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Markus Frank ist Dezernent für Wirtschaft und die Wochenmärkte, für Sport, für Sicherheit und die Feuerwehr. 

Frankfurter Römer

Der Super-Dezernent zieht Bilanz

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Niemand im Römer hat so viele Zuständigkeiten wie der vor zehn Jahren gewählte Markus Frank. Doch längst nicht alles gelang dem Stadtrat.

Es sind keine einfachen Zeiten für Markus Frank. Der CDU-Politiker ist nämlich nicht nur Dezernent für Wirtschaft und die Wochenmärkte, für Sport, für Sicherheit und die Feuerwehr. Er ist auch Eigentümer einer Tankstelle in Sindlingen. Und die wurde am vergangenen Wochenende überfallen. Der Täter bedrohte Franks Angestellten mit einer Schusswaffe, er erbeutete Geld und Zigaretten und flüchtete unerkannt. „Für die Mitarbeiter ist das schon sehr belastend“, sagt Frank.

Immerhin hat der 50-Jährige in diesen Tagen etwas zu feiern. Vor zehn Jahren wurde Frank im Römer befördert. Vom CDU-Fraktionschef zum Stadtrat. Da ist es Zeit für eine Bilanz. Und diese fällt umfassend aus. Das Pressepapier besteht aus sieben Seiten, das Gespräch mit den Journalisten dauert anderthalb Stunden.

Wirtschaft, Sport, Sicherheit – jedes Ressort alleine sei groß und wichtig genug für ein eigenständiges Dezernat mit einem eigenen Stadtrat oder einer eigenen Stadträtin, sagt Frank. Zur Wahrheit gehört aber: Der Christdemokrat hat viel dafür getan, dass ihm keine Zuständigkeit weggenommen wird und er eine Art Super-Dezernent im Römer bleibt. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) etwa, mit dem Frank besser klarkommt, als zu vermuten wäre, wollte nach seiner Wahl 2012 eigentlich das Wirtschaftsressort übernehmen. Frank traf sich mit Feldmann, legte ihm dar, wie viele Termine er dann zusätzlich zu seinen Aufgaben als OB wahrnehmen müsse – und das Thema war vom Tisch.

Oder vor sechs Jahren, als Jan Schneider (CDU) neu in den Magistrat kam. Die kommunalpolitischen Beobachter waren sich sicher, der Jurist Schneider würde das Ordnungsdezernat bekommen. Aber Frank blieb, Schneider erhielt zunächst eine seltsame Zuständigkeit für Reformprojekte.

Wenn ein Politiker Bilanz zieht, fällt diese naturgemäß positiv aus. Und Frank präsentiert einige Zahlen, die in der Tat für ihn und seine Arbeit sprechen. Etwa im Ressort Wirtschaft: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Frankfurt stieg während seiner Amtszeit von 480.000 auf 595.000, die Gewerbesteuereinnahmen verdoppelten sich auf zwei Milliarden Euro pro Jahr. Oder beim Sport: 2009 waren 153.000 Menschen Mitglied in einem Verein. Mittlerweile liegt die Zahl bei 240.000. Und im Dezernat Sicherheit: Nur 17 Prozent der Frankfurter haben laut der jüngsten Bürgerumfrage Angst, Opfer eines Verbrechens zu werden. Weniger waren es nie.

Doch es ist keine reine Erfolgsbilanz, die Frank vorweisen kann. Zumindest auf Nachfrage redet er auch über Projekte, bei denen er gescheitert ist. Mehrfach verlor die Stadt etwa Prozesse um die Ladenöffnung an Sonntagen. Frank hofft nun auf die schwarz-grüne Landesregierung, die sich im Koalitionsvertrag auf vier verkaufsoffene Sonntage geeinigt habe.

Völlig unterschätzt hatte Frank den Widerstand des Rennklubs gegen den Bau der DFB-Akademie. In der Tat habe ihn die juristische Ausdauer der Freunde des Turfs überrascht, sagt er. Dann kam der OB-Wahlkampf 2018, den die CDU-Kandidatin Bernadette Weyland vor allem auf seinem Rücken austrug. Immer wieder prangerte sie die Zustände im Bahnhofsviertel an. Frank erschien wie der Softie der Frankfurter CDU, „aber man kann dort nicht nur mit Dampfreinigern und Hundertschaften der Polizei arbeiten“. Dazu der Wegzug der Fleischfabrik Brandenburg nach Erlensee, die immer neuen Schwierigkeiten bei der Planung der Multifunktionsarena und aktuell der Streit über die Schutzzonen vor der Beratungsstelle von Pro Familia, die Frank trotz eines Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung nicht umsetzt – was ihm vor allem Kritik von den Grünen einbringt.

„In der Politik“, sagt Frank, „ist es oft wie im Handwerk: Wenn Sie eine ganz feste Schraube lösen wollen, dürfen Sie nicht wie wild daran ziehen, sonst bricht sie entzwei. Sie müssen langsam und behutsam vorgehen.“

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