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Im Adorno-Gymnasium stellte Günther Bauer sein Fotoprojekt vor.
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Im Adorno-Gymnasium stellte Günther Bauer sein Fotoprojekt vor.

Fotoausstellung

Suche nach der neuen Normalität an den Frankfurter Schulen

  • Sandra Busch
    VonSandra Busch
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Fotograf Günther Bauer hat in Frankfurter Schulen den Alltag während der Pandemie festgehalten.

Der Flur im Adorno-Gymnasium ist fast leer. Zwei Schülerinnen entfernen sich gerade. Eine Schülerin lehnt vor einem Tisch an den Wand, über den ihr Bücher von einem Lehrer zugeschoben werden. Alles auf Abstand. Alle mit Maske. Alles ganz ruhig. So sah die Bücherübergabe für die Sechstklässler in diesem Schuljahr aus. Normalerweise herrscht dabei großer Trubel, ist Gewusel und Gewimmel im Gang. Nicht in der Pandemie. Da ist die Bücherübergabe eine einsame Angelegenheit.

Fotograf Günther Bauer hat diesen Moment festgehalten. So wie viele andere Momente auch während der Pandemie in sieben Frankfurter Schulen. Ein Jahr lang hat er die Schulen mit der Kamera begleitet. Die Lebensrealität auf Fotos dokumentiert, die Suche nach der neuen Normalität festgehalten. „Die öffentliche Diskussion wird von Leuten geführt, die gar nicht wissen, was in den Schulen abgeht“, sagt Bauer. Er wolle das in kleinen Ausschnitten zeigen. Abgeklebte Stühle und Tische, wartende Schüler:innen vorm Händewaschen, leere und halbleere Klassenzimmer, Lunchpakete, Testungen, Homeschooling.

Seine Fotografien über den Schulalltag unter Pandemiebedingungen will er im September öffentlich auf dem Roßmarkt in der Innenstadt und auf den Schulhöfen der beteiligten Schulen zeigen. Das Projekt „Wir vermissen euch! Neustart an den Frankfurter Schulen“ wird vom Kulturamt und vom Bildungsdezernat unterstützt, auch von der Heussenstamm-Stiftung. Aber die Finanzierung der Ausstellungen „ist noch schwierig“, sagt Bauer.

Aus persönlicher Betroffenheit kam er auf die Idee, die Veränderungen in den Schulen zu dokumentieren. Er selbst hat schon als Schulkünstler gearbeitet, seine Frau ist Lehrerin, die Tochter arbeitet in einer Kita. „Ich hab’ die Probleme direkt mitbekommen.“ Dass etwa Schule als Ort der Begegnung, als Routine einfach wegfiel. Er begann im April 2020 an der Anne-Frank-Schule zu fotografieren, merkte aber schnell, dass „die Veränderungen gravierend sind“ und weitete das Projekt auf mehrere Schulen aus. So fotografierte er die Abschlussfeier des Abiturjahrgangs der Helmholtzschule im Stadion, die Verabschiedung der Viertklässler der Holzhausenschule auf dem Schulhof. „Die Abschlussfeiern wurden individueller, das wurde aber auch als positives Zeichen in der Schulgemeinde verstanden“, sagt Bauer.

Mathias Koepsell, Leiter des Adorno-Gymnasiums, zögerte nicht, als Bauer anfragte, „einen historischen Moment fotografisch festzuhalten, das andere Leben in der Schule zu zeigen“. Denn er glaubt, die Bedeutung dieses Moments könne „erst sehr viel später begriffen werden als in der unmittelbaren Konfrontation“. Ihn habe etwa auch besonders bewegt, dass die Schülerinnen und Schüler sich nicht als „Opfer einer Katastrophe begriffen haben“. Auch das hoffte er, könne auf den Fotos festgehalten werden.

Das sieht auch Lehrerin Christine Jörlemann so, die mit Kolleg:innen Texte und Zeichnungen der Kinder für die Ausstellung auf dem Schulhof zusammentrug. „Die Kinder sind unglaublich flexibel und anpassungsfähig, da können sich Erwachsene eine Scheibe von abschneiden.“ Immer wieder neue Regeln, neue Vorschriften, Maskenpflicht, halbe Klassen, Testungen, „das kam alles in der Schule an, wurde gelebt und das Beste daraus gemacht“.

Christian Kaufmann von der Heussenstamm-Stiftung glaubt, dass „in Deutschland zu wenig reflektiert wird, was die Krise mit uns gemacht hat, was sich ändern muss“. Das Projekt könne einen Betrag dazu leisten, Lehren aus der Krise zu ziehen.

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