Kultur

Tanz im Atelier

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Der Kunst- und Kulturverein „Fritz Deutschland“ öffnet zur Sommerparty seine Werkstätten.

Während die einen unten im Hof gemütlich essen, streifen die anderen durchs Gebäude und blicken neugierig in alle offenen Räume. Der Kunst- und Kulturverein „Fritz Deutschland“ hat am Samstagabend zum Sommerfest aufs ehemalige Lurgi-Gelände in die Gwinnerstraße geladen.

Nicht weit entfernt von der Batschkapp, mitten im Industriegebiet, vor den Hängen Seckbachs, reihen sich rund ein Dutzend Werkhallen des ehemaligen Industrie-Anlagen-Baubetriebes aneinander. In der „Halle 404“ ist Fritz Deutschland seit mehr als zwei Jahren untergebracht. Auf 2500 Quadratmeter können die Besucher die einzelnen Ateliers und Werkstätten am Samstag besuchen. Einige Kleingruppen lassen sich von Vereinskundigen durch die beiden Etagen führen. Andere streifen solo durch das Gebäude.

In der Keramik-Manufaktur steht Jerome Alsoufi alleine am Fenster und hält eine Untertasse ins Licht, neben ihm die traditionelle Töpfer-Scheibe, mit der Tassen und Teller geformt werden. „Wir bieten hochwertige, sehr einfache Formen, keine Henkel, keine Schnörkel“, berichtet Alsoufi. Mit dieser Gebrauchskeramik beliefere man Gastronomen.

Die Vielfalt beeindruckt

Dann kommt seine Partnerin Isabelle Zeiß dazu. Ende 2018 sind sie beim Verein Mitglied geworden und in einen 50 Quadratemter großen Raum mit ihrer Werkstatt gezogen. Die diene als „Showroom“, Produktionsstätte und für Töpferkurse. „Die professionelle Mischung von Künstlern und Kreativen passt ganz gut“, sagt Zeiß. Lange hätten sie keinen passenden Raum gefunden, seien öfter umgezogen.

Nebenan präsentiert Deborah Rudolph Ohrringe und Halsketten aus Schmucksteinen. Auch sie ist neu im Verein. Die Werkzeuge, die sie zur Arbeit braucht, liegen neben der ausgestellten Ware: kleine Zangen, eine Walze, eine Stand-Bohrmaschine. „Viel Licht und Ruhe zum Arbeiten hat man hier“, sagt sie, während die Abendsonne durch große Fenster strahlt.

Die Besucher Sanne Petry und Michael Behrendt erkunden erstmals die Räume und gehen gerade durch die obere Etage. „Total spannend und so was von kreativ“ sei das Künstlerhaus, sagt die 52-Jährige: „Es ist größer, als ich gedacht habe.“ Und Behrendt zeigt sich beeindruckt von der Vielfalt der Werkstätten. „Es gibt sogar eine Sattlerei, ein Handwerk, von dem ich dachte, dass es das gar nicht mehr gibt“, sagt der 59-Jährige. Migu Syed steht im Erdgeschoss in der Steinwerkstatt, die er sich mit zwei Kollegen teilt. Der Bildhauer ist seit vier Jahren bei „Fritz Deutschland“ und vom ehemaligen Gelände in Rödelheim mit umgezogen. Für seine Skulpturen braucht er Platz, den er in den neuen Räumen findet. In ihrem „Stein-Profi-Betrieb“, der neben einer Film-Ausstattungs-Firma untergebracht ist, hat das Trio einen Lastwagen, zwei Gabelstapler und diverses, schweres Abbruchwerkzeug, etwa Winkel-Schleifer und Scharnier-Eisen zum Bearbeiten der Steine.

Am größtenteils vegetarischen Buffet wird die Schlange länger. Getränke werden aus einem Kühlwagen geholt und bestücken eine Bar im langen Flur der ehemaligen Werkshalle. Ein noch ungenutztes DJ-Pult kündigt eine lange Party-Nacht an.

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