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Studie der Goethe-Uni Frankfurt zeigt, das Landesticket wirkt

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Von: George Grodensky

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Die Buslinie 75 verbindet in Frankfurt den Campus Westend mit dem Campus Bockenheim.
Die Buslinie 75 verbindet in Frankfurt den Campus Westend mit dem Campus Bockenheim. © peter-juelich.com

Seit das Land Hessen 2018 seinen Bediensteten die Fahrkarte schenkt, nutzen mehr Hochschul-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter den öffentlichen Nahverkehr.

Ein kostenfreies Ticket für den öffentlichen Personenverkehr kann motivieren, öfter mit Bus und Bahn zu fahren. Zu dem Ergebnis kommt 2021 eine Studie der Arbeitsgruppe Mobilitätsforschung am Institut für Humangeografie der Frankfurter Goethe-Uni. Nora Klinner und Monika Kraus beschreiben in ihrem Papier gar „eine signifikante Zunahme der regelmäßigen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel“.

Anlass für ihre Untersuchung war, dass das Land Hessen zum 1. Januar 2018 Landestickets für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeführt hat. Seither dürfen alle aktiven Beamtinnen und Beamten, Richterinnen und Richter, Lehrerinnen und Lehrer und eben die Unibediensteten mit dem Nah- und Regionalverkehr kreuz und quer durch Hessen fahren, ohne ein Ticket lösen zu müssen, abends und am Wochenende dürfen sie sogar noch Familie mitnehmen.

Also haben Klinner und Kraus 2019, ein Jahr später, 1686 Kolleginnen und Kollegen an der Hochschule zu ihren Nahverkehrsgewohnheiten befragt. Und die Erkenntnisse mit einer Umfrage aus dem Jahr 2015 verglichen. Als es noch kein Landesticket gab. An der neuerlichen Umfrage hätten etwas mehr Frauen teilgenommen als anteilig an der Universität arbeiteten, schreiben die Forscherinnen. Auch ist die Altersgruppe der über 39-Jährigen leicht überrepräsentiert.

Nicht zweitklassig reisen

Der Anteil der Professorinnen und Professoren ist höher als der Durchschnitt, das wissenschaftliche Personal ist hingegen leicht unter-, das administrativ-technische Personal leicht überrepräsentiert. Am meisten Fragebogen haben die Fachbereiche Erziehungswissenschaften und Geowissenschaften-Geografie ausgefüllt, bei den Geografen ist auch die AG Mobilitätsforschung angesiedelt.

Konkret fragen die Forscherinnen nach der regelmäßigen Nutzung des Nah- und Regionalverkehrs. Als regelmäßig gilt ihnen mindestens einmal die Woche. 2015 gaben 1230 der Befragten an, regelmäßig Bus und Bahn zu nutzen, 2019 waren es 1673 Bedienstete. Ein Anstieg von 64,7 auf 72 Prozent der Befragten.

Auch die Zustimmung zu positiven Aussagen über öffentliche Verkehrsmittel haben die Forscherinnen abgefragt. Zum Beispiel, dass man mit den Öffentlichen alle Ziele gut erreichen könne, dass es immer etwas Interessantes zu beobachten gebe oder dass Fahrgäste auf der Reise gut entspannen könnten. Alle Aussagen fanden 2019 etwas mehr Zustimmung als 2015. Negative Feststellungen bekamen im Vergleich weniger Beifall. Etwa, dass sich Reisende in Bus und Bahn oft wie Menschen zweiter Klasse fühlten.

Einschränkend erkennen die beiden Wissenschaftlerinnen an, dass die zwei Stichproben von 2015 und 2019 nicht miteinander verbunden seien. Darum ließen sich keine Veränderungen auf individueller Ebene nachvollziehen. Es lasse sich zwar ein Trend ablesen, aber ausschließen lasse sich nicht, dass auch andere Trends beim vermehrten ÖPNV-Gebrauch eine Rolle spielten. Womöglich sind die Menschen zwischen 2015 und 2019 generell umweltbewusster geworden. Oder das Benzin teurer oder die Parkplätze in der Stadt knapper.

Dennoch schließt die Studie mit dem Fazit: „Im Hinblick auf eine erhoffte Verkehrswende weg von motorisiertem Individualverkehr hin zu ökologisch freundlicherem, öffentlichem Personennahverkehr lassen sich aus diesem Ergebnis politische Implikationen ableiten“.

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