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Tanja Brühl wurde mit großer Mehrheit gewählt.

Goethe-Uni in Frankfurt

Die Studentenversteherin verlässt die Goethe-Uni

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    Georg Leppert
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Tanja Brühl, die frühere Vizepäsidentin der Frankfurter Hochschule, wird Chefin an der TU Darmstadt.

Eine Frankfurterin wird Uni-Präsidentin in Darmstadt. Die bisherige Vizepräsidentin der Goethe-Universität, Tanja Brühl, tritt am 1. Oktober ihr Amt als Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt an, wie gestern bereits kurz gemeldet.

Sie habe sich „riesig gefreut“, die „Leitung einer sehr zukunftsgerichteten Universität“ zu übernehmen, sagte Tanja Brühl der Frankfurter Rundschau am Donnerstag am Telefon aus Erfurt. Dort war sie zu einer Tagung der Friedens- und Konfliktforscher eingeladen, um einen Vortrag über die europäische Politik gegenüber Afrika zu halten.

Dazu wird die 49-Jährige in Zukunft wohl eher selten kommen. „Ich werde Forschung und Lehre vermissen und insbesondere die Studierenden“, sagte Brühl. Die Goethe-Universität verlasse sie ohne Groll. „Weggetrieben hat mich gar nichts“, betont die Politikwissenschaftlerin. Vielmehr sei es das Profil der Darmstädter Universität, das sie gelockt habe.

Die Frankfurter sehen den Abschied ihrer Vizepräsidentin auch als Auszeichnung. „Das ist ja durchaus auch ein Kompliment für die ,Personalentwicklung‘ der Goethe-Universität“, kommentierte Sprecher Olaf Kaltenborn. „Und es öffnet sehr gute Perspektiven für die Wissenschaftsregion Rhein-Main.“

Brühl hatte angekündigt, dass sie den Verbund der Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet stärken wolle. „Wir freuen uns sehr auf eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt“, sagte der Frankfurter Universitätssprecher Kaltenborn.

Brühl, die weiter im Frankfurter Stadtteil Heddernheim wohnen bleiben will, hatte sich in Darmstadt mit 51 von 61 Stimmen deutlich gegen den Karlsruher Professor Oliver Kraft durchgesetzt. Sie ist für sechs Jahre als Darmstädter Unipräsidentin gewählt – und wird in dieser Rolle mit der neuen grünen Wissenschaftsministerin Angela Dorn zu tun haben.

Brühl hatte dieses Amt selbst angestrebt. Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hatte die parteilose Frankfurterin im vergangenen Jahr als Kandidatin für das Ministeramt in sein Team aufgenommen und sie als „klar sortierte Fachfrau“ gelobt. Brühl sagte damals, sie habe bereits als Studiendekanin im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und dann als Vizepräsidentin der Goethe-Uni „die Lust an der politischen Gestaltung entdeckt“.

Im Austausch mit dem Wissenschaftsministerium kann Brühl an bestehende Kontakte anknüpfen. Angela Dorn hatte die Kanzlerin der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden, Ayse Asar, als Staatssekretärin in ihr Ministerium geholt. Asar war bis 2015 mehr als ein Jahrzehnt lang in der Verwaltung der Goethe-Uni tätig gewesen, zuletzt als Vizekanzlerin.

In den sozialen Medien war der spektakuläre Wechsel der Professorin bereits am Mittwoch ein großes Thema. Tenor: Für Darmstadt ist Brühl ein Gewinn, für die Frankfurter Goethe-Universität ist ihr Weggang ein herber Verlust.

In der Tat galt Brühl viele Jahre als die große Hoffnungsträgerin der Frankfurter Hochschule. Das lag zum einen an ihren wissenschaftlichen Leistungen. Vor allem aber konnte sie gut mit den Studierenden. Bereits 2008 gewann sie den Preis für exzellente Lehre. Immer wieder betonte sie die Bedeutung der Lehre, und auch für Belange jenseits des Hörsaals war sie für die Studierenden die richtige Ansprechpartnerin.

Im Präsidium der Goethe-Universität, in das sie 2012 gewählt wurde, beschäftigte sie sich vor allem mit einer Frage: Welche Folgen haben die stetig steigenden Studierendenzahlen für die Uni und die Stadt Frankfurt? So forderte sie etwa in einem Interview mit der FR die Politik auf, mehr günstige Wohnungen zu schaffen.

Wie Brühls Nachfolge an der Goethe-Uni geregelt wird, ist noch offen. Zunächst müsse es eine Abstimmung zwischen ihr, dem Fachbereich und dem Präsidium geben, sagte Olaf Kaltenborn.

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