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Lederoutfits sind Suzi Quatros Markenzeichen. Manche hängen in Museen.

Suzi Quatro

„Mein Geheimnis ist, dass mir mein Alter ehrlich gesagt scheißegal ist“

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Rock-Ikone Suzi Quatro singt beim „Women of the World“-Festival in der Frankfurter Alten Oper. Vorab erzählt die 68-Jährige im Interview, warum sie ihrem Idol Elvis Presley einen Korb gab und warum jeder einen Ego-Raum haben sollte.

Rock-Ikone Suzi Quatro ruft überpünktlich zum Interview aus ihrem Zuhause in England an. „Hi, this is Susan“, sagt die 68-Jährige ganz unprätentiös. Überhaupt wirkt sie wenig Diva. Bis heute laufen ihre Hits aus den 1970ern wie „Can The Can“, oder „Stumblin‘ In“ mit Chris Norman im Radio. Die Sängerin und Bassistin kommt mit alten Hits wie neuen Songs auf Deutschlandtour und tritt am Donnerstag um 18 Uhr in der Frankfurter Alten Oper beim W-Festival auf. „Ich werde auch Klavier- und Schlagzeug in den zweieinhalb Stunden spielen“, sagt sie.

Ich muss nur eben mein Aufnahmegerät einschalten, Frau Quatro. Sie können mir aber gerne in der Zwischenzeit ein Lied singen. Keine Sorge, ich mache nur Spaß…
Das werde ich wirklich sehr oft in meinem Privatleben gefragt. Der schlimmste Moment ist, wenn ich bei Freunden auf eine Party eingeladen bin und sie unbedingt wollen, dass ich etwas singe. Ich antworte dann immer: „Ich bin nicht hier als Suzi Quatro, die Sängerin, sondern als Suzi, deine Freundin.“ Das wäre, als wenn man einen Chirurgen auf eine Party einlädt und ihm sagen würde: „Könntest du bitte eine Operation live durchführen?“ (lacht)

Sie sind jetzt im Showbusiness seit 55 Jahren. Trotzdem müssen Sie immer wieder erklären, dass Quatro kein Künstlername ist. Wie anstrengend ist das?
Das nervt sehr. Susan Kay Quatro ist mein Geburtsname. Mein Großvater war Italiener. Sein Name war Michele Quatrocchio. Als er in die USA einwanderte, war den Beamten der Name anscheinend zu kompliziert, also kürzten sie den Namen zu Quatro. Ich erinnere mich, als ich am Anfang meiner Karriere war, sagte ich: „Ich brauche unbedingt einen Künstlernamen.“ Mein Produzent schaute mich bloß an und sagte: „Bist du verrückt? Suzi Quatro ist der beste Künstlernamen, den ich je in meinen Leben gehört habe.“

Was war eigentlich die schlauste Entscheidung, die Sie in Ihrer Karriere getroffen haben?
Die wichtigste war, als ich noch in meinem Geburtsland USA lebte und mit meinen beiden älteren Schwestern und zwei anderen Mädchen Teil der Band Pleasure Seekers war. Da wurde ich nach einem unserer Auftritte innerhalb von einer Woche von einem englischen sowie auch von einem amerikanischen Label angesprochen. Beide wollten mich als Solokünstlerin. Die amerikanische Plattenfirma wollte mich zur nächsten Janis Joplin machen. Der britische bekannte Musikproduzent Mickie Most hingegen sagte: „Ich nehme dich mit nach England und werde aus dir die erste Suzi Quatro machen.“ Da war meine Entscheidung gefallen.

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Sie sollen ein Ego-Zimmer in Ihrem Haus in Essex haben. Wie kann man sich den vorstellen?
Ich lebe in einem sehr alten Haus und man muss viele Treppen nach unten laufen, um in mein Ego-Zimmer zu gelangen. Der Raum ist voll mit meinen Goldenen Schallplatten, Postern, Bühnenpässen, alten Musikvideos und CDs. Aber auch Gitarren und ein paar meiner alten Leder-Jumpsuits habe ich hier aufbewahrt. Also eigentlich alles, was Teil meiner Karriere war. Hier kann man reinkommen, Spaß haben, in dem man sich die alten Musikvideos anschaut oder in Bilderalben blättert. Das Wichtigste ist, ich gehe wieder raus und mache die Tür zu. Denn: Man sollte sein Ego in dem Raum zurücklassen. Das ist meine Methode, um nicht abzuheben. Ich bin stolz auf das, was ich gemacht habe, aber ich bin keine Diva. Jeder Mensch sollte ein Ego-Zimmer haben. Egal, was man beruflich macht. Alles, auf, was du stolz bist, solltest du dort aufbewahren. Ein Ego-Zimmer rückt alles in die richtige Perspektive.

Am Donnerstag treten Sie beim „Women of The World“-Festival, auf. Sie waren die erste weibliche Bass-Spielerin, die als Rockstar erfolgreich war. Hatten Sie jemals das Gefühl, dass Sie sich als Frau im Rock’n’Roll-Business härter durchbeißen mussten als Ihre männliche Kollegen?
Nein, ich hatte das große Glück, dass mein Vater auch Musiker war. Er hat mich so erzogen, dass ich nie dachte: „Hey krass, ich bin eine Frau, die Bass spielt.“ I don’t do gender. Ich halte nichts von diesem Gender-Ding. Ich habe mich nie als weiblichen Musiker, sondern einfach als Musiker gesehen. Ich glaube, genau dieses Selbstvertrauen ist auch der Grund, warum ich die erste Bass-Spielerin war, die Erfolg hatte. Ich habe es nie als schwierig empfunden, mich zu behaupten. Ich hatte immer die Kontrolle, auch über die Männer, ohne aber dabei meine Weiblichkeit abzugeben. Ich sehe junge Frauen, die sich betont tough geben und männlich kleiden. Aber das ist gar nicht nötig. Die Stärke muss von innen heraus kommen.

Wie kamen Sie zur Bassgitarre?
Ein Zufall. Als Mädchen fing ich an mit Bongo-Trommeln, dann nahm ich klassischen Klavierunterricht, in der Schulband spielte ich Schlagzeug. Als ich mit 14 in meiner ersten Band war, haben sich alle ein Instrument ausgesucht. Ich aber habe nicht schnell genug reagiert und meine Schwester Patty sagte: „Du spielst jetzt Bassgitarre.“ Und ich sagte: „Okay, warum nicht?“ Sobald ich anfing zu spielen, fühlte es sich an, als ob ich zu Hause angekommen bin.

Mit Ihrem Sohn Richard haben Sie an Ihrem aktuellen Album „No control“ gearbeitet. Warum dieser Titel?
Das ist das erste Mal, dass niemand außer mir die Kontrolle im Studio hatte. Normalerweise ist da immer noch ein Produzent dabei, der Dinge sagt wie: „Probiere es doch mal mit dem Beat.“ Diesmal hat mir niemand reingequatscht. Ich habe einfach das gemacht, was ich für richtig hielt. Das war einfach fantastisch.

Mit dem Album haben Sie in Deutschland auch nach Ihren zahlreichen Erfolgen in den 1970ern zum ersten Mal wieder eine Chartplatzierung erzielt…
Yes! Das war total unerwartet. Selbst die Kritiker sind voll des Lobes. Solche begeisterte Kritiker hatte ich in all den 55 Jahren meiner Karriere noch nicht.

Mit sechs Jahren wussten Sie schon, dass Sie Rockstar werden. Erinnern Sie sich an diesen Moment?
Ich schaute mit meiner Familie die Ed Sullivan Show. Meine Schwester war neun und fing plötzlich an zu schreien. Ich war erst sechs Jahre alt und schaute sie an und fragte: „Warum schreist du jetzt bitte?“ Ich konnte das nicht verstehen. Ich schaute auf den Fernseher und war total fasziniert von Elvis Presleys Performance. Und ich wusste „Das ist es, was ich später machen werde.“ Das klingt verrückt, aber ich wusste es einfach.

Und dann viele Jahre später meldete sich Elvis bei Ihnen…
Es war 1974 und ich war auf meiner ersten Solo-Tour zurück in den USA. An dem Tag waren wir in Memphis. Da klingelte das Telefon in meinem Hotelzimmer und Elvis war dran. Ich dachte, ich muss sterben, so aufgeregt war ich. Und er sagte zu mir: „Ich habe deine Version meines Songs „All Shook Up“ gehört. Magst du nicht mal nach Graceland kommen?“ Ich war nicht nervös, aber ich fühlte mich einfach noch nicht bereit, ihn zu treffen. Ich hatte das Gefühl ich müsste erst ein paar mehr Hits haben. Ich sagte zu Elvis: „Es tut mir leid, aber ich bin gerade zu beschäftigt.“

Wie sehr haben Sie das bereut? Drei Jahre später starb er…
Gar nicht. Denn ich glaube, dass bestimmte Dinge aus einem bestimmten Grund passieren. Ich habe nach seinem Tod das Lied „Singing with Angels“ für ihn geschrieben. Wenn ich ihn persönlich kennengelernt hätte, hätte ich nie dieses Lied geschrieben. Das Gefühl, wenn ich ihn getroffen hätte, wäre einfach ein anderes gewesen…

Elvis‘ Leder-Outfit in seiner Comeback-Show von 1968 war Ihr Vorbild für Ihre schwarzen Leder-Outfits. Tragen Sie die alten oder gibt es ständig neue?
Ich hatte unzählige über die Jahre. Sie halten maximal zwei Jahre. Sie werden sehr nass und das Material löst sich irgendwann auf. Ein paar alte habe ich in meinem Ego-Zimmer, manche sind auch in Museen. Ein Fan schenkte mir zur Geburt meiner Tochter eine Baby-Lederjacke. Das passte super, denn meine Tochter ist mit diesen schwarzen Haaren geboren, die lustig abstanden, so dass sie aussah wie ein Punk. (lacht)

Nächstes Jahr werden Sie 70 Jahre alt. Wie fühlt sich das für Sie an?
Ist das nicht toll? Ich kann es gar nicht glauben, dass ich so alt sein werde. I don’t do gender, I don’t do age. Also weder das Gender-Ding noch das Alters-Ding ist mein Thema. Leute fragen mich immer, was mein Geheimnis sei. Mein Geheimnis ist, dass mir mein Alter ehrlich gesagt scheißegal ist. Ich fühle mich auch noch fit, sehe gut aus und die Leute wollen mich noch auf der Bühne sehen. Also alles gut. Ich verstehe nicht, warum Leute sich Sorgen ums Altern machen, das ist doch ein natürlicher Prozess, den man nicht ändern kann. Was für eine emotionale Verschwendung!

Interview: Kathrin Rosendorff

Zur Person

Suzi Quatro wird am 3. Juni 1950 in Detroit, USA, geboren. Dort wächst sie mit drei Geschwistern auf. Mit ihren zwei Schwestern gründet sie in den 60ern die Rockband Pleasure Seekers.

Ihre Solokarriere startet sie 1971 in England als Sängerin und Bassistin. Mit Hits wie „Can The Can“, „48 Crash“, „If You Can’t Give Me Love“ wird sie zur weiblichen Rock-Ikone. Auch spielt sie in TV-Serien und Musicals.

Aus erster Ehe hat Quatro zwei Kinder. Ihr zweiter Mann ist der Deutsche Rainer Haas . Sie hat ein Haus in England, ihr Mann eins in Hamburg. Sie besuchen sich gegenseitig. Sie tritt am 30. Mai in der Frankfurter Alten Oper auf. Alles Weitere und Informationen zum Ticketkauf gibt es auf der Festival-Homepage.

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