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Tänzer in Aktion.

Tanzen in Frankfurt

Tanzen macht glücklich

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Die Angebote sind zahlreich: Doch wollen sich die Frankfurter noch zur Musik bewegen, sind traditionelle Stile oder das Neue beliebt? Wir haben uns umgehört.

Tango, Ballett, oder Squaredance: Wer in Frankfurt nach Tanz-Angeboten sucht, der findet. Bei Vereinen oder Tanzschulen, Privatunterricht oder in der Gruppe, für Kinder bis Senioren. Wer denkt, Klassiker wie Walzer seien völlig out, irrt sich, aber die Frankfurter schwingen die Hüften auch im Burlesque oder Bauchtanz. Weil sie die Gemeinschaft schätzen, sich bewegen, Altes auffrischen oder Neues lernen wollen.

Lindy Dance und Blues sind bei uns gerade angesagt, sagt Anja Hoepfner die mit ihrem Ehemann seit 25 Jahren die Tanzschule Carsten Weber in Höchst leitet. Die Tanzarten, die zur Swingfamilie gehören, haben großen Zulauf. Das beginne schon bei den 25-Jährigen, „da werden Parties mit guter Stimmung gefeiert“. Aber auch Slowfox und Walzer würden nach wie vor gerne getanzt.

Besonders gut besucht seien immer noch Kurse für Kinder, schon ab drei Jahren. Weniger würden die Jugendlichen, die Standardtänze lernen wollen, sagt Hoepfner. „Ich habe die Hoffnung, dass das zurückkommt.“ Schließlich gebe es immer wieder Wellen, die das Tanzschulgeschäft beleben. Was jeweils der Auslöser sei, lasse sich schwer sagen. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass je ungeordneter die Zeiten oder das Weltgeschehen wird, desto mehr besinnen sich die Menschen aufs Tanzen und Zweisamkeit.“ Nicht zu vergessen sei das Tanzen eine wunderbare Therapie, für den Einzelnen oder das Paar.

Tanzlehrer zu finden sei hingegen nicht ganz einfach, sagt Hoepfner. Zum Glück hätten sie zwei Auszubildende. Doch sonderlich beliebt sei der Beruf beim Nachwuchs nicht, keine Nine-to- five-Arbeitszeiten. Gerade in der Ausbildungszeit sei das Gehalt karg. „Für mich aber einer der tollsten Berufe der Welt.“

Für viele bleibt Tanzen aber ein Hobby. „Wir haben mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen“, sagt Jörg Hillenbrand, Präsident des Hessischen Tanzsportverbands mit 35 000 Mitgliedern. Das sei allerdings nicht nur ihr Problem, vielen Leistungsportarten ergehe es ähnlich. Durch die enorme Schulbelastung werde die Freizeit rar. Gerade im Turniertanz müsse aber viel Zeit für Training und Wettkämpfe investiert werden.

Hillenbrand sieht auch, dass es schwerer werde, junge Leute für Standard- und Lateintänze zu begeistern, ihr Kerngeschäft. Die hätten mehr Lust auf Breakdance und Hip-Hop. Allein die Musik sei natürlich eine andere, mitreißender als die eines langsamen Walzers. Um dem Schwund entgegenzuwirken, versuche man, sich in den Vereinen breiter aufzustellen und viele Tanzstile anzubieten. Und die eine oder den anderen für Jazzdance oder Standard zu begeistern. Doch noch zählen zum Verband 330 Vereine in Hessen.

Einer davon ist der TSK Goldstein, der Tanzlustigen eine große Auswahl bietet. Beliebt ist gerade Line Dance, berichtet der Vorsitzende Udo Wolters. Für den Reihentanz brauche man keinen Tanzpartner. Die Nachfrage sei so groß, dass sie gerade eine dritte Gruppe aufgemacht haben, berichtet er. Damit die Leute kommen, bewerbe man den Verein aktiv. „Wir organisieren viele Veranstaltungen und Aktionen, etwa einen großen Tanzkurs für Anfänger.“ Damit erhoffe man sich, dass ein großer Teil weitermacht und in den Verein eintritt. Und das klappt: Die Mitgliederzahl habe sich verdoppelt, sagt Wolters. Auch die Line Dancer treten oft auf – etwa auf Seniorenveranstaltungen –, um zu zeigen, dass man auch im hohen Alter noch tanzen kann.

In Hessens zweitgrößtem Verein, der Turngemeinde Bornheim, ist das Tanz-Angebot ebenfalls groß. „Jeder, der laufen kann, kann auch tanzen“, sagt Alexandra Dietrich, die im Verein für Tanz zuständig ist. Es gehe nicht um Perfektion, sondern darum, einen Raum mit Leben zu füllen. Ein Nachwuchsproblem hat die TG nicht. Die Klassiker wie Hip-Hop und Jazz-Dance blieben beliebt, aber auch Tribal Dance, eine Mischung aus orientalischen Tänzen, sei sehr gefragt.

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Mit Bauchtanz hat es auch bei Melanie Meier begonnen. Seit 2008 bietet sie in ihren Studios in Bockenheim und Bornheim orientalischen Tanz nur für Frauen an, der habe sich in Frankfurt durchaus etabliert. Im Moment werde Samba sehr gut angenommen und auch der erotische Burlesque-Tanz, erzählt sie. „Viele wollen mal was Neues ausprobieren.“ Und sich bewegen, aber nicht alleine im Fitnessstudio, sondern zusammen – und das mit einer sinnlichen Erfahrung verbinden.

Wernecke, die älteste Tanzschule in Frankfurt, die dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert, hat viele Trends erlebt. „Gerade registrieren wir eine Rückbesinnung auf die klassischen Tänze im Paartanzbereich“, sagt Geschäftsführer Oliver Wernecke. Vermehrte Nachfrage gebe es nach Walzer, Disco, Swing, Latino und Tango. Sowohl im Jugendbereich als auch bei den erwachsenen Paaren und Singles bis hin zu den Senioren.

Hatten sie vor einigen Jahren nur wenige Tanzkreise, in denen man regelmäßig dem Hobby Tanzen nachgeht, sei die Anzahl sprunghaft gestiegen, berichtet Wernecke. Das liege auch an Erfolgssendungen wie „Let’s dance“, aber auch daran, dass die Wissenschaft sich mit dem Thema zunehmend beschäftige. Bücher wie „Tanzen ist die beste Medizin: Warum es uns gesünder, klüger und glücklicher macht“ seien Bestseller.

Dass Tanzen fit hält, weiß auch Erich Bauer, Inhaber der Tanzschule Bauer, der mit 83 selbst noch unterrichtet; nicht nur der Körper, „auch der Geist bleibt jung“. Vor 60 Jahren gründete er die Schule, und immer noch gebe es zu wenig männliche Tänzer, auf 20 Frauen kämen oft nur zwei Männer, sagt Bauer. Ähnliches berichten fast alle Vereine und Schulen.

Dagegen geht die Tanzschule Diereck Dross im Ostend vor. „Wir verändern gerade die Welt im Kleinen. Wir zeigen den Männern, dass Tanzen Spaß macht, sagt Inhaber Diereck Dross. Tanzschulen hätten darüber hinaus oft den Ruf, altmodisch zu sein. Selbst traditionelle Tänze würden bei ihnen so unterrichtet, dass urbane, moderne Menschen Gefallen daran finden. Und auf jeden Fall nicht mehr so, dass die Frauen auf der einen und die Männer auf der anderen Seite stehen.

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