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Das Frankfurter Universitätsklinikum.

Frankfurter Universitätsklinikum

Suizid verhindern

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Das Frankfurter Universitätsklinikum startet ein Programm zur Vorbeugung von Selbstmorden. Ziel ist es, die Suizidrate im Raum Frankfurt um ein Drittel zu senken.

In Frankfurt nehmen sich jedes Jahr etwa 90 Menschen das Leben - darüber hinaus gibt es jährlich rund 1800 Suizidversuche in der Mainmetropole. „Obwohl es durchaus Präventionsmaßnahmen gibt, tun wir zu wenig, um das zu verhindern“, sagte Andreas Reif. Der Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Frankfurter Universitätsklinikum leitet das „Projekt zur Prävention von Suiziden mittels evidenzbasierter Maßnahmen“ (Frappe), das gestern bei einer Pressekonferenz vorgestellt wurde.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Gesundheit mit 783 000 Euro gefördert und ist am Universitätsklinikum in Frankfurt angesiedelt. In den nächsten drei Jahren sollen hier Maßnahmen erarbeitet werden, die gefährdete Menschen von der Selbsttötung abhalten. „Unser Ziel ist es, die Suizidrate im Raum Frankfurt um ein Drittel zu senken“, sagte Reif. Um das zu erreichen, entwickeln die Mediziner des Universitätsklinikums ein vielfältiges Präventions- und Aufklärungsprogramm.

So wird beispielsweise eine Telefonnummer eingerichtet, an die sich gefährdete Menschen Tag und Nacht wenden können. Darüber hinaus sollen Hausärzte im Rahmen des Projekts dazu ausgebildet werden, suizidale Gedanken, insbesondere bei depressiven Menschen, zu erkennen. „Rund 50 Prozent der Menschen, die einen Suizidversuch begehen, waren im Monat davor bei ihrem Hausarzt“, sagte Ferdinand Gerlach, der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität in Frankfurt. Hausärzte nähmen deshalb eine Schlüsselrolle bei der Verhinderung von Suiziden ein, erklärte er.

Neben der Prävention steht Aufklärung im Vordergrund des Projekts. „Suizid ist immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema“, sagte Reif. Dem werde durch eine Öffentlichkeitskampagne entgegengewirkt. Man wolle Menschen mit Suizidgedanken dazu ermutigen, sich Hilfe zu suchen, sagte Reif. Unterstützt wird „Frappe“ dabei auch vom Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt, das sich mit verschiedenen Flyern und einer Website an der Öffentlichkeitsarbeit beteiligt. Außerdem wolle das Amt die Vernetzung mit dem „Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention“ (Frans) vorantreiben. „Die Verhinderung von Suiziden ist eine kommunalpolitische Aufgabe“, sagte Christiane Schlang vom Gesundheitsamt.

Nach drei Jahren wird „Frappe“ ausgewertet. Sollte es erfolgreich sein, hofft Reif darauf, dass die Stadt das Programm weiterfinanziert: „Wenn die Suizidrate zurückgeht, kann das als Auftrag an die Politik interpretiert werden“, sagte er.

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