Marjan van den Akker.

Universitätsklinikum

Den Tablettenmix im Blick

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Neue Professorin will Transparenz bei der Medikamentenvergabe herstellen. Zwanzig Millionen schlucken in Deutschland regelmäßig mehrere unterschiedliche Tabletten.

Oft wissen Ärzte nicht, welche Medikamente ihre Patienten nehmen, und nicht selten wüssten Patienten selbst nicht, was sie da alles schlucken, sagte der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums, Ferdinand Gerlach, am Mittwoch. Gerlach stellte die Stiftungsprofessorin Marjan van den Akker vor, die bei einer sogenannten Multimedikamention durch Forschung und Kommunikation mit Ärzten, Patienten und Angehörigen mehr Transparenz herstellen möchte.

Rund 20 Millionen Menschen in Deutschland würden regelmäßig mehrere Medikamente einnehmen, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Barmer Ersatzkasse, Christoph Straub. Die Barmer unterstützt das von dem Datendienstleister Insight Health finanzierte Projekt und ist an einer Veranstaltungsreihe zur Multimorbidität selbst beteiligt.

Die Wechselwirkung verschiedener Medikamente ist noch weitgehend unerforscht. Würden vier oder mehr Medikamente verabreicht, seien die Reaktionen „nicht vorhersehbar“, sagte van den Akker. Dann werde es „wirklich kompliziert“. Andererseits würden viele Ärzte davor zurückschrecken, ihren Patienten Schmerzmittel zu verschreiben – aus Sorge, dass diese besser nicht noch mehr Tabletten einnehmen sollten.

Marjan van den Akker wechselte von der niederländischen Universität Maastricht nach Frankfurt. Schon in Maastrich hat sie sich mit dem Themenkomplex Multimedikation befasst. Am Mittwoch erläuterte sie, was sie in den sechs Jahren vorhat, auf die die Stiftungsprofessur befristet ist. Die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen ist ihr wichtig, um herauszufinden, welche Patientengruppen besonders gefährdet sind. Um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern, möchte van den Akker auch die Angehörigen ansprechen. Und schließlich verspricht sie sich durch die Digitalisierung viel Unterstützung für Ärzte und Apotheken.

Wenn die digitalisierte Patientenakte wie vorgesehen in den nächsten Jahren eingeführt wird, könnte jeder Hausarzt sehen, welche Medikamente etwa auch von den Fachärzten verordnet wurden, ergänzte Gerlach. Er betonte, dass van den Akker „perfekt“ zum Institut für Allgemeinmedizin passe. Dort widme man sich seit längerem der Erforschung chronischer Erkrankungen, begleite klinische Entscheidungsprozesse und arbeite an der Patientensicherheit. Der enge Kontakt zu etwa 400 hausärztlichen Lehr- und Forschungspraxen stelle sicher, dass Erfahrungen aus der Praxis in die Uni gelangen und umgekehrt wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst schnell den Weg zu den niedergelassenen Ärzten finden.

Van den Akker wird auch für das neue „Forum Multimorbidität und Multimedikation“ zuständig sein. Eine erste Veranstaltung im Februar nächsten Jahres wird sich direkt an interessierte Bürgerinnen und Bürger wenden.

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