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„Studierende beklagen sich über mangelnden Respekt“

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Von: Timur Tinç

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Wartende Menschen vor der Frankfurter Ausländerbehörde in der Kleyerstraße.
Wartende Menschen vor der Frankfurter Ausländerbehörde in der Kleyerstraße. © christoph boeckheler*

Rebekka Göhring vom International Office der Goethe-Universität über die Probleme mit der Frankfurter Ausländerbehörde.

Frau Göhring, was berichten Ihnen internationale Studierende, wenn es um die Frankfurter Ausländerbehörde geht?

Es ist eine dramatische Situation, die Menschen schlaflose Nächte bereitet. Zehn bis 20 Studierende melden sich pro Woche bei uns, weil die Behörde per Mail und Telefon so schlecht erreichbar ist. Fünf Anfragen pro Woche von Erstsemestern im Master, die die Behörde noch nie erreicht haben. Zehn Anfragen pro Woche, weil die Weiterbeschäftigung gefährdet ist. Und das sind nur diejenigen, die sich bei uns melden. Viele machen sich Sorgen, dass sie dann illegal in Deutschland sind und ihr Studium nicht beenden können.

Wie ist die Forschung davon betroffen?

Es gibt in diesem Jahr zum Beispiel den Fall, dass eine Wissenschaftlerin der Goethe-Universität mit ERC-Grant, das ist eine der höchsten Förderungen für Forschung in Europa, trotz vollständigen Antrags und mehrmaligen Nachfragens durch die Universität bisher keine Verlängerung ihres Aufenthaltstitels erwirken konnte. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs, und es betrifft auch nicht nur die Goethe-Universität, sondern alle Wissenschaftseinrichtungen in Frankfurt.

Wurde das gelöst?

Der Arbeitsvertrag musste für einige Wochen sogar ausgesetzt werden. Eine weitere Forscherin war im Juli 2022 ebenfalls von einem Arbeitsverbot betroffen. In anderen Fällen konnte die Aussetzung des Arbeitsvertrages durch den engagierten Einsatz der Universität verhindert werden. Die Goethe-Universität ist auf eine gut funktionierende Ausländerbehörde angewiesen.

Zur Person

Rebekka Göhring ist Bereichsleiterin Studium, Lehre, Internationales der Goethe-Universität Frankfurt. An die Goethe-Uni ist die 50-Jährige im Jahr 2011 gekommen und leitete ab 2015 das International Office, ehe es umbenannt wurde. Die promovierte Politikwissenschaftlerin hat zuvor in Berlin und Genf gearbeitet. tim

Die Kommunale Ausländerinnen- und Ausländervertretung (KAV) fordert, eine Außenstelle der Behörde am besten an der Goethe-Universität einzurichten. Wie stehen Sie dazu?

Die Goethe-Universität ist seit jeher bereit, einen Beitrag zu leisten, und hat der Ausländerbehörde bereits 2016 angeboten, in ihren Räumlichkeiten der Goethe-Universität eine Servicestelle für Studierende und Wissenschaftler:innen für alle Frankfurter Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen zu schaffen. Dieses Angebot wurde vom derzeitigen Präsidenten noch einmal bekräftigt. Wiewohl es auf Arbeitsebene gute Kontakte und strukturierte Austauschforen gibt, scheinen die vereinbarten Qualitätssicherungsmaßnahmen nun aufgrund der immer weiter steigenden Überlast der Behörde nicht mehr zu greifen.

Welche Qualitätssicherungsmaßnahmen sind das?

Neben der unhaltbaren Zeitspanne der Bearbeitung von Anfragen beklagten sich einige unserer Studierenden und Wissenschaftler:innen über mangelnden Respekt seitens der Behörde. So gibt es zum Beispiel oft keine Eingangsbestätigungen für die Vorgänge. Teilweise entstehen den Berichten nach aber auch unklare Gesprächssituationen bei den Terminen in der Behörde. Deshalb bietet die Goethe-Universität für Studierende und Wissenschaftler:innen einen Begleitservice an. Ich bedaure zudem sehr, dass die Notfallnummer, auf die wir früher für eilige Terminvereinbarungen und schwierige Einzelfälle zurückgreifen konnten, derzeit nicht mehr zur Verfügung steht.

Was fordern Sie und die Goethe-Universität von der Stadt?

Der Standort Frankfurt kann so nicht weitermachen. Es ist nicht nur mit mehr Personal getan. Es muss sich strukturell etwas verändern; ich finde, wir brauchen eine lebendige Willkommenskultur in Frankfurt. Das schließt auch ein englischsprachiges Serviceangebot mit ein. Das Ganze ist überhaupt kein Luxus. Der Wissenschaftsraum Frankfurt lebt von den Menschen, die zu uns kommen. Unsere internationalen Studierenden und Wissenschaftler:innen sind keine Bittsteller:innen. Sie bereichern unseren Lehr- und Forschungsbetrieb mit ihrem Wissen und ihren Ideen. Dafür braucht es die passenden Rahmenbedingungen, und dazu gehört auch ein geregelter Aufenthalt.

Interview: Timur Tinç

Rebekka Göhring, Bereichsleiterin Studium, Lehre, Internationales der Goethe-Universität Frankfurt.
Rebekka Göhring, Bereichsleiterin Studium, Lehre, Internationales der Goethe-Universität Frankfurt. © Goethe-Universität Frankfurt

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