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Tag der Wohnprojekte in Frankfurt: Gemeinsam wohnen

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Von: Sandra Busch

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Im Projekt „BeTrift“ in Niederrad singen Kinder der Wohngemeinschaft Lieder. monika müller
Im Projekt „BeTrift“ in Niederrad singen Kinder der Wohngemeinschaft Lieder. monika müller © Monika Müller

„BeTrift“ in Niederrad ist eine der Gruppen, die sich beim Tag des offenen Wohnprojekts vorstellt. Ein großes Problem für die Wohnprojekte: der steigende Erbbauzins.

Ein Wort wird von den Bewohnerinnen und Bewohnern unisono genannt, um das Leben im Wohnprojekt „BeTrift“ in der Triftstraße in Frankfurt-Niederrad zu beschreiben: Gemeinschaftsgefühl. Manchmal wird es fast ehrfurchtsvoll den Besucher:innen des 5. Tags des offenen Wohnprojekts zugeflüstert, manchmal ganz schwärmerisch artikuliert. „Das Gemeinschaftsgefühl“, sagt „BeTrift“-Bewohnerin Anja Henningsmeyer im Innenhof des Wohnprojekts, „das ist durch nichts zu ersetzen“.

Das Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen hatte zum Tag des offenen Wohnprojekts eingeladen. Zwölf Gruppen, die gemeinschaftlich wohnen oder dies vorhaben, präsentierten sich am Samstag und wollten in verschiedenen Stadtteilen zeigen, was den Alltag in einem selbst organisierten Wohnprojekt auszeichnet und wie es sich in einem Haus lebt, in dem sich die Bewohner:innen kennen und aufeinander achten. Und das „BeTrift“ ist „das größte Wohnprojekt in Frankfurt“, sagte Dezernent Mike Josef am Samstagmorgen in Niederrad. 40 Kinder und 80 Erwachsene wohnen dort. Sie sind im vergangenen Herbst eingezogen. „Das Projekt kann Mut machen für andere“, sagte Josef. Es gebe Anfragen aus anderen Städten, sich das Projekt anzuschauen. „Es strahlt über die Grenzen hinweg – das kann nicht nur die Eintracht.“

Jahrelang wurde das vierstöckige Gebäude mit 51 Wohnungen der Wohngenossenschaft geplant und gebaut. Die Mieter:innen sind Mitglieder der Genossenschaft, haben einen Betrag eingezahlt, damit das Gebäude entstehen kann, und einen Mietvertrag auf Lebenszeit. Nun leben dort Menschen im Alter von 0 bis 93 Jahren, Kinder spielen im Innenhof, man plaudert in den Laubengängen mit den Nachbar:innen. „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass Architektur so das Miteinander befördern kann“, sagte Henningsmeyer. Aber klar, in so einer Gemeinschaft gibt es auch Konflikte. „Es ist auch ein soziales Experiment“, sagte Henningsmeyer. „Dafür muss man die Bereitschaft mitbringen. Das kostet Energie und Zeit.“

Es wird viel diskutiert in der Gemeinschaft. Ob es eine Wohnung für Geflüchtete geben soll (ja, wird gerade hergerichtet), welche Bäume im Innenhof gepflanzt werden (man wurde sich erst spät einig, deshalb ist noch kein Baum da), und was mit dem Gemeinschaftsraum passieren soll. „Das wird unser nächster Aushandlungsprozess“, sagte Henningsmeyer. Wie weit er etwa für Externe geöffnet werden solle. Da gebe es verschiedene Befindlichkeiten.

30 realisierte Wohnprojekte gibt es in Frankfurt und Umgebung. Das Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen plane nun Patenschaften zwischen bestehenden und neuen Wohnprojekten, sagte Birgit Kasper, die die Koordinations- und Beratungsstelle des Netzwerks leitet. „Man besucht sich gegenseitig, tauscht Erfahrungen aus und bekommt mit: Es ist normal, dass es am Anfang holpert.“

Für das Grundstück muss ein Erbbauzins an die Stadt gezahlt werden. Der Betrag liegt derzeit bei 2,5 Prozent vom Bodenrichtwert. Das Problem: „Die Bodenpreise in Frankfurt steigen und steigen“, sagt Beate Steinbach vom Amt für Wohnungswesen. Das lasse Wohnprojekte scheitern. „Die Leute steigen deswegen aus.“ Und Kasper sagt: „Der Erbbauzins ist der neue Flaschenhals, an dem wir arbeiten müssen.“

Das sieht auch Josef so. Wohnprojekte seien ein fester Bestandteil in der Planungspolitik, „aber die 2,5 Prozent sind für viele nicht mehr stemmbar“. Die Koalition will den Erbbauzins für Wohnprojekte und Genossenschaften, die dauerhaft günstigen Wohnraum schaffen, auf 1,5 Prozent senken. Und ihn flexibler machen. Damit er etwa nicht jährlich, sondern für viele Jahre auf einen Schlag gezahlt werden könnte. Auch soll er an die Miete gekoppelt werden. „Wer eine niedrige Miete hat, hat dann auch einen niedrigen Erbbauzins“, sagt Josef. Baudezernentin Sylvia Weber (SPD) arbeite gerade an einem entsprechenden Vorschlag, der Ende des Jahres vorgelegt werden solle.

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