+
Kuratorin Laura Fugger mit Exponaten.

Stadtlabor Gallus

Taubenschau mal anders

  • schließen

Eine Kunstausstellung im Gallus widmet sich in liebevoller Weise der Taube, einem Vogel, den nicht wenige zum Teufel wünschen. Die Taubenschau ist nur an diesem Wochenende zu sehen.

Die Taube, wenn sie nicht gerade von ihren erbitterten Gegnern zum Teufel gewünscht wird, findet sich durchaus häufig in Ausstellungen wieder; dann aber praktisch ausschließlich in den Schauen der Geflügelzüchtervereine. Dass der Taube eine Kunstausstellung gewidmet wird, eine sehr liebevolle zumal, das ist eher selten. Aber an diesem Wochenende geschieht es: im Stadtlabor im Gallus.

Am Samstag und Sonntag werden Künstler die Taube aus ihrer Sicht zeigen, in Bildern, Fotos, Zeichnungen und sogar graviert auf Glas. Was ist der Plan? „Mal einen anderen Personenkreis ansprechen, das Thema auf andere Art zeigen, als etwas Schönes“, sagt Gudrun Stürmer, die Leiterin des Frankfurter Stadttaubenprojekts: „Damit man sieht, dass die mehr können als nur verdauen.“

Zum Aufbau am Freitag sind nicht nur Künstlerinnen gekommen, sondern auch eine junge Taube. Sie saß an der Galluswarte unterm Fahrradständer und wusste nicht weiter. Wohl von einem der Querträger unter der S-Bahn-Brücke gefallen, für die sich die Freunde der Tauben und die Freunde sauberer Jacken seit Jahren eine Verkleidung wünschen.

Jemand hat die kleine Taube mit in die Kleyerstraße gebracht. Genau auf diese Weise kam die Ausstellung auch zustande: Laura Fugger, Studentin an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, und ihre Mutter brachten vor einiger Zeit eine hilflose Taube zu Gudrun Stürmer nach Oberrad – ein guter Einfall, auf den zuvor bereits zwei Münchner Künstlerinnen gekommen waren. Die nächste gute Idee schloss sich an: eine Tauben-Kunstausstellung.

Laura Fugger betätigte sich als Kuratorin und steuerte selbst einige feine Tuschezeichnungen bei, vom ganzen Vogel und vom Detail; Claudia Himmelreich zeigt zarte Aquarelle, die perfekt zu ihrem Nachnamen passen; Vroni Schwegler hat einen Vogel mit einer Diamantnadel in eine Glasscheibe gefräst – federleicht sieht das aus, besonders, wenn man das Kunstwerk mit einer Lampe an die Wand projiziert. Schöne Fotos zeigen fliegende, spazierende und (überzeugen Sie sich selbst!) lächelnde Tauben. Ein interessanter Kontrast: Kunst und Natur im früheren Autohaus.

Dazu gibt es Schaukästen mit Federn, Eiern, Vogelfutter, und es gibt kurze Texte zur Biologie der Taube. „Ich fand das faszinierend, was die alles kann“, sagt Laura Fugger. Wasser aufsaugen wie mit einem Strohhalm zum Beispiel, Pillen sortieren, sich Gesichter merken. Auf anderen Gebieten hingegen ist die Taube nicht besonders gut. Menschen mit Krankheiten anstecken oder Gebäude mit ihrem Kot verätzen, das kann sie praktisch gar nicht, auch wenn es immer noch viele Leute felsenfest glauben.

Zur Eröffnung am Samstag ist die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig eingeladen, und Claudia Gabriel, die Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt will dabei sein. Es gibt eine Bar mit selbst gemachter Limonade.

Frieda, die Fundtaube der Fuggers, hat in Oberrad übrigens schnell Anschluss gefunden. Sie ist jetzt mit Earl zusammen, einem adligen Zuchtvogel.

Taubenschau, 28./29. August, Samstag 18 bis 21 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr, Stadtlabor Gallus, Kleyerstraße 1.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare