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Hündin Tilly macht die Prüfung zur Trümmersuchhundin.

Mantrailing

Mit der Supernase Vermisste finden

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Mantrailing, das Aufspüren von Vermissten durch Hunde, war in Deutschland jahrelang verpönt. Inzwischen bildet die Frankfurter Rettungshundestaffel Mantrailer und Trümmersuchhunde aus.

Tick hält die Nase in den Wind und schnuppert aufgeregt. Die Schäferhündin steht im Schneeregen an der Ecke Marbachweg/Gießener Straße und sucht eine Spur. „Das ist eine schwierige Kreuzung“, sagt Christian Barthelmes. Hier fährt die U-Bahn, und es ist viel Verkehr. Da kann eine Spur schon mal verloren gehen.

Zwölf Stunden zuvor war der Fachgruppenleiter der Frankfurter Rettungshundestaffel gemeinsam mit Gunter Renner eine Strecke durch Preungesheim abgelaufen. Jetzt wird Renner vermisst. Also nicht wirklich, aber für die Eignungsprüfung zum Mantrailer: Tick muss den Vermissten nun finden, wenn sie gemeinsam mit Frauchen Harmke Horst die Prüfung bestehen will.

Dafür muss die siebenjährige Hündin schier Unglaubliches leisten. Sie bekommt aus einer Tüte einen Geruchsstoff von Renner unter die Schnauze gehalten und soll nun herausfinden, wo der Mann am Freitagabend langgegangen ist. Mantrailing war in Deutschland jahrelang verpönt. „In den USA und England bekommt die Arbeit solcher Suchhunde mehr Anerkennung“, weiß Barthelmes. Doch mittlerweile werden die Suchhunde mit den Supernasen auch bei uns häufiger eingesetzt. Deshalb sucht die Rettungshundestaffel der Feuerwehr nun einen dritten Hund.

Tick hat wieder eine Witterung aufgenommen und zieht an der Leine. In der Straße „An den Drei Steinen“ biegt die Hündin in die Hochschildstraße ab, bleibt nach zehn Metern stehen, hebt den Kopf und schaut Frauchen an. Hundeführerin Horst zieht Tick zurück in die andere Straße. Barthelmes ist ganz begeistert: „So geht Mantrailing“. Der Hundeführer müsse erkennen, wenn der Hund die Spur verloren hat.

Drei Jahre lang hat Horst mit ihrer Hündin mehrmals die Woche trainiert. Nicht nur der Hund, auch der Führer muss geeignet sein. „Es gibt so viel zu lernen“, sagt Horst. Tick schnüffelt sich jetzt durch die Homburger Landstraße. An der Bushaltestelle Weilbrunnstraße sitzt Renner. Tick setzt sich ganz ruhig davor und schaut Frauchen erwartungsfroh an. Zur Belohnung für den Fund gibt es ein Würstchen. Doch bis Tick die Prüfung bestanden hat, muss sie noch vier weitere Spuren finden.

Auch am Sonntag prüft die Rettungshundestaffel wieder. Diesmal sind Flächensuchhunde gefragt. Es gilt nicht, einer bestimmten Spur zu folgen, sondern vermisste Personen in einem Waldstück an der Flughafenstraße zu erschnuppern. Labradormischling Tilly ist schon sehr erfahren und bellt lang und voller Freude, als sie den FR-Redakteur gefunden hat.

Zur Belohnung gibt es von Frauchen Gisela Wittmer ein Stück rohen Rinderbraten. Prüfling Bailey hingegen bellt nach dem Fund einer vermissten Person nicht. Prüfer Lothar Sinner ist nur mäßig begeistert. Bestanden hat Bailey trotzdem und darf nun für die Feuerwehr rein dienstlich schnüffeln.
Interessierte Hundebesitzer können zum Schnuppertraining vorbeikommen: www.rhs-ffm.de .

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