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Joachim Bücher mit seinen Nordmann-Tannen aus Wiesbaden-Erbenheim.
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Joachim Bücher mit seinen Nordmann-Tannen aus Wiesbaden-Erbenheim.

Weihnachten

O Tannenbaum!

  • Meike Kolodziejczyk
    VonMeike Kolodziejczyk
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Nachhaltig, regional und frei von Giften sollte er sein. Die einen schlagen ihn selber im Wald, die anderen kaufen ihn im Baumarkt oder an der Straße. Auch und gerade im zweiten Corona-Winter möchten viele Menschen nicht auf einen Christbaum verzichten.

Den Weihnachtsbaum ficht Corona nicht an. Er ist ein saisonales Gewächs, kultiviert allein, um Glanz und Wärme in die dunkle Jahreszeit zu bringen, den Menschen zum Wohlgefallen. Und viele von diesen wünschen sich, dass es auch im zweiten Pandemiewinter noch mehr leuchtet, noch mehr duftet, noch mehr funkelt und glitzert als sonst. Doch zweifelsohne: Früher war mehr Lametta – und kein Corona. Wer mag, kann sich Christbaumkugeln in Virusoptik ins Geäst hängen, Engelchen mit OP-Masken oder – eine erstaunlicherweise auch heuer noch als pfiffig gehandelte Idee aus dem Kreativnetz – Klopapierrollen: Die Lage wird davon zwar nicht besser, aber vielleicht erträglicher.

Erträglich bleiben zumindest die Preise für Weihnachtsbäume, jedenfalls klettern sie im Vergleich zum Vorjahr nicht weiter nach oben. 2020 waren infolge der Krise die Kosten für Anbau, Ernte und Verkauf gestiegen. 2021 sorgen laut „Arbeitskreis Hessischer Weihnachtsbaum“ im Hessischen Waldbesitzerverband zusätzlich höhere Ausgaben für Löhne, Energie und Betriebsmittel für „leichte Preissteigerungen“, speziell im Segment größerer Bäume. Alles in allem aber seien Kosten und Preise stabil, sagt Christian Raupach, Geschäftsführer des in Friedrichsdorf ansässigen Arbeitskreises, dem rund 50 Betriebe in Hessen angehören. Diese hätten 2020 „trotz Corona und ausgefallener Weihnachtsmärkte einen guten Umsatz gemacht“, die Hygiene- und Abstandsregeln beim Verkauf hätten das kaum eingeschränkt. „Das hat voriges Jahr funktioniert, das funktioniert auch dieses Jahr“, ist Raupach zuversichtlich. Am vergangenen Wochenende habe es an den Ständen „schon gebrummt“. Pandemiebedingt nicht geklappt habe es dagegen mit der Wahl einer neuen Weihnachtsbaumkönigin. Hoheit Tanja I., gekürt im Herbst 2020 vom Hessischen Waldbesitzerverband, drehe daher noch eine zweite Runde im Amt.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger liegen die Preise pro Meter zwischen 21 und 27 Euro für Nordmanntannen, Blautannen sind für 12 bis 16 Euro zu haben, Fichten für 9 bis 12 Euro. Das entspricht den Preisen der vorigen Saison. In dieser habe man viele neue Kunden gewinnen können, die die Weihnachtszeit aufgrund von Lockdowns und Kontaktbeschränkungen noch einmal anders zu schätzen gelernt hätten.

„Wir gehen davon aus, dass viele, die 2020 das erste Mal einen Baum gekauft haben, in diesem Jahr Wiederholungstäter sein werden“, sagte Saskia Blümel, Geschäftsführerin des Bundesverbandes, im Oktober der Nachrichtenagentur DPA. Nun im Dezember steht das zweite Weihnachtsfest in der Pandemie vor der Tür. Da soll für viele wenigstens ein Nadelgehölz etwas Grün ins Grau bringen. „Über irgendetwas müssen sich die Menschen ja freuen“, sagt Christian Raupach von Hessens Sektion der Weihnachtsbaumerzeuger.

Mit der Axt im Wald

Einige Forstämter von Hessen Forst bieten auch in diesem Jahr frische Weihnachtsbäume aus dem Wald an, sowohl zum direkten Kauf als auch zum Selberschlagen, natürlich überall unter Beachtung der aktuell geltenden Corona-Regeln mit Maske und Abstand. Die allermeisten Reviere verzichten im zweiten Pandemie-Winter auf weiteres Programm und Bewirtung. Anders als im vergangenen Jahr ist aber bislang keine vorherige Anmeldung erforderlich, ein Blick auf die Homepage von Hessen Forst und das jeweilige Revier ist jedoch allemal ratsam. Die FR hat die Termine in der Region zusammengestellt – und noch ein paar weitere Tipps parat.

Wiesbaden-Chausseehaus
Von Donnerstag, 9. Dezember, bis Donnerstag, 23. Dezember, gibt es von 9 bis 17 Uhr im Hof des Forstamtes Wiesbaden-Chausseehaus, Chausseehaus 20, Fichten, Blaufichten oder Nordmanntannen zum Kauf. Die Revierförsterei Taunusstein hat ihren für Samstag, 18. Dezember, geplanten Weihnachtsbaumverkauf abgesagt. Ebenso fallen die Termine zum Selbersägen in den Revieren Altenstein und Zugmantel aus.

Forstamt Königstein
Das Forstamt Königstein, dessen Reviere sich über einen großen Teil des Taunus erstrecken, bietet wieder mehrere Termine zum Selbersägen von Weihnachtsbäumen an.
In Kelkheim können am Freitag, 10. Dezember, von 13 bis 16 Uhr, sowie am Samstag, 11. Dezember, von 10 bis 16 Uhr, Nordmanntannen geschlagen werden. Treffpunkt ist auf dem Parkplatz Breiter Weg an der B455.
Vom Sandplacken am Feldberg aus geht es am Samstag, 11. Dezember, 10 bis 16 Uhr, in den Wald zum Nordmanntannen-Fällen. Zur gleichen Zeit kann dies auch im Revier Brombach erledigt werden. Treffpunkt ist der Parkplatz am Ponyhof in Schmitten-Seelenberg.
Im Revier Billtalhöhe in Königstein werden am Samstag, 11. Dezember, von 10 bis 16 Uhr, ausgehend vom Parkplatz Landsgraben, Nordmanntannen zum Selbersägen angeboten.
In Schloßborn lassen sich an der Kapellenstraße am Freitag und Samstag, 17. und 18. Dezember, jeweils von 10 bis 16 Uhr, Nordmanntannen schlagen.
Am Samstag, 18. Dezember, 10 bis 16 Uhr, gibt es noch einmal Nordmanntannen im Revier Brombach. Los geht es am Parkplatz am Pferdskopf in Schmitten-Treisberg.
Wer nicht selbst sägen will, kann an verschiedenen Verkaufsstellen frisch geschlagene Bäume aussuchen: Am Waldhaus am Arboretum Main-Taunus in Schwalbach am Samstag, 11. Dezember, 10 bis 15 Uhr, unter 3G-Regelung vor dem Rathaus in Eppstein, Hauptstraße 99, am Samstag, 18. Dezember, 9 bis 13 Uhr, und am Forstamt Königstein, Ölmühlweg 17, von Donnerstag, 16. Dezember, bis Samstag, 18. Dezember, jeweils von 10 bis 15 Uhr.

Forstamt Darmstadt
Garantiert ungespritzte Nordmanntannen und Blaufichten können am Freitag, 17. Dezember, von 11 bis 16 Uhr, und am Samstag, 18. Dezember, von 9 bis 15 Uhr, am Forsthaus Eiserne Hand in Ober-Ramstadt geschlagen werden. Eine Handsäge, Arbeitshandschuhe, ein Zollstock und festes Schuhwerk sollten zur Ausstattung gehören. Das Forstamt weist explizit darauf hin, dass während der ganzen Aktion eine regelkonforme Maske zu tragen ist.

Forstamt Hanau-Wolfgang
Eine Nordmanntanne selbst sägen oder sich einen frisch geernteten Baum aussuchen kann man am Samstag und Sonntag, 18. und 19. Dezember, 10 bis 15 Uhr, am Forstamt Hanau-Wolfgang, Rodenbacher Chaussee 10a. Wer selbst Hand anlegen will, muss eigenes Werkzeug mitbringen. Beide Termine begleitet ein „Event“ mit Glühwein und Produkten aus dem Waldladen.

Eine Liste mit allen Terminen von Hessen Forst im Überblick sowie Informationen zu Preisen und Corona-Regelungen gibt es unter www.hessen-forst.de

Der „Arbeitskreis Hessischer Weihnachtsbaum“ der hessischen Weihnachtsbaumerzeuger mit Sitz in Friedrichsdorf ist an den Hessischen Waldbesitzerverband angebunden. Er bietet auf seiner Website unter dem Reiter „Christbaumfinder“ eine Karte mit Betrieben aus dem ganzen Bundesland, die Bäume aus kontrolliertem Anbau anbieten, etwa in Wiesbaden, Niedernhausen oder Neu-Anspach.

Einen Überblick über lokale Anbieter, sortiert nach Regionen, gibt die Waldschutzorganisation Robin Wood. Ökologisch erzeugte Weihnachtsbäume werden demzufolge an mehr als 70 Verkaufsstellen in Hessen angeboten. Auf www.robinwood.de/schwerpunkte/okologische-weihnachtsbaume ist die aktuelle Liste zu finden. myk

Zu den virusinduzierten Widrigkeiten gesellen sich in puncto Christbaum aber noch die grundsätzlichen Fragen, die sich auch in normalen Jahren stellen: Woher soll sie kommen, die Tanne, die Fichte, die Kiefer, die Douglasie? Aus dem Supermarkt, dem Baumarkt, vom Verkaufsstand an der Straße, aus der Gärtnerei oder direkt aus dem heimischen Forst? Mit der ganzen Familie in den Wald zu stapfen und eigenhändig einen Baum zu fällen, ist nicht nur ein zünftiges Adventszeitabenteuer, sondern auch aus ökologischen Gründen sinnvoll. Wenig sinnvoll erscheint es allerdings, für einen unbehandelten, nachhaltig erzeugten Christbaum 30 Kilometer weit mit dem Auto in die Wildnis zu fahren. Da fällt die Umweltbilanz eher mau aus.

„Die Nachfrage nach regionalen Bäumen ist weiterhin hoch“, sagt Michelle Sundermann, Sprecherin von Hessen Forst. Die Zahlen seien seit drei Jahren etwa gleich. An diesem und am nächsten Adventswochenende bieten verschiedene Reviere wieder Termine zum Christbaumschlagen an. Anders als im Vorjahr, als manche Forstämter eine vorherige Anmeldung für bestimmte Zeitfenster verlangten, können die Menschen einfach kommen. Weil es sich bei Weihnachtsbaumverkäufen formal um Direktvermarktung handelt, die zudem im Freien erfolgt, braucht es keinen Impf-, Genesenen- oder Testnachweis. Im Wald gelten die Vorschriften, die auch für Lebensmittel- oder Baumärkte gelten, das heißt: Maske, Abstand, Hygiene. „Aber“, betont Sundermann, „das sind Momentaufnahmen“. Man wisse schließlich nicht, was noch passiere. „Auf jeden Fall verzichten wir wieder auf ein Rahmenprogramm.“ Also kein Glühwein, kein Kinderpunsch, keine Wildbratwurst.

Die Dürre der Jahre 2018 bis 2020 habe den Weihnachtsbäumen übrigens nicht geschadet, weil sie erst relativ jung seien und noch kein ausgeprägtes Wurzelsystem hätten, erklärt die Sprecherin von Hessen Forst. Zudem habe es in diesem Sommer wieder mehr geregnet. „Damit waren die oberen Bodenschichten gut mit Wasser versorgt.“ Deswegen müsse man kein schlechtes Gewissen haben, sich einen Baum aus dem heimischen Forst zu holen – der auch ansonsten „klare Vorteile“ habe: „die Garantie, dass er nachhaltig und pestizidfrei erwirtschaftet wurde, dazu die kurzen Wege, die er zurückgelegt hat“.

Zu lange Transportstrecken und Gift im Geäst sind die unschönen Nebeneffekte, auf die Naturschutzorganisationen alle Jahre wieder hinweisen. Laut Nabu Hessen stammen die meisten Weihnachtsbäume aus Plantagen, in denen „kräftig gespritzt und gedüngt“ wird. Wer auf toxische Ausdünstungen in der Stube verzichten möchte, sollte darauf achten, zu einem Weihnachtsbaum mit Bio-Siegel zu greifen. Auch Tannen und Fichten von Forstämtern oder zertifizierten Betrieben seien eine „gute Alternative“ – wenn es denn unbedingt ein echter Baum sein muss.

Ein Plastikexemplar ist wohl für die meisten keine Alternative. „Da würde ich eher ganz verzichten“, sagt Sundermann. Der Nabu Hessen rät auf seiner Homepage, einen Christbaum in 2-D zu basteln, mit Ästen, die an einer Juteschnur zusammengebunden an die Wand gepinnt werden können. Andere Vorschläge fürs Echtbaumsubstitut gehen dahin, Zimmerpflanzen mit Kugeln und Kerzen zu zieren. Wer dazu noch ein inbrünstiges „O Yucca-Palm’“ anstimmt, hat die Zeichen dieser Zeit erkannt. Flexibilität ist gefragt, auch zu Weihnachten.

Roter Stern auf der Baumspitze eines geschmückten Weihnachtsbaums in Hanau.
Manche Familien schlagen selbst.

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