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Fledermäuse müssen immer schon gegen ihren schlechten Ruf kämpfen.

Fledermäuse

Das Image verbessert

Der Fledermausbestand ist trotz des verbesserten Image aber noch immer bedroht.

Von Lisa Bergmann

In heidnischen Religionen wurden sie verehrt, das Christentum verteufelte sie: Fledermäuse polarisierten immer schon. „Für die Menschen damals hatten die Tiere unfassbare Fähigkeiten, das musste man sich irgendwie erklären“, sagt Dirk Diehl vom Verein Fledermausschutz Südhessen.
Und so entstanden Geschichten und Vorurteile, von denen sich einige bis heute gehalten haben. Etwa, dass die Tiere gerne mal in die Haare fliegen. Was natürlich nicht stimmt. Auch die „Maus“ im Namen sorgt für Befürchtungen. Manche glauben, Fledermäuse würden Gebäude anknabbern und beschädigen. Ein Mythos: „Das sind allenfalls Einzelfälle bei sehr leichten Materialien“, sagt Diehl.

Ihr Image hat sich aber offenbar in den letzten zwanzig oder dreißig Jahren verbessert: „Viele Leute haben mittlerweile verstanden, dass Fledermäuse keine Gefahr sind“, sagt Diehl. Er spricht von einer „Grundsympathie“ für die Tiere. Dazu hätten auch die Fledermausnächte ihren Teil beigetragen. „Sie sind ein Puzzlestein der vielen Maßnahmen, die die Bevölkerung über Fledermäuse aufklären soll.“ Sympathie ist also da, vom Aussterben bedroht sind die Flattermänner aber immer noch.

In Deutschland sind 29 Arten bekannt, alle stehen auf der roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten. In Hessen sind eigentlich 21 Arten heimisch, die Große Hufeisennase und die Wimperfledermaus sind hier aber bereits ausgestorben. Und die verbleibenden 19 Arten sind einer Reihe an Bedrohungen ausgesetzt. Die zahlreichen Windkraftanlagen im Land zum Beispiel können ein Todbringer sein. „Wir schätzen, dass pro Anlage und Jahr etwa 10 Tiere sterben“, sagt Diehl. „Hochgerechnet auf die bis zu 25 000 Anlagen in ganz Deutschland ist das schon ein großer Verlust für die Populationen.“

Auch unsere Häuser sind Gefahrenquellen, neuerdings vor allem wegen der energetisch gedämmten Fassaden. Da blieben nur noch wenige Verstecke für die Fledermäuse übrig, bemängeln Experten. Und so eine Fledermaus zieht mehrmals im Jahr um. „Einige Arten brauchen verschiedene Quartiere – etwa für den Winterschlaf oder die Brutpflege. Manche Arten leben den Sommer über sogar geschlechtergetrennt“, sagt Diehl. Bei immer knapper werdendem Wohnraum werde die Suche nach geeigneten Plätzen für die Tiere zunehmend zum Problem.

Außerdem seien viele Häuser noch immer mit Chemikalien belastet. Wer vor 20 oder 30 Jahren sein Haus gegen Holzwürmer behandeln ließ, müsse davon ausgehen, dass sich manche der Stoffe noch immer im Gebälk halten. Mit tödlichen Folgen für die Tiere: „Die Chemikalien werden zum Beispiel auf überhitzten Dachböden zu Gasen, die den Tod der Fledermäuse zur Folge haben können“, stellt Diehl fest.

Um das Aussterben weiterer Arten zu verhindern, bleibt also noch viel zu tun. Dabei sind die Tiere durchaus nützlich, auch für den Menschen. Sie ernähren sich überwiegend von Insekten, ein natürlicher Feind von Schnake und Co also. Außerdem gilt die Ansiedlung von Fledermäusen als Zeichen guter Umweltbedingungen. Davon profitiert auch der Mensch.

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