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Unter den Frankfurter Straßenbrücken soll es sauberer und zugleich tierfreundlicher werden.

Stadttauben

Was tun mit den Tauben in Frankfurt?

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Stadt und Bahn wollen weitere Brücken abdichten, damit darunter keine Tauben nisten. Tierfreunde würden lieber Eier austauschen und haben dafür einen Plan ausbaldowert.

Frankfurt - Die Stadt und die Taubenschützer haben Pläne für die Frankfurter Straßenbrücken. Es soll dort sauberer werden und zugleich tierfreundlicher. Die Pläne passen nicht hundertprozentig zusammen, aber vielleicht lässt sich da noch etwas verzahnen.

Die Ausgangslage: In der Stadt leben Tauben, und sie haben eine Verdauung. Was machen wir da? Vergiften im Park? Füttern? Mit Fallen einfangen? Es gibt verschiedene Ansätze und jede Menge Streit. Die Stadt und die Deutsche Bahn setzen auf die Verkleidung der Unterseiten von Brücken. Volta- und Schweizer Straße sollen im Oktober an die Reihe kommen.

Start der Arbeiten ist am 8. Oktober an der Bahnbrücke Schweizer Straße, die Verkehrssicherung wird schon am Vortag aufgebaut. Der Rest der bereits teilverkleideten S-Bahnbrücke an der Galluswarte folgt ebenfalls in nächster Zeit. Die Taubenfreunde möchten die Brücken nicht verschließen lassen, sondern lieber bewirtschaften wie Taubenhäuser. „Wir haben Anfang Juli ein Konzept vorgelegt“, sagt Gudrun Stürmer, Vorsitzende des Vereins Stadttaubenprojekt. Darin heißt es, etwa 50 Prozent der einst als Felsenbrüter lebenden Tiere seien an und in den Straßenbrücken beheimatet. Würden die Brücken verschalt, siedelten sich die ortstreuen Tauben in der Umgebung an; würden die Brücken mit Spikes bewehrt, verletzten sich viele Tauben.

Gipsattrappen statt Eier

Der Verein will deshalb an den Brücken tun, was er bereits mit Taubenhäusern in Frankfurt und Wiesbaden tut: Eier gegen Gipsattrappen austauschen und die Gehwege reinigen. Ein Pilotprojekt unter der Brücke über die Königsteiner Straße in Höchst läuft seit Januar 2018 und führte laut Stürmer zum Austausch von jährlich 550 Taubeneiern – macht 550 Tauben weniger. Das Ganze wäre für die Stadt so gut wie kostenneutral, betont sie: Die beiden Mitarbeiter, die sich künftig um die Pflege der Brückenbereiche kümmerten, wären Arbeitssuchende, die nach Paragraf 16i Teilhabechancengesetz gefördert würden und zuvor Empfänger von Arbeitslosengeld II waren.

Aus dem Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) hat das Stadttaubenprojekt schon positive Rückmeldungen zu seinem Vorhaben erhalten. Aus dem Umweltdezernat heißt es grundsätzlich: „Wir sind Befürworter von Taubenhäusern.“ Was die Brücken angeht, sollten sich Taubenschützer und der Abfallentsorger FES zusammensetzen und sich über „zwei oder drei Brücken“ einigen, an denen sie probeweise gemeinsame Sache machen. „Alle tun das, was sie am besten können“, sagt Alexandra Chmielewski, Referentin von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), „das Stadttaubenprojekt kümmert sich um die Tauben, und die FES macht sauber. Das ist eine gute Kombination.“

"Viele Brücken sind in der Verantwortung der Deutschen Bahn"

Und generell? Auch dem Verkehrsdezernat, zuständig für den Bereich um die Straßenbrücken, liegt das Konzept des Vereins vor, entschieden ist noch nichts. „Viele Brücken sind in der Verantwortung der Deutschen Bahn“, sagt Stefan Lüdecke, Referent des Stadtrats Klaus Oesterling (SPD), „da brauchen die Absprachen Zeit.“ Ein Gespräch zwischen dem Taubenprojekt und dem Amt für Straßenbau und Erschließung sei aber schon für diesen Monat anberaumt. „Dann werden wir sehen, wie wir den Taubenfreunden helfen können.“

Richtiggehende „Begeisterung“ hat im Verkehrsdezernat freilich etwas anderes ausgelöst: dass Gudrun Stürmer ankündigte, das Taubenhaus am Westbahnhof zu schließen. Grund: „Ein Taubenhaus ist zu wenig für so einen großen Stadtteil“, sagt Stürmer, im vorigen Jahr mit der Bürgermedaille der Stadt für ihre Arbeit ausgezeichnet. „Das zieht natürlich Tauben an – wir bräuchten weitere in Bockenheim, dann würde es sich besser verteilen.“ So aber habe es keinen Sinn.

Dezernent Oesterling hinterfragt, oballe Frankfurt-Pendler wirklich mit dem Auto kommen müssen. Herbert Schmoll von „Sachsenhausen wehrt sich“ bemängelt in der FR die Zunahme von Autoverkehr durch die Mainkai-Sperrung.

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