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Tatort in Frankfurt: Ein Ort ist erfunden – Viele Szenen außerhalb Frankfurts entstanden

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Von: Oliver Teutsch

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Im neuen Frankfurt-Tatort entstehen viele Szenen gar nicht in Frankfurt. Vor Ort gibt es nur wenige authentische Drehorte.
Im neuen Frankfurt-Tatort entstehen viele Szenen gar nicht in Frankfurt. Vor Ort gibt es nur wenige authentische Drehorte. © hr/ARD-Degeto/Bettina Mueller

Der neue Frankfurt-Tatort beschert nur wenige Aha-Effekte. Denn es gibt nur wenige authentische Drehorte. Viele Szenen entstehen außerhalb der Stadt.

Frankfurt – Der Name des jüngsten Frankfurt-Tatorts war gut gewählt: „Finsternis“. Denn die Zuschauenden tappen gleich doppelt im Dunklen. Zum einen über die zerrütteten Verhältnisse der Familie Gombrecht, zum anderen bei der Frage, wie viel Frankfurt denn im neuen Frankfurt-Tatort wirklich drin steckt.

In einigen Fällen ist es aus organisatorischen Fällen Etikettenschwindel. Das geht schon in der Anfangsszene los, die ein bisschen an Teenie-Horror erinnert und im Frankfurter Stadtwald spielen soll. Gedreht wurde die Sequenz aber, so verrät es Michael Draeger vom Hessischen Rundfunk, „zwischen der B44 und der Hengstbachaue“, also irgendwo zwischen Langen, Dreieich und Neu-Isenburg.

Frankfurt-Tatort: Hauptbahnhof ist einer der wenigen authentischen Drehorte

Wer das weiß, zerbricht sich auch nicht mehr den Kopf, wo denn die von Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) erwähnte „Tankstelle im Stadtwald“ sein könnte – jedenfalls nicht im Stadtwald. Ominös wird es auch, wenn Brix die Zufahrtswege vom Tatort aufzählt und von einer dritten Straße spricht, die „über die Dörfer von Frankfurt“ führe.

Einheimische verstehen hier nur Bahnhof. Der immerhin ist echt. Tochter Judith Gombrecht wird wahrhaftig am Frankfurter Hauptbahnhof abgeholt, der im Hintergrund zu sehen ist. Es ist neben den Szenen im Kammerspiel des Schauspielhauses und in der angrenzenden Neuen Mainzer Straße einer der wenigen Aha-Effekte, die Frankfurter Zuschauerinnen und Zuschauern vergönnt sind.

Krankenhaus-Szenen im Frankfurt-Tatort nicht im Uni-Klinikum gedreht

Ein anderer Drehort befindet sich zwar in Frankfurt, allerdings nicht dort, wo es dem Publikum suggeriert wird. Die vermeintliche Behandlung von Vater Gombrecht etwa ist keineswegs im Uni-Klinikum in Sachsenhausen, sondern im Max-Planck-Institut am Riedberg, wo es selbstverständlich keine Onkologie gibt.

„In einem Krankenhaus ist es in Zeiten der Pandemie nicht so ganz einfach zu drehen“, erklärt Draeger den Ortswechsel. Das unbestimmte Krankenhaus heißt dann im Film einmal „Klinikum West“. An einer Säule im Innern prangt dann das Schild „Frankfurt-Süd“, was wenig zum eigentlichen Drehort passt.

Frankfurt-Tatort: Regie erfindet einen Ort

Doch Vater Gombrecht ist ja ohnehin nicht krank und lässt sich daher vom Taxifahrer lieber an seinen Arbeitsplatz in der „Friedrich-Wöhler-Berufsschule“ fahren. Die gibt es weder in Frankfurt noch sonst irgendwo. Immerhin war der Chemiker Friedrich Wöhler ein waschechter Frankfurter, vielmehr Eschersheimer, wo er 1800 geboren wurde, als Eschersheim noch eigenständig war.

Mit der real existierenden Frankfurter Wöhlerschule indes hat das nichts zu tun. Das altehrwürdige Gymnasium ist nach dem früheren Direktor August-Anton Wöhler benannt. Es hätte wohl auch keine Frankfurter Schule toll gefunden, wenn sich eine ihrer Lehrkräfte im Verlauf des Films als eiskalter Gattinnen-Mörder entpuppt.

Frankfurt-Tatort: Viele Szenen spielen im Umland

In vielen Szenen spielt der neueste Frankfurt-Tatort indes ohnehin im Umland. Das Wohnhaus der Familie Gombrecht etwa steht im wahren Leben in Dreieich, das Auto der ermordeten Mutter Gombrecht wird an der sogenannten Nato-Rampe in Maintal-Dörnigheim aus dem Main gezogen und irgendwo dort in der Nähe erschnüffelt ein Hund auch die Überreste der Ermordeten.

Die Entfernung zwischen Tatort und Fundort des Autos beträgt im Film 30 Kilometer, was ein bisschen viel ist. Dem Fernsehpublikum im Rest der Republik wird das einerlei sein, nur in Frankfurt fragt man sich, wie das alles zusammenpassen kann. (Oliver Teutsch)

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