"Wir fordern einen Campus ohne Gewalt": Studierende protestieren auf dem Campus.
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"Wir fordern einen Campus ohne Gewalt": Studierende protestieren auf dem Campus.

Goethe-Universität in Frankfurt

Studierende protestieren gegen Sexismus an der Uni

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Hunderte Studierende demonstrieren in Frankfurt auf dem Campus Westend gegen Übergriffe an der Goethe-Universität

Die Erstsemesterin kann die Frage, warum sie hier sei, gar nicht so richtig verstehen. Sie finde das, was passiert sei, eben „richtig scheiße“, sagt sie dann. „Man muss deutlich zeigen, dass so was nicht geht.“ Eine Kommilitonin sieht das genauso. „Sexismus an der Uni ist ein Problem, von dem alle wissen, das aber selten angesprochen wird“, sagt sie. Sexuelle Belästigungen gebe es ja überall, aber die Uni mit ihren Hierarchien und der großen Abhängigkeit von den Dozenten sei für Übergriffe aller Art leider ein „fruchtbarer Boden“.

Die beiden Frauen sind mit ihrer Kritik nicht allein. Rund 300 Studierende der Goethe-Uni sind an diesem Mittwoch dem Aufruf des Asta zu einer Kundgebung gegen Sexismus gefolgt. Mit Schildern und Transparenten stehen sie dichtgedrängt vor dem Unipräsidium. Anlass ihres Protests ist ein Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, in dem es um Vorwürfe einer anonymen Studentin gegen einen ebenfalls nicht namentlich genannten Dozenten geht. Dieser soll die Studentin verbal belästigt und körperlich bedrängt haben. Die Kritik der Betroffenen und des Asta richtet sich aber auch gegen die Uni: Das Gleichstellungsbüro soll die Betroffene und eine weitere Studentin, der gegenüber derselbe Dozent anzügliche Sprüche gemacht haben soll, zu wenig unterstützt haben. Den beiden Frauen soll stattdessen sogar gesagt worden sein, sie müssten mit ernsten Konsequenzen rechnen, sollten ihre Vorwürfe öffentlich werden.

Es sei offensichtlich, dass die Strukturen der Uni in dem Fall versagt hätten, sagt die Asta-Vorsitzende Anna Yeliz Schentke bei der Kundgebung. Anstatt ein klares Zeichen gegen Sexismus zu setzen, zweifle die Hochschule die Aussagen der Betroffenen öffentlich an. So könne es nicht weitergehen. „Es muss eine Atmosphäre geschaffen werden, in der Betroffene sexualisierter Gewalt ernst genommen werden“, sagt Schentke unter dem Applaus der Menge – und verliest dann fünf Forderungen des Asta, in denen es unter anderem um mehr Mittel für Gleichstellung und mehr Weiterbildung für Beratungsstellen geht.

Eine weitere Rednerin, die sich als Unterstützerin der betroffenen Frauen vorstellt, beklagt, dass Sexismus an der Uni „allgegenwärtig“ sei. Die Hochschule spiele das Problem herunter und sorge sich um ihr Image, „nicht um das Wohl der Betroffenen“. Opfer von Übergriffen müssten aber wissen, „dass und an wen sie sich bedenkenlos wenden können“. Der Applaus auch für die weiteren Rednerinnen zeigt: Die Wut ist groß.

Das Präsidium der Goethe-Uni teilt unterdessen mit, das Gleichstellungsbüro habe „alles in seinen Möglichkeiten Stehende getan, um die Vorwürfe rasch und gründlich zu klären“. Der beschuldigte Dozent sei auch nicht mehr an der Uni tätig. Die Kritik der Betroffenen nehme man dennoch „sehr ernst“. Das Präsidium erkenne an, dass die bestehenden Angebote sich weiter verbessern ließen. Man biete dem Asta an, gemeinsam über Verbesserungen zu beraten.

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