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Türen, die sich nur schwer öffnen lassen, sind eines der sichtbarsten Hindernisse. Doch Barrieren gibt es viele.

Studenten

Studieren ohne Barrieren

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Die Frankfurter Goethe-Universität will nicht nur bauliche Hindernisse beseitigen. Jetzt hat sie dazu einen Aktionsplan vorgelegt.

Das Vorhaben ist umfassend, so wie es sich für eine Universität gehören mag. Die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt will barrierefrei werden und hat dazu nun einen 35 Seiten langen Aktionsplan zur Umsetzung der Inklusion vorgelegt. Dieser ist auf zunächst drei Jahre angelegt, fast 100 Menschen haben sich an seiner Entstehung beteiligt.

Wenn man Petra Buchberger fragt, was die für sie dringendste Maßnahme sei, um Menschen mit Behinderungen das Lehren und Lernen an der Goethe-Uni zu ermöglichen, sagt sie: „Besonders wichtig ist es, für gesundheitliche Beeinträchtigungen und Behinderungen und den Umgang damit zu sensibilisieren.“

Buchberger ist Inklusionsbeauftragte für Lehre, Studium und Beruf an der Hochschule und Projektleiterin für den Aktionsplan. Entstanden ist eine recht detaillierte Bestandsaufnahme und ein Maßnahmenkatalog, der sich in vier Teilbereiche gliedern lässt. Dabei geht es zum einen um Information und Beratung, um den Ausbau der barrierefreien Lehre, ein barrierearmes Arbeitsumfeld und die Beseitigung baulicher Hindernisse.

Goethe-Universität

Auf gleich vier Campus ist die Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität zuhause. Der sich langsam leerende Stammsitz ist Bockenheim, die Naturwissenschaften sind auf dem Riedberg, der Campus Westend entstand am Poelzig-Bau, dem ehemaligen I.G.-Farben-Haus. Hinzu kommt das Universitätsklinikum in Niederrad.

170 Studiengänge bietet die viertgrößte Universität Deutschlands mit mehr als 48 000 Studierenden und 560 Professoren in 16 Fachbereichen.

Mehr unter uni-frankfurt.de pgh

„Wir haben drei Jahre an dem Plan gearbeitet. Es war uns dabei wichtig, möglichst viele Gruppen zu beteiligen“, sagt Koordinator Christoph Trüper. Ziel der breiten Beteiligung sei es gewesen, „dass der Plan und seine Umsetzung möglichst von der ganzen Universität mitgetragen wird“.

„Zum Thema Barrierefreiheit fallen bauliche Gegebenheiten natürlich besonders ins Auge“, sagt Trüper, der selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist. „Aber es gibt neben Mobilitätseinschränkungen auch viele nicht-sichtbare Behinderungen, beispielsweise psychische Einschränkungen“, erläutert er. Auch deshalb sei eine Sensibilisierung wichtig. „Und nötig ist auch, gegen Stigmatisierungsängste und Scham anzuarbeiten.“

Geplant sind neben vielem anderen die Einrichtung eines offenen Treffs zum Ideenaustausch, die Anschaffung von Hilfsmitteln, die Einführung neuer Arbeitszeitmodelle und der Ausbau digitaler Kommunikationswege.

„Insgesamt hat Corona da für einen Impuls gesorgt“, sagt Buchberger. „Für viele Studierende mit bestimmten Behinderungsarten war es sogar eher hilfreich, dass beispielsweise Vorlesungen gestreamt oder auf Video aufgezeichnet worden sind.“ Dies soll nun auch möglichst weiterhin geboten werden.

Allerdings ist auch dabei noch viel Sensibilisierung nötig. „Für Personen mit Sehbehinderungen kann es ein Vorteil sein, wenn sie eine Vorlesung per Video verfolgen können, weil sie zum Beispiel Bilder anhalten oder Präsentationen vergrößern können“, sagt Buchberger. „Für Personen mit Hörbehinderungen kann es sehr schwierig sein, einem Stream oder Video zu folgen. Deshalb müssen wir dafür sensibilisieren, dass diese Formate mit Untertiteln versehen werden.“

Ein Ansinnen, dass auch Christoph Trüper für wichtig hält. „Wenn Videos untertitelt werden, dann hilft das allen, nicht nur den Menschen mit Behinderungen. Es wird ein weiterer Sinneskanal angesprochen und es hilft auch Nicht-Muttersprachlern“, erklärt er. „Lehrende sollten grundsätzlich beachten, dass ihre Dokumente gut per Computer durchsucht werden können und sich auch zum Vorlesenlassen eignen.“

Ein Teilprojekt ist bereits in der Umsetzung. Bislang waren Informationen zum Studieren mit Behinderung über das Internetangebot gestreut. Nun lassen sie sich gebündelt finden unter inklusion.uni-frankfurt.de.

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