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Künstlerin Olga Petrova hat Ideen für die ehemalige Tomin-Videothek an der Berger Straße.

Nordend

Tango in der alten Videothek

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Künstlerin will gläsernen Pavillon an der Berger vorübergehend in einen Kulturraum verwandeln. Zur weiteren Zukunft des Areals äußert sich die Grundstückseigentümerin nicht. Möglich wäre dort ein Neubau mit 21 Wohnungen und Kneipe.

Malkurse, Tangoabende und Konzerte: In der ehemaligen Tomin-Videothek an der Berger Straße tut sich wieder was. Seit Oktober nutzt die Künstlerin Olga Petrova das gläserne Gebäude, das seit 2013 meistens leer steht. Sie möchte den markanten Bau temporär in eine Art offenen Kulturraum verwandeln.

Die Eigentümerin, die Vesterra Wohnen GmbH, hat ihr den Glaspavillon kostenlos zur Verfügung gestellt. „Nur vorübergehend“, sagt die Künstlerin. „Bis es abgerissen wird, nenne ich es Malhaus und nutze es als Atelier.“ Wann die Bagger anrücken, ist offen. Auf Anfrage zur Zukunft der ehemaligen Videothek zwischen Berger Straße und Musikantenweg sagt die Eigentümerin nur „kein Kommentar“. Vesterra hat die Gewerbefläche 2015 von Ardi Goldman übernommen, der das Gebäude nach dem Aus der Videothek gekauft hat.

Zwischenzeitlich haben Geschäfte das Haus auf Zeit genutzt. Vorübergehend wurde dort eine Computerspiel-Konsole beworben, iranische Medienkünstler hatten eine Ausstellung. Zuletzt verkaufte ein Pop-Up-Store Vintage-Möbel.

Laut Bauplanungs- und Bauordnungsrecht darf anstelle des Glashauses ein Neubau mit 21 Wohnungen und eine Schank- und Speisegaststätte entstehen, sagt die Leiterin der Bauaufsicht, Simone Zapke. Derzeit liegt noch keine Baugenehmigung für das Gebäude vor. Auch der Abbruch sei noch nicht bewilligt. Vor Jahren sei jedoch bereits eine Bauvoranfrage positiv beschieden worden.

Für Olga Petrova spielt das keine Rolle. „Ich weiß, dass ich jederzeit wieder rausgehen muss.“ Klare Pläne hat sie keine, dafür aber viele Ideen. Auf einem Zettel im Schaufenster hat sie angekündigt, in dem Glashaus großformatige Bilder malen zu wollen. „Doch vielleicht werden es auch nur kleine“, sagt sie.

Denkbar seien auch Porträts. Dafür möchte sie unter Umständen die Passanten als Modelle gewinnen. „Zunächst werde ich aber wohl Selbstporträts malen.“

Petrova, die 1982 in Kiew in der Ukraine geboren ist, freut sich, dass ihr Menschen im Glaspavillon bei der Arbeit zuschauen können. Wenn es sich ergibt, werde sie die Türen öffnen und kleine Gruppen auch beim Malen anleiten. Ganz im Sinne ihres bisherigen Angebots: Seit einigen Jahren betreibt die Künstlerin die Bornheimer Malstube an der Berger Straße unweit des Merianplatzes, wo sie Kurse für Kinder und Erwachsene anbietet. Einige Schüler unterrichtet sie bereits in der alten Videothek. Ihr Handwerk gelernt hat sie an der Städel-Schule und der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Auch wenn das Malen Petrovas Passion ist, möchte sie es im Glashaus nicht dabei belassen. Freitags will sie dort künftig mit Freunden Tango tanzen. „Wer möchte, kann gerne mittanzen.“ Auch ein erstes Pop-Up-Konzert hat sie organisiert. Am 17. November, 16 Uhr, tritt in der ehemaligen Videothek das Kammerorchester der gemeinnützigen Gesellschaft „Bridges“ auf. In dem Ensemble spielen viele Musiker mit Flucht- und Migrationshintergrund. Der Eintritt ist frei.

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