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Die Hauptnahrung der nachtaktiven Fledermäuse sind Insekten.

Fledermäuse

Auf der Suche nach Ultraschall

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Nachts im Wald spitzt man die Ohren. Die Biologin Sabine Steghaus-Kovac macht regelmäßig Fledermaus-Touren.

Es ist Nacht, der warme Tag beendet. Der Mond zeigt sich in seiner ganzen Pracht. Rund und maximal hell leuchtet das Himmelsobjekt. Der Wald, östlich von Frankfurts Innenstadt gelegen, hat am vergangenen Samstagabend viele Kinder und Eltern zu Gast. Die Waldbesucher haben einen Kreis gebildet und wenden sich einer Frau zu. Sabine Steghaus-Kovac hat den Auftrag, die Gruppe durch den Wald zu führen, ihr etwas zu den hier lebenden Fledermäusen zu erzählen. Sie trägt Schwarz, und auf ihrem Shirt sind Fledermaus-Motive abgebildet.

In ihren Händen hält sie ein Gerät, das sie „Bat-Detektor“ nennt. Sie erklärt den Zuhörern und Zuhörerinnen, dass diese elektronische Maschine die Gespräche, die Töne von Fledermäusen erfasst, transkribiert und dadurch hörbar macht. Für das menschliche Gehör seien die Ultraschalllaute der fliegenden Säugetiere nämlich nicht zu hören. Gebannt schauen die Kinder auf das taschenrechnergroße Gerät. „Mit Hilfe des Ultraschalls scannen die Fledermäuse ihre Umgebung. In den Köpfen entsteht dann ein Echolotbild von ihrer Beute“, sagt Steghaus-Kovac. Sie weiß, wovon sie spricht. Die promovierte Biologin macht regelmäßig Fledermaus-Touren. „Los geht’s“, sagt sie. Die Gruppe läuft in den Wald hinein.

In diesem Wald finden sich Bäume, die von den fliegenden Säugetieren gebraucht werden. Die mächtigen, uralten Stämme der Eiche bieten den nachtaktiven Geschöpfen Sicherheit und Nahrung. Am Tag schlafen sie in verwaisten Nisthöhlen von Spechten. In der Nacht jagen sie Insekten, die an und in den Bäumen leben.

Zwischen den Bäumen, deren Äste teils sehr lang sind und in der Dunkelheit wie schlafende Riesen wirken, flattern die Säuger schnell. So schnell, dass man sie nur mit Glück sehen kann. Auch nach 15 Minuten schlägt der Bat-Detektor nicht an. „Der erste Hunger scheint vorbei zu sein“, sagt die Biologin. Um die Wahrscheinlichkeit zu steigern, eine Fledermaus zu sehen oder zu hören, geht die Gruppe am Waldrand entlang. In kurzen Abständen stehen hier Laternen. Das Licht lockt Insekten an. Insekten locken Fledermäuse an. Tatsächlich: Ein irgendwie nass klingendes Schmatzen klingt aus dem Detektor. „Da“, sagt ein Mädchen leise und deutet mit ihrem Zeigefinger auf die Laterne. Manche sehen die Fledermaus auch, andere sagen „Wo?“. Solch eine Situation kommt an diesem Abend häufiger vor. Weiter geht’s.

Auf einer Lichtung, die im Mondlicht glänzt, schlägt der Detektor erneut an. „Eine Zwergfledermaus“, sagt Steghaus-Kovac. Aus dem Gerät schallt ein Laut. Es klingt so, als würde Mais platzen und zu Popcorn werden. Ein schnelles, hektisches Knistern. Die Kinder suchen nach dem Tier. Sichtbar ist es jedoch nicht. Die Zwergfledermaus ist klein und schnell. Gerade mal fünf Gramm wiegt sie, ihr Körper würde in eine Streichholzschachtel passen. „Genießen Sie alle noch mal den Anblick der lichtüberfluteten Wiese“, sagt Steghaus-Kovac. Es geht wieder zurück in den Wald.

Zwei Kinder halten Taschenlampen in ihren Händen. Die beiden Lichtkegel tanzen voran, Steghaus-Kovac und der Detektor bleiben dahinter. „Es ist ausgegangen“, sagt ein Mädchen und meint den Detektor, der sich gerade ausgeschaltet hat. „Shut down“ steht auf dem Display. Nach kurzem Schütteln funktioniert er wieder.

Während des Waldgangs sind die Kinder still, die Erwachsenen reden, stellen Fragen an die Biologin. „Ah, hier, da haben wir mal wieder was“, sagt eine Frau, als der Detektor tönt. „Hm, das war wohl eher eine Eule“, sagt Steghaus-Kovac. Das Gerät bleibt stumm. Die Fledermäuse scheinen wohl eine Pause von der Jagd einzulegen.

Zurück am Parkplatz des Fechenheimer Waldes geht es dann doch ab. Mehrmals huscht eine Zwergfledermaus durch das Licht einer Laterne. „Uuhh“, „Süß“, „Da“, Wo?“. Die Kinder sind zufrieden und müde nach der einstündigen Wanderung. Sie steigen in die Autos ihrer Eltern ein. Wenn sie in ihren Betten liegen, jagen die Fledermäuse bis zum Sonnenaufgang weiter. Ihr Hunger muss gestillt werden. Manche fressen bis zu 4000 Insekten pro Nacht.

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