Kinder, Jugendliche und freie Träger wollen weiter protestieren, bis die Stadt ihre finanzielle Hilfe für die Angebote erhöht.

Jugendarbeit

480 Stunden weniger Betreuung in Frankfurt

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Die freien Träger der Jugendhilfe müssen ihre Angebote kürzen, weil die Stadt die Zuschüsse nicht erhöht.

Christian Telschow schaut auf die gut 200 Menschen, die sich vor dem Römer versammelt haben. Neben ihm sitzen Kinder des Internationalen Kinderhauses, spielen auf Trommeln und singen ein Lied. Die Menge antwortet mit Trillerpfeifen, Applaus und lauten Rufen. Telschow ist im Vorstand des Frankfurter Jugendrings und sagt: „Das hier ist kein letzter Versuch. Es ist das erste Mal, dass wir richtig Druck machen.“

Mit wir meint er alle freien Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Deren Mitarbeiter, aber auch viele Kinder und Jugendliche, hatten sich am Donnerstagnachmittag vor dem Römer versammelt, um den Stadtverordneten, die am Abend über den Haushalt entschieden, zu zeigen: Wir geben nicht klein bei und wir sind auch nicht leise. Seit Jahren kritisieren die freien Träger, dass die Zuschüsse der Stadt zu ihrer Arbeit zu gering sind. Seit 2015 gab es keine Erhöhung mehr, mittlerweile sind die Personalkosten durch Tariferhöhungen so sehr gestiegen, dass die Träger die Mittel nicht mehr aufbringen können.

„Es ist keine gute Idee, bei den Kindern und Jugendlichen zu sparen“, sagte Telschow. Fast zwei Millionen Euro mehr Zuschuss fordern die Träger. „Die Frage ist nicht, ob die Stadt das Geld hat, sondern ob sie es dafür ausgeben will.“ Der Frankfurter Jugendring schätzt, dass mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche unter den Folgen der niedrigen Zuschüsse leiden müssen. Etwa 480 Stunden Öffnungszeiten werden die freien Träger ab sofort weniger anbieten können.

Im Koalitionsvertrag hatten CDU, SPD und Grüne sich darauf verständigt, die Tariferhöhungen in den Leistungen an die freien Träger zu berücksichtigen. Bis 2021 haben die Parteien auch noch Zeit, dann endet die Wahlperiode. Aber die Träger betonen, dass sie das Geld jetzt, ja eigentlich schon seit Jahren bräuchten. Zu glauben, dass die Träger es in diesem Jahr schon noch mal hinbiegen würden und die Angebote aufrecht erhalten, bezeichnete Telschow als naiv.

Svenja Klemen, Leiterin vom Jugendhaus am Bügel, erklärte: „Wir werden unsere jetzigen Öffnungszeiten und beispielsweise die Hausaufgabenhilfe nicht aufrecht erhalten können.“ Es werde immer schwieriger, Ausflüge für die Jugendlichen zu organisieren, weil das Geld, aber auch das Personal fehle. Stellen blieben immer länger vakant.

Der junge Anas war ebenfalls beim Protest vor dem Römer dabei. Er besuche etwa drei bis vier Mal das Jugendhaus Riedberg. „Dort bekomme ich Nachhilfe und etwas zu essen.“ Beides werde demnächst auf der Strecke bleiben.

Die Opposition sprang den Demonstranten zur Seite. In einer Pressemitteilung bemängelte die FDP-Römerfraktion die falschen Prioritäten der Koalition. Statt die Zuschüsse für die freien Träger zu erhöhen, würden Gelder für ein Kultur- und Freizeitticket bereitgestellt, das Kindern von Eltern zugute komme, die bis zu 4500 Euro netto pro Monat verdienen.

Die Jusos kritisierten auch ihre Mutterpartei SPD, welche die Unterstützung der Jugendarbeit der Koalitionsräson opfere. Dabei müsse das Thema ein Schwerpunkt der SPD sein.

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