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Ein Loch mit dem Hohlspaten, hinein mit der jungen Flatterulme: Kinder der Textorschule pflanzen Bäume im Stadtwald.

Tag des Baumes

Kinder pflanzen Flatterulmen im Frankfurter Stadtwald

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Im Stadtwald Frankfurt pflanzen Kinder zum „Tag des Baumes“ Flatterulmen und machen Hoffnung für die Zukunft.

Vor zwei Monaten hatte Frankfurt insgesamt 84 Flatterulmen. Jetzt hat Frankfurt mehr als 100 Flatterulmen. Deutlich mehr. Das liegt an drei Umständen.

Erstens ist die Flatterulme der „Baum des Jahres“, ausgerufen von der Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung, die das seit vielen Jahren tut. Zweitens pflanzt das Grünflächenamt zum „Tag des Baumes“ traditionell eine ganze Menge „Bäume des Jahres“. Und drittens helfen Erst-, Zweit- und Drittklässler aus der Textorschule am Montag kräftig beim Pflanzen im Stadtwald mit. Gut so. Denn wir haben ja gesehen: Wenn es die junge Generation nicht in die Hand nimmt, wird das eh nix mit dem Klimaschutz.

Wer schuld daran sei, dass in letzter Zeit so viele Bäume sterben, fragt Werner Ebert, Frankfurt-Chef der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, in die Runde. „Die Käfer“, sagt ein Textorschüler und liegt damit schon mal nicht schlecht. „Wir Menschen“, sagt eine Textorschülerin: „Weil die Leute so viel Auto fahren.“ Hat sie auch wieder recht.

Die Förster seien jedenfalls nicht schuld, sagt Ebert, denn die hätten nach dem Krieg möglichst schnell ein weggebombtes Viertel des Stadtwalds wieder aufforsten müssen, und da sei es jetzt gemein, ihnen vorzuwerfen, sie hätten angesichts des Klimawandels „die falschen Bäume gepflanzt“.

Ist die Flatterulme der richtige Baum? Schon. „Sie hält Trockenheit besser aus, das hilft ihr im Klimawandel“, erklärt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) den Kindern. Sie braucht aber auch ab und zu Wasser, die Flatterulme, überhaupt alle brauchen Wasser. Wieso? „Weil wir sonst nicht leben können“, sagt eine Textorschülerin. „Weil unser Holz vertrocknet“, sagt ein Textorschüler. Letzte Nacht hat es geregnet, erinnert Stadträtin Heilig, „und wir alle schreien: Juhuu!“ Und in der Tat schreien alle: Juhuu.

„Wir klein doch der Mensch ist“, sinniert SPD-Umweltpolitiker Roger Podstatny und schaut in die Höhe, „wenn er unter einem Baum steht.“ Wald bedeute, langfristig zu denken, ruft er gegen ein Flugzeug an, das über den Stadtwald donnert.

Noch viel kleiner klingen Kinderstimmen, wenn sie zwischen zwei Flugzeugen singen: „Man braucht den kleinen Baum und den großen Baum und den toten Baum“ (auf Französisch!). Wenn sie anschließend singen: „Ich geb den Vögeln ihr Zuhaus, die Bienen fliegen ein und aus. Bis mein letzter Zweig zerbricht, bin ich für alle der Baum des Lebens.“ Und wenn sie sich recken und strecken, wie es der besungene Baum mit Wurzeln und Ästen macht.

Man könnte darob ganz rührselig werden, ginge es nicht sogleich frisch ans Werk. „Ich habe hier einen Hohlspaten“, sagt Peter Rodenfels, Produktionsleiter im Stadtforst, damit gräbt er ein Loch, da kommt die junge Flatterulme rein. „Wir müssen aufpassen, dass die Wurzel gerade ist.“ Erde drauf, fertig. Jetzt die Kinder. Förster schaffen 60 bis 80 pro Stunde, sagt Rodenfels. Kinder nicht. Aber wenn sie heute lernen, was auf dem Spiel steht, geben sie in Zukunft sicher besser darauf acht als wir.

Baum des Jahres

Was kann die Flatterulme, außer mit den Blüten flattern (daher der Name) und Trockenheit eine Weile aushalten? 

Gut stehen kann sie wegen ihrer ausladenden Brettwurzel. 30 bis 40 Meter hoch wachsen. Neun Meter Stammumfang und eine weit ausladende Krone kriegen. Und kleine Nussfrüchte wachsen lassen: kann sie auch.
Ist sie die Lösung unserer Klimaprobleme? Peter Rodenfels vom Stadtforst macht ein skeptisches Gesicht. „Sie hat wertvolles, schönes Holz“, sagt er, „sie ist resistent gegen Käfer. Aber sie ist ein Nischenbaum.“ Kein Massenbaum. Weil sie viel Platz braucht, die Flatterulme. Und den hat Frankfurt nicht.

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