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Die Reformbewegungen „Maria 2.0“ und „Wir sind Kirche“ verleihen ihren Forderungen vor der Synodalversammlug Ausdruck.
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Die Reformbewegungen „Maria 2.0“ und „Wir sind Kirche“ verleihen ihren Forderungen vor der Synodalversammlug Ausdruck.

Synodaler Weg

Synodaler Weg in Frankfurt: Katholiken auf Reformkurs

  • Helen Schindler
    VonHelen Schindler
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Es geht um Frauen in der Kirche, den Umgang mit Macht, die katholische Sexualmoral und das Zölibat: Von Donnerstag bis Samstag geht der „Synodale Weg“ in die zweite Runde.

Sie müssen sich das vorstellen wie eine Wohnungsauflösung nach einem Todesfall“, sagte Agnes Wuckelt, stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). „Man muss entscheiden: Was kann in den Müll, was behält man?“ Dieses Bild, in dem die Verstorbene die katholische Kirche ist, zeichnete Wuckelt am Donnerstagmittag bei einem Pressegespräch in Frankfurt, zu dem die Reform- und Frauenverbände kfd, Wir sind Kirche, Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB), Maria 2.0 und Homosexuelle und Kirche e. V. geladen hatten. Das Gespräch fand zum Auftakt der zweiten Synodalversammlung statt, die die katholische Kirche vom gestrigen Donnerstag bis zum morgigen Samstag in Frankfurt abhält. Die Katholiken befinden sich in einem Reformprozess, den sie den „Synodalen Weg“ nennen.

Er ist ein im März 2019 beschlossenes Gesprächsformat katholischer Bischöfe und Laien, um nach den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche einen Weg der Umkehr und Erneuerung zu beschreiten. Thematisiert werden Macht und Gewaltenteilung, Sexualität und Partnerschaft, priesterliche Existenz und die Rolle von Frauen in der Kirche. Das entscheidende Gremium ist die Synodalversammlung, die der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, leitet. Die erste Versammlung fand Anfang 2020 in Frankfurt statt, die zweite war wegen der Corona-Pandemie zweimal verschoben worden.

Die 230 Mitglieder der Synodalversammlung hätten in der Zwischenzeit digital in Arbeitsgruppen gearbeitet, sagte Wuckelt, die auch Mitglied der Synodalversammlung ist. Dabei entstanden 160 Seiten starke Papiere, über die in der Synodalversammlung diskutiert und abgestimmt wird. Damit sie weiter bearbeitet werden, müssen sie mit einfacher Mehrheit angenommen werden.

Die Versammlung

Die Synodalversammlung ist das oberste Organ des Synodalen Weges und fasst die Beschlüsse. Ihr gehören die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz, 69 Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter geistlicher Dienste und kirchlicher Ämter, junge Menschen und Einzelpersönlichkeiten an.

Insgesamt umfasst die Synodalversammlung 230 Personen. Ein Drittel der Mitglieder sind Frauen. hsr

Längst nicht alle Katholik:innen sind Befürworter des Synodalen Wegs. So hatte der konservative Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer den Reformer:innen vorgeworfen, sie würden den Missbrauchsskandal für eine Umgestaltung der Kirche instrumentalisieren. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing bezeichnete dies in der Auftaktpressekonferenz am Donnerstag als eine „sehr anmaßende Stellungnahme“ und betonte, eine große Mehrheit stehe hinter dem Synodalen Weg und trage die angestrebte Erneuerung mit.

Die Reformgruppen derweil halten den Synodalen Weg für „dringend notwendig“. „Wir sind an einer Zeitenwende“, sagte Christian Weisner von „Wir sind Kirche“. „Wenn die katholische Kirche nicht in den Relevanzverlust abrutschen will, muss der Synodale Weg erfolgreich sein.“ Er sei dringend notwendig, um die sexuelle Gewalt und deren Vertuschung zu überwinden. Weisner sagte, das Problembewusstsein sei angekommen, forderte aber auch „ganz konkrete“ Ergebnisse, die verbindlich umgesetzt werden müssten, und betonte: „Die Kirche ist zu wichtig, als dass man sie den Klerikern überlassen kann.“

Dorothee Sandherr-Klemp, Geistliche Beirätin des KDFB auf Bundesebene, betonte: „Gleichberechtigung kann Missbrauch verhindern. Das ist keine Frauensache, kein Gedöns, das ist Basis und muss im Interesse aller Geschlechter sein.“ Menschen müssten eingebunden, nicht ausgegrenzt werden.

Besonders deutliche Worte fand Monika Humpert von der Initiative „Maria 2.0“, die gleiche Rechte und gleiche Würde für Frauen fordert. Es bedürfe einer „radikalen strukturellen Veränderung“, damit die katholische Kirche in Zukunft noch relevant sein könne. Nur wenn die Kirche in der Lage sei, ihre „mittelalterliche Gestalt“ so zu reformieren, dass Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen nicht diskriminiert und verurteilt würden, könne die Kirche glaubwürdig sein und der Welt guttun. Humpert lobte zwar, dass sich die Kirche bewege, sagte aber auch: „Das System Kirche hat immer noch viel zu viele Leichen im Keller, die zum Himmel stinken.“ mit dpa

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