Hanauer Tafel, ein Arbeitsbereich der Stiftung LICHTBLICK, Hanau, Bild x von 15
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Den Tafeln sind nicht mehr so gut aufgestellt wie auf diesem Bild.

Lebensmittel

Tafel in Frankfurt leidet unter Hamsterkäufen wegen Coronavirus

  • vonMark Obert
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Hilfsorganisation in Frankfurt gehen die Lebensmittel aus. Supermärkte sind mit Befüllen der Regale beschäftigt.

So was hat Edith Kleber (72) auch noch nicht erlebt. Seit 23 Jahren ist sie Vorsitzende der Frankfurter Tafel und hält die Lebensmittelversorgung hilfsbedürftiger Menschen wie Langzeitarbeitsloser und mittelloser Rentnern am Leben. Die Corona-Krise bremst aber auch sie und ihre Mitstreiter aus. Es gibt in manchen Märkten keine Lebensmittel mehr, die sie spenden können.

Frau Kleber, allerorten hört man, dass die Tafeln Probleme wegen Hamsterkäufen haben. Auch hier?

Und ob. In den Märkten sieht es für uns richtig zappenduster aus. Zurzeit kommen unsere elf Transporter nur halbvoll zurück.

Woran fehlt es also jetzt den Hilfsbedürftigen?

An fast allem, was wir sonst im Angebot haben. Milchprodukte, Gemüse, Obst. An Backwaren mangelt es noch nicht. Und lang haltende Lebensmittel wie etwa Konserven oder Spaghetti bieten wir ja gar nicht an. Aber wenn jetzt eine Familie mit allenfalls der Hälfte an Obst und Gemüse auskommen muss, trifft die das schon hart.

Liegt das tatsächlich nur an den Hamsterkäufen – also daran, dass Horden von Menschen jetzt allen anderen alles wegschnappen?

Es ist nicht so, dass es keine Ware mehr gäbe. Es hängt aber indirekt mit den Hamsterkäufen zusammen. Die haben nämlich Folgen für das Personal in den Supermärkten. Die Leute dort sind ständig damit beschäftigt, die leergefegten Regale wieder zu füllen. Also haben sie keine Zeit für uns. Wir lassen uns ja die von den Märkten gespendeten Lebensmittel an eine Lieferrampe bringen, wo wir sie dann in unsere Transporter laden.

Können Sie denn nicht selbst in den Markt gehen und die Lebensmittel einpacken?

Das ist ausgeschlossen. Das würden die Märkte nie und nimmer erlauben, und das steht uns auch nicht zu. Wir sind dankbar dafür, dass uns die Märkte unterstützen, da wollen wir denen nicht auch noch im laufenden Betrieb dazwischenfunken.

Was also können Sie stattdessen tun?

Zurzeit sind wir mit den Märkten noch nicht im Gespräch darüber, welche Möglichkeiten es geben könnte. Edeka hat schon mal eine Tütenaktion für die Tafeln gestartet, allerdings ohne frische Waren. Aber immerhin. Leider gibt es nur zwei große Edekas in Frankfurt.

Wie reagieren Ihre Kunden darauf, dass die Rationen so viel kleiner geworden sind?

Die sind natürlich frustriert. Unruhe oder dergleichen erleben wir nicht.

Wie geht’s Ihnen mit der Situation?

Ich verstehe einfach nicht, weshalb die Menschen jetzt Hamsterkäufe machen, ich erkenne die Notwendigkeit nicht. Aber natürlich habe ich einen anderen Blick auf die Sache. Ich sehe als Tafel-Verantwortliche in erster Linie, dass die Märkte damit völlig überfordert sind. Andere Menschen wie zum Beispiel junge Eltern verhalten sich nach ganz anderen Kriterien. Meine Tochter sieht manches auch anders als ich.

Was außer der Lebensmittelversorgung für Ihre Tafel-Kunden ist Ihnen zurzeit wichtig?

Ich wünschte mir, wir könnten die Sache noch einmal ein Level herunterdrehen. Das Vernünftigste wäre doch, alles so zu organisieren, dass an die Gemeinschaft gedacht wird. Aber jetzt scheint es so durcheinander zu sein, dass jeder nur an sich denkt. Gemeinschaftssinn wäre der beste Schutz.

Wie geht’s weiter mit der Tafel?

Schon nächste Woche kann es besser sein – oder noch schlimmer.

Interview: Mark Obert


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