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Sam Kamran in seinem Büro an der Hauptwache.

Misch Poké

"Hauptberuflich bin ich Raver"

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Sam Kamran ist Multi-Gastronom: Er betreibt das Café Hauptwache, die Burgerkette Flechter's Burger oder auch die hippe Pizzeria Montana im Bahnhofsviertel.

Ich arbeite nicht so viel. Ich bin gut im Entscheidungen-Treffen, und es gibt nichts, was man nicht in zehn Sekunden auf Whatsapp klären kann“, sagt Sam Kamran und lacht. Er meint es ernst. Der Frankfurter Multi-Gastronom habe nur einen festen Termin die Woche, und das sei, um seinen Bart trimmen zu lassen. Sein Schreibtisch ist voller Briefe. Er sitzt in seinem Büro mit Blick auf das Café Hauptwache, nur eine der Lokalitäten, die der 39-Jährige betreibt.

Außerdem in seinen Händen sind die sechs Filialen der Kette Fletcher’s Better Burger in Frankfurt, eine in Offenbach, die hippe Pizzeria Montana im Bahnhofsviertel und die Event-Location Mantis Roofgarden an der Hauptwache. Ab Montag nun bietet Kamran bei Fletcher’s in Bockenheim (Ohmstraße 57) den Food-Trend Poké Bowl unter dem Namen Misch Poké an.

„Frankfurt ist da noch sehr hinterher zu meinem Glück“, sagt er; „das gesunde wie leckere Gericht kommt aus Hawaii und ist dort roher Fisch mariniert auf Sushi-Reis in der Schüssel. Das ist aber mittlerweile weiterentwickelt worden. Mit dazu kommen Mango oder Ananas, diverse Gemüsesorten und on top etwas Mayonnaise-Soße, in die man sich reinsetzen kann.“ Auch vegane Varianten soll es geben. In allen Fletcher’s-Burger-Läden – außer an der Hauptwache – wird nach und nach Misch Poké angeboten. Ein „Misch-Poké“-Laden eröffnet bald neben Fletcher’s in der Münchener Straße.

Still rumsitzen ist seine Sache nicht

Irgendwo still sitzenbleiben, das ist nicht Kamrans Ding. Sein Blick wandert auch beim Interview immer in alle Richtungen. Aufgewachsen ist er in Hamburg, Frankreich, den USA und Belgien. Dass der Sohn eines Iraners und einer Hamburgerin mal in der Gastrowelt landen würde, war nicht abzusehen: „Meine Mutter ist Lehrerin, mein Vater Arzt. Fünf Jahre lang haben sie nicht mit mir gesprochen, weil ich mit 17 meine Abi-Prüfung an der europäischen Schule in Brüssel geschmissen habe. Denn ich bin nach Frankfurt gekommen, um an der Börse reich zu werden.“ Er lacht. Zunächst arbeitete er für eine wenig seriöse Firma, bei der er wie im Hollywoodfilm „Wolf of Wall Street“ Wertpapiere am Telefon verkaufte. Später machte er eine Ausbildung als Groß-und Außenhandelskaufmann und schloss mit der Note 1 ab.

Parallel verliebte er sich in die Ausgehwelt. Er lieh sich 20 000 D-Mark von seiner damaligen Freundin, die als Kellnerin gearbeitet hatte, und eröffnete so seine erste Kneipe: Jumalis Bar in Sachsenhausen. „Ich war damals betrunkener als alle meine Gäste zusammen.“ Auf seinem Smartphone zeigt er ein Bild von 1998: Bis vor die Tür standen die Leute. Bis 2001 stand er selbst an der Theke und hatte daneben zwei weitere Lokale.

2002 kam die Stadt auf ihn zu und fragte ihn, ob er nicht das Café Hauptwache übernehmen möchte. „Meine erste Reaktion war: ‚Habt ihr noch alle Tassen im Schrank, einen Partygastronomen zu fragen, dieses altehrwürdige Gebäude zu übernehmen?‘“ Schließlich habe er Ja gesagt und 1,5 Millionen Euro in den Umbau investiert. „Ich musste erstmal durch das Tal der Tränen. Ich hatte plötzlich 50 feste Mitarbeiter und musste das als 23-Jähriger erstmal in den Griff kriegen.“ Zudem sei es zunächst schwer gewesen, das Publikum an den Wandel des klassischen Cafés an der Hauptwache in eine Gaststätte zu gewöhnen.

„2003 war ich pleite und musste meine anderen drei Läden verkaufen, um zu überleben.“ Das Kronberger Steuerberatungsbüro Fritsch Consult sei als Partner zu seiner Rettung dazugekommen. Auch das Mantis Roofgarden lief erst gut, nachdem er es vom Club zur Event-Location machte. Jüngst versuchte Kamran, „bessere“ Hot Dogs am Oeder Weg zu verkaufen: „Ein Superflop.“ Nach drei Wochen machte er wieder zu. „Ich ertrage keine Schmerzen.“

Fast jeden Samstag fliegt er zum Feiern mit seiner Frau nach Berlin, London oder Ibiza. Sven Väth war sein Trauzeuge. „Hauptberuflich bin ich Raver. Gastronom bin ich bloß, um das zu finanzieren.“ Er lacht los.

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