänden. Geimpft sei sie nicht. Maximal bei einem Totimpfstoff würde sie es erwägen. Zweifelsohne sind am Samstag besorgte Bürger:innen dabei, die Angst vor der Impfung und einer Übergriffigkeit des Staats haben. Aber sie lassen sich vor, auf oder hinter den Karren anderer Bewegungen spannen. So waren Fahnen der neuen Partei „Die Basis“ auf der Demo zu sehen, die als parteipolitischer Arm der „Querdenken“-Bewegung gilt. Ein Plakat mit „Heimatschutz statt Mundschutz“ ist zu sehen, das ein Verantwortlicher mit den Worten „Das wollen wir heute nicht. Das ist zu rechts“ zu verhindern versucht. Am Ende ist es drei Meter weiter hinten.

Unterwegs ist es dann vorbei mit dem Schwur der Gemeinsamkeit. Ein Passant ruft, „verpiss dich“. Die adressierte Frau quittiert es mit, „du kannst doch nicht mehr klar denken, du Depp“. In der Schillerstraße hält ein Mann sein Handy mit dem Impfzertifikat hoch. „Fürs Saufen reicht’s“, pöbelt ein Teilnehmer zurück. Der geimpfte Mann erzählt später, dass er es unbegreiflich finde, dass so viele Menschen auf die Straße gingen. „Mir geht es nicht um Urlaub, ich will einfach keinen schweren Verlauf bekommen.“ Er und sein Kumpel seien aus Berlin und wegen des Fußballspiels hier. „Solche Leute halten die Pandemie am Laufen.“ Das Verhalten sei totaler Schwachsinn.

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