+
Die BI Grüneburgpark kritisiert, dass die Stadt Frankfurt das Baumkataster geändert habe.

Westend

Auf der Suche nach dem richtigen Baum

  • schließen

Die Bürgerinitiative Grüneburgpark kritisiert die Stadt Frankfurt für ihre Gestaltung und Pflege der Grünanlage an der Miquellallee. So würde die Nummerierung der Bäume nicht mehr stimmen, gesunde Äste einfach ohne ersichtlichen Grund abgesägt, stellen die Mitglieder bei ihren Rundgängen fest.

Ich finde keinen Baum mehr“, sagt Gisela Becker. Dabei kennt sie sich gut aus im Grüneburgpark. Becker kennt die Zerr-Eichen und Hainbuchen, die Insektenwiesen und die Roßkastanien – nicht nur, weil sie sich seit 2012 in der Initiative Grüneburgpark engagiert. Die Diplompädagogin und ehemalige Stadtverordnete habe „immer schon ein Interesse für Ökologie, Kräuter, Blumen und Insekten“.

Ihr Wissen erläutert sie bei einer öffentlichen Führung durch den Park. Mit derlei Aktionen will die Initiative ihre Sicht auf die Gestaltung und Pflege der Grünanlage an der Miquellallee zeigen. Und bekannt machen, welches Vorgehen des Grünflächenamtes sie kritisiert.

So sei etwa 2016 einer Thuja, dem sogenannten Lebensbaum, ein sehr großer, gesunder Ast abgesägt worden, um Platz für einen neuen Weg zu schaffen. „Das sah aus wie eine Amputation“, erinnert sich Spaziergängerin Susanne Lindner.

Dass Becker trotz ihrer Orts- und Pflanzenkundigkeit die Orientierung im Park verloren hat, liegt daran, dass die öffentlich einsehbare Nummerierung der 2600 Bäume im Park seit August nicht mehr stimmen. So trägt die mächtige Sommerlinde im nord-östlichen Teil – sie ist der älteste und mit viereinhalb Metern Umfang auch der dickste Baum im Park – derzeit zwei grüne Nummernschildchen. An einem Ast baumelt die 1503, am Stamm die 1664. Online ist der Baum unter der Nummer 1664 zu finden. „Die haben das ganze Kataster auf den Kopf gestellt“, empört sich Becker. „Die“, damit meint sie Mitarbeiter des Grünflächenamtes.

Das sogenannte Baumkataster ist online einsehbar und erfasst alle städtischen Bäume. 2006 wurde laut Bernd Roser vom Grünflächenamt erstmals eine elektronische Zählung durchgeführt. Die einzelnen Bäume wurden nummeriert, um sie zu erfassen und regelmäßige Kontrollen zu systematisieren. Der Grund für die aktuelle Umstrukturierung der Zählweise: die Laufroute der Kontrolle sollte effizienter gestaltet werden. „Vorher musste der Kontrolleur von einem Punkt zum anderen gehen, jetzt kann er die Route in einer Art Schleife ablaufen. Das ist geht einfach schneller“, erklärt Roser.

Dass die Umstrukturierung aus ökonomischen Gründen gemacht worden sei, will Gisela Becker nicht glauben: „Das hat doch auch die zehn Jahre davor geklappt“, sagt sie. Vor allem aber versteht Becker nicht, weshalb das Vorhaben, das Kataster zu ändern, nicht öffentlich angekündigt wurde: „Das wurde alles im Geheimen gemacht“. Auch der Ortsbeirat sei nicht darüber verständigt worden.

„Die Grünflächenunterhaltung ist in unserer Verantwortung“, entgegnet Roser. „Jeden Arbeitsschritt mitzuteilen“, bevor es Ergebnisse gebe, dazu sehe er „keinen Anlass“. Aktuell seien Mitarbeiter damit beschäftigt, die neuen Nummern in das Online-System einzutragen. Öffentlich werden sollen sie zwischen dem 22. und dem 26. Oktober. Grundsätzlich gehe es dem Amt darum, möglichst viele Bäume zu erhalten. Nur, um Schäden abzuwenden, würden sie gefällt.

Doch auch hier hält die Initiative dem Grünflächenamt Nachlässigkeit vor. Sie hat einige Verbesserungsvorschläge: Mitunter könnten tote Bäume stehen gelassen werden, damit etwa Vögel darin nisten könnten. Ferner könnten Bäume, deren Äste wie in diesem Sommer durch Trockenheit abzubrechen drohen, durch Zäune geschützt werden. Besser gesagt, um Besucher des Parks vor den Bäumen zu schützen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare